Ahnenforscher Ernst Hammann

Berühmte Verwandte ausbuddeln

+
Ernst Hammann

Dietzenbach -  Irgendwo findet sich vielleicht ein Graf. Oder ein kluger Gelehrter. Wenigstens ein großer Wohltäter sollte es schon sein. Ein Bettelmönch dagegen eher nicht. Und ein Scharfrichter schon überhaupt nicht. Von Barbara Scholze

Wer sich auf die Suche nach seinen Vorfahren macht und in der Vergangenheit Schritt für Schritt Verwandtschaft ausbuddelt, hegt immer auch Hoffnung auf Berühmtheiten in der langen Familienkette. Die Faszination Genealogie, volkstümlich Ahnenforschung genannt, hat manchen Hobbyhistoriker fest im Griff. Auch Ernst Hammann hat Familienblut geleckt und sich schon vor langer Zeit auf die Spuren seiner Stammväter begeben. In mühevoller Kleinarbeit hat der 89-Jährige anhand der historischen Hilfswissenschaft oft kuriose und fast immer spannende Geschichten über alte Dietzenbacher Geschlechter ausgegraben. Es sei wichtig, dass die Menschen einen Bezug zur Vergangenheit haben, das schaffe Identität, sagt er. „Ob wir wollen oder nicht, wir sind eingebunden in eine lange Reihe von Vorfahren und das Erbe unserer Vorfahren holt uns immer wieder ein.“

Die ersten Schritte mache ein Ahnenforscher meist, wenn er in den Hinterlassenschaften der Eltern und Großeltern auf interessante Daten stoße, erzählt der Hobby-Historiker. „Da findet man Zusammenhänge, die fesseln und nicht mehr loslassen.“ Weitere Erkenntnisse zu familiären Umtrieben liefern dann alte Urkunden und Bücher sowie Aufzeichnungen der Kirchen und Standesämter. „Es gehört zu den schönsten Momenten der Forschung, wenn der Ahnen-Verfolger Archivmaterial und Eintragungen findet, die mehr erzählen als die reinen Angaben zu Geburt, Heirat oder Tod“, so Hammann, der nicht nur Mitglied im Heimat- und Geschichtsverein, sondern auch in der Hessischen Familiengeschichtlichen Vereinigung ist.

Alte Familienwappen und Ahnen

Ausfindig gemacht hat er bei seinen Recherchen alte Familienwappen und eine große Anzahl vorzeigbarer Ahnen in gehobenen Berufen wie Pfarrer, Förster, Schultheißen und Staatsbeamte, mit ein bisschen Glück sind auch Adlige oder Rittersleute darunter. Die Auswahl an Familienmitgliedern ist schließlich nicht unbeachtlich. Zwei Eltern hat jeder Mensch, vier Großeltern und acht Urgroßeltern. „Schon die zehnte Ahnenreihe bedeutet acht Mal ein Ur-Vorfahr“, so der Hobbyforscher. Seine eigene Verwandtschaft kann er inzwischen bis ins Jahr 1659 nachvollziehen. Und viel gelernt hat er bei seinen zeitintensiven Untersuchungen auch. „So kann man etwa feststellen, dass über Jahrhunderte nur ebenbürtig geheiratet wurde, Adel und Ritterschaft blieben unter sich“, erzählt Hammann. Erst ab dem 15. Jahrhundert hätten sich die Blaublütigen zunehmend auch mit Partnern aus bürgerlichen Kreisen verbunden, natürlich nur, wenn etwas dabei heraussprang. „Es ist zu vermuten, dass der Adel nicht mehr genügend Mittel zur Verfügung hatte, so dass das reiche Kaufmannstöchterlein herhalten musste, um den Lebensstandard zu garantieren.“

So sei auch erklärbar, dass viele bürgerliche Geschlechter in Europa tatsächlich eine Ahnenlinie in adlige Linien nachvollziehen können. „Im 16. Jahrhundert heiratete beispielsweise einer meiner Vorfahren, der Oberförster Johann Christoph Wirwatz aus Röddenau, Margarethe von Biedenfeld aus hessischem Uradel“, erzählt Hammann.

Ahnengemeinschaft Dietzenbacher Familien mit Prinz Philipp von England

Was erst einmal nicht unbedingt nach Hochadel klingt, entwickelt sich in des Hobbyforschers Unterlagen äußerst prominent. „Über diese Verbindung ist schließlich eine Linie zu Karl dem Großen nachweisbar, und wenn man noch weitergeht, sogar zu Johann Wolfgang von Goethe“, so der Nachfahr. Und setzt noch einen drauf: „Auch besteht eine Ahnengemeinschaft Dietzenbacher Familien mit Prinz Philipp von England, über Prinz Alexander von Hessen, den Ur-Großvater von Prinz Philipp.“

So lohnt sich für manchen Dietzenbacher ein Blick auf die Mitglieder des englischen Königshauses, um die eine oder andere vererbte Gemeinsamkeit zu entdecken. „Äußere Merkmale sind oft über drei oder vier Generationen zu erkennen, manche Erbkrankheit oder manches Gebrechen zieht sich durch die gesamte Sippe.“ Auch zeigten sich Regelmäßigkeiten in Begabungen, etwa wenn sich besonders viele Musiker finden.

Seine kompletten Forschungsarbeiten stellt Ernst Hammann dem Museum für Heimatkunde und Geschichte (Darmstädter Straße 7 + 11) zur Verfügung. Bei jeder Beschäftigung mit der Ahnentafel müsse der Forscher jedoch beachten, dass genealogische Abstammung oft subjektives Wissen sei, egal wie glanzvoll die Namen auf dem Stammbaum an der Wohnzimmerwand daher kommen. „Es gibt viele Unsicherheitsfaktoren, vor allem je weiter man zurückforscht und je spärlicher die Quellen werden.“ An die offen bleibenden Fragen hat sich Ernst Hammann inzwischen gewöhnt. Vor allem an die eine: „Wer war noch davor?“

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare