Ende und Anfang zugleich

So feiert Pfarrer Stefan Barton Weihnachten in Corona-Zeiten

Trotz diverser Einschränkungen ist Stefan Barton, Pfarrer der Gemeinde St. Martin, in Weihnachtsstimmung. Er ruft gerade in diesem Jahr zu Achtsamkeit auf.
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Trotz diverser Einschränkungen ist Stefan Barton, Pfarrer der Gemeinde St. Martin, in Weihnachtsstimmung. Er ruft gerade in diesem Jahr zu Achtsamkeit auf.

Ein wenig gespenstisch wirken die Straßen schon, so verlassen in den Abendstunden, doch tapfer erhellt von der Adventsbeleuchtung. Der Lichtschein, entlang der Babenhäuser Straße zum Beispiel wirkt fast wie ein Hoffnungsschimmer und bringt auch dieses Jahr wieder weihnachtliche Stimmung in die Altstadt. Dorthin, wo der Weihnachtsmarkt stattgefunden hätte und Geschäfte wieder schließen mussten.

Dietzenbach – Trotz allem ist Stefan Barton „voll in Weihnachtsstimmung“. Der Pfarrer der katholischen Gemeinde St. Martin hatte alle Hände voll zu tun, die Gottesdienste an Heiligabend und über die Feiertage vorzubereiten. Pro Gottesdienst wird der 56-Jährige heute nur 50 Menschen begrüßen und in einer Einbahnstraße durch die Kirche leiten. Der Vorweihnachtszeit verleiht er selbst mit Musik und Kerzen im Pfarrheim Stimmung, aber auch mit dem Schreiben von Weihnachtsgrußkarten. Bei der Musikauswahl halte er es klassisch.

Stefan Barton: „Die Adventszeit steckt voller Hoffnung, dass Christus wiederkommt“

„An den Heiligabend haben die Menschen hohe Erwartungen“, berichtet Barton. Besonders besinnlich soll es werden, aber dieser „Herausforderung“ stellt sich der Pfarrer gerne. Zur Adventszeit, die zum einen den Anfang des neuen Kirchenjahres markiert, aber im Kalenderjahr zum anderen das Ende einläutet, schwinge so eine gewisse Euphorie mit. „Die Adventszeit steckt voller Hoffnung, dass Christus wiederkommt“, sagt er. In der Weihnachtszeit, die in der katholischen Kirche offiziell am 17. Dezember beginnt, liege der Fokus auf dem Glauben, dass Gott Mensch wird. Und dieses Wunder zieht alljährlich die Menschen in seinen Bann. Durch die Pandemie haben christliche Werte wie Nächstenliebe an Bedeutung gewonnen. Der Pfarrer führt aus: „Die Achtsamkeit ist ein ganz wichtiger Aspekt in der Gesellschaft.“ Sei es ein offenes Ohr oder der Einkauf, der für den Nachbarn erledigt wird. „Auch das ist Gottesdienst“, findet Barton und tröstet damit diejenigen, die aufgrund der Hygieneregeln keinen Platz mehr auf der Kirchenbank ergattern konnten.

Zwar steckt der Pfarrer in den Vorbereitungen – doch das Kind in ihm, das in jedem Jahr durch Plätzchenduft hervorgelockt wird, bleibt in diesem Jahr stumm. „Meine Tante hat jedes Jahr ein Päckchen geschickt, leider ist sie im Frühjahr verstorben“, erzählt er. In dem Paket befanden sich Ischler Nuss-Tartelettes, gebacken mit viel Schokolade nach altem Rezept. Das österreichische Gebäck entführt den 56-Jährigen in die Kindheit und erinnert an seine Studienzeit in Wien. Ein Teil seiner Familie stammt aus der österreichischen Hauptstadt. „Ich kann mich auch an viele Familienausflüge nach Regensburg erinnern“, erzählt er. „Da gab es zu Weihnachten immer Wiener Schnitzel.“

Während sich die Mozartstadt wie ein roter Faden durch das Leben des Pfarrers zieht, muss ein anderer roter Stoff in diesem Jahr im Schrank hängen bleiben: Das Kostüm des gütigen Bischofs mit Mitra, Stab und Rauschebart kam im Coronajahr leider nicht zum Einsatz. „Ich spiele für mein Leben gerne den Nikolaus“, verrät er. In seiner Freizeit ist Stefan Barton bei der Caritas aktiv und – normalerweise – in der Kreisstadt und in umliegenden Seniorenheimen unterwegs. Auch der Witwentreff, der von der Kolpingfamilie organisiert worden wäre, muss ausfallen. „Da sind wir aber wieder beim Thema Achtsamkeit: Vielleicht denkt ja der ein oder andere an Heiligabend an seinen einsamen Nachbarn“, wünscht sich der Pfarrer. (Lisa Schmedemann)

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