Ermitteln statt pauken

Seit 25 Jahren ist die Polizeistation im alten Schulgebäude beheimatet

Die erste Schicht: Am 22. Februar 1996 zog die Polizei in das ehemalige Schulgebäude in der Darmstädter Straße 33.
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Die erste Schicht: Am 22. Februar 1996 zog die Polizei in das ehemalige Schulgebäude in der Darmstädter Straße 33.

„Und das war die erste Schicht, die jemals hier ihren Dienst hatte.“ Udo Rebel hat in seinem Ordner gefunden, was er gesucht hat. Ein Gruppenbild von ihm und seinen damaligen Kollegen am Tag des Umzugs.

Dietzenbach – Am 22. Februar 1996 hat die Polizei die „Alte Schule“ zu ihrem Territorium gemacht. Gerade einmal zehn Mitarbeiter traten an jenem Donnerstagmorgen in den Räumlichkeiten ihren Dienst an, heute sind es rund 45 Beamte. Nach 40 Jahren im Dienst – 25 davon in der Polizeistation Dietzenbach – lohnt sich für Udo Rebel der Blick in die Vergangenheit.

„So mancher Kollege wird da neidisch auf unseren Arbeitsplatz“

Der Polizeioberkommissar wechselte damals vom Standort Rödermark in den Schulbau in der Darmstädter Straße 33. „Der Altbau-Charme zog mich sofort in seinen Bann“, erinnert sich der 59-Jährige. Die großen Fenster und die dicken Wände des 1878 errichteten Gebäudes strahlen in Rebels Augen „so eine bestimmte Gemütlichkeit“ aus. Das bestätigt auch der Erste Polizeihauptkommissar Andreas Bamberg, der vor rund zwei Jahren den Posten des Dienststellenleiters übernommen hat. „So mancher Kollege wird da neidisch auf unseren Arbeitsplatz“, verrät er. Zwar sind die ursprünglichen sechs Klassenräume durch Leichtbauweise in kleinere Büros unterteilt, doch bleibe eine gewisse Großzügigkeit vorhanden, die es vielleicht in einem Neubau nicht gegeben hätte. Mit der Belegschaft aus Rödermark ist vor 25 Jahren auch die Ermittlungsgruppe mit eingezogen, die zuvor im Alten Rathaus untergebracht war und damit nur die Straße hinaufgewandert ist. Mit dem Einzug wurde das ehemalige Schulgebäude um drei Arrestzellen, einen Aufenthaltsraum und Garagenstellplätze erweitert.

Und auch wenn sich einiges verändert hat, das dicke Mauerwerk beherbergt so manche Erinnerung. Rebel erzählt: „Manchmal kommen hier Dietzenbacher rein, die auf eine Tür deuten und sagen ‚Hier war mal mein Klassenraum.‘“ Zu seinen liebsten Erinnerungen zählt indes jene an den Hessentag im Jahr 2001. „Die ganze Stadt war auf den Beinen und hat mal an etwas anderes gedacht“, beschreibt der 59-Jährige. Die Schichten wurden entsprechend angepasst, denn um die Vorkommnisse auf den Festplätzen haben sich weitestgehend die Kollegen einer eigens eingerichteten „Hessentagswache“ gekümmert. „Und ansonsten war tote Hose, das war einfach eine tolle Stimmung in der ganzen Stadt.“

Udo Rebel (links) und Andreas Bamberg wissen den Altbau-Charme der heutigen Polizeistation zu schätzen.

Danach kam der Wandel. Nach der Jahrtausendwende nahm die Zahl der Straftaten stetig ab, die Situation im Spessartviertel entspannte sich. „Wenn heute noch jemand Dietzenbach für ‚die Hochhäuser‘ verurteilt, finde ich das unfair“, meint Bamberg, der „den Ring“ aus seinen Schichten in Neu-Isenburg und Heusenstamm kennt. „Es gibt noch Handlungsbedarf, aber dennoch ist die Situation heute nicht mit der in den Neunzigern vergleichbar“, stellt Bamberg fest. Er lobt die Zusammenarbeit mit der Stadt: „Wir stehen in sehr gutem Austausch und kooperieren.“ Auch die Corona-Pandemie wirkt sich auf die Arbeit aus. „Es gibt zum Beispiel weniger Einbrüche“, stellt Bamberg fest. Der Grund liegt auf der Hand: Die Menschen sind mehr zu Hause. Ob auch Einbrecher im Home Office arbeiten, bleibe Spekulation. „Humor ist übrigens ein wichtiger Bestandteil unseres Jobs“, sagt der Erste Polizeihauptkommissar, dessen Augen das Grinsen unter der Maske verraten.

Udo Rebel wird ab Ende Mai auch deutlich mehr Zeit im eigenen Heim verbringen – denn dann ist Schluss. In den 40 Jahren Polizeidienst, von dem der 59-Jährige mehr als die Hälfte in der Kreisstadt verbracht hat, hat Rebel definitiv Spuren hinterlassen. Dem „Gandhi der Asservatenkammer“ trauert die Belegschaft schon jetzt hinterher. „So einen braucht man einfach, wenn man irgendwo neu anfängt“, sagt Bamberg. Ganz fern bleiben werde Rebel der Station aber nicht. „Ich komme mal vorbei, wenn ich in den Globus muss“, verspricht der Rödermärker. (Lisa Schmedemann)

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