Schulhund übt bereits positiven Einfluss aus

Ernst-Reuter-Schule: Welpe Cooper hilft beim Lernen 

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Der Zwölfjährige Mohamed überprüft im Beisein von Lehrerin Ann-Katrin Angermüller mit einem Stethoskop den Herzschlag von Schulhund Cooper. 

Dietzenbach - Die Ernst-Reuter-Schule hat in dem Australian Shepard Cooper einen neuen Schulhund. Dieser hat bereits einen guten Einfluss auf die Schüler. Von Lisa Schmedemann 

Manchem Schüler stockt der Atem, wenn er ins Büro des Schulleiters zitiert wird. Cooper hingegen hält sich gerne dort auf. Im Büro des stellvertretenden Schulleiters Marcus Rass legt er sich sogar schlafen. Der Australian Shepherd ist der Neuzugang im Kollegium der Ernst-Reuter-Schule und gerade einmal 17 Wochen alt. Bis er als richtiger Schulhund eingesetzt werden kann, hat er noch viel zu lernen. Seit einigen Wochen begleitet Cooper sein Frauchen in einzelne Schulstunden. Ann-Katrin Angermüller führt den Welpen sanft an den stressigen, lauten und chaotischen Schulalltag heran. „Wir hatten letztes Schuljahr einen Testlauf mit meiner Hündin Luna“, sagt Angermüller. Doch da die Hundedame mittlerweile zu alt sei, übernehme der junge Cooper ihren Job. Typisch für einen Welpen ist dieser noch aufgedreht und wild.

Alles muss beschnuppert und auf Geschmack oder Konsistenz getestet werden. „Wir haben die Schüler schon darauf sensibilisiert, dass sie Ordnung halten und keine Essensreste herumliegen lassen“, erläutert Angermüller. Dass die Jugendlichen achtsamer mit ihrer Umwelt umgehen, ist einer der positiven Effekte eines Schulhundes. Dazu gehört auch das Verhalten während des Unterrichts: „Wenn ein Mitschüler Ruhe haben will, wird es meist von den Störenfrieden ignoriert“, sagt Angermüller. Wenn sie jedoch um Ruhe wegen Coopers empfindlicher Ohren bittet, seien manche Schüler wie ausgewechselt. „Sie beginnen, Verantwortung zu übernehmen“, hat die Lehrerin registriert. So werde es insgesamt ruhiger in den Klassen. „Das ist eigentlich die Lernatmosphäre, die man sich immer wünscht.“ Ausgebildete Schulhunde seien außerdem in der Lage, Emotionen von Menschen wahrzunehmen.

„Wenn sich das Tier immer nur bei einem Schüler aufhält, wissen wir, dass da etwas nicht stimmt“, informiert Angermüller. Andernfalls könne ein solcher Fall untergehen – denn gerade leise, schüchterne Schüler würden sich oft nicht trauen, über ihre Probleme zu sprechen. Seit Anfang des Schuljahres bietet Angermüller die Schulhund-AG an. „Cooper ist an mich gebunden, sodass die Klassen etwas von ihm haben, die ich unterrichte“, sagt Angermüller. Durch die AG haben auch andere Schüler die Möglichkeit, mit der vierbeinigen Lehrkraft Zeit zu verbringen. Dabei lernen beide Seiten: die Schüler viel über die Anatomie, das Verhalten und die Erziehung von Hunden. „Auch Cooper soll lernen, sich von ‚Fremden‘ anfassen zu lassen, denn das ist ja beim Tierarzt der Fall“, betont Angermüller. Maximal zehn Schüler können an der AG teilnehmen, denn alles andere wäre für den Welpen zu viel. Gerade steht der Zahnwechsel an, den die Jugendlichen überprüfen sollen.

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Der Sechstklässler Mohamed greift vorsichtig den Kiefer und schaut in das unvollständige Gebiss des Hundes.  „Hier ist wieder einer ausgefallen“, stellt Mohamed fest. Und dort komme ein neuer Zahn. „Es macht Spaß zu sehen, wie Cooper groß wird“, erzählt er. „Er wächst auch rasend schnell“, fügt sein Mitschüler Ruven hinzu. Dieser nimmt sich ein Stethoskop und lauscht konzentriert. „Man hört ganz leise den Herzschlag“, berichtet er den anderen. Angermüller erklärt: „Die Herzfrequenz ändert sich im Alter, das werden wir beobachten.“ Zum Schluss der tierischen Schulstunde werden Kommandos geübt: Die Jugendlichen sollen den Hund an einem Besenstiel entlangführen. Die Neuntklässlerin Emine dirigiert Cooper souverän und ruhig. Bei Ruvens Versuch hopst der Welpe vergnügt um den Schüler herum. „Man muss die Hand unten lassen, sonst glaubt er, er müsse hochspringen“, weiß Emine. Sie verrät: „Ich habe selbst einen Hund und nehme für ihn viel Wissen mit aus der AG.“

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