Dietzenbacher Hessentagspaar

Ewig mit dem Hessentag verbunden

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Valentina Kvesic (Mitte) beim Treffen der Hessentagspaare in Gelnhausen.  (c)Foto: p Auf Inline-Skates in voller Tracht posierten Valentina Kvesic und Benno Flaig vor dem Landesfest.

Dietzenbach -  Der Hessentag steht wieder vor der Tür – in diesem Jahr in Korbach. Das Hessentagspaar gehört dabei zur festen Tradition. Valentina Kvesic war eine Hälfte des Dietzenbacher Hessentagspaares vor 17 Jahren. Von Patrick Eickhoff 

Die Veranstaltungswoche brachte sowohl für die Stadt als auch für sie einige Veränderungen mit sich. Wenn der Hessentag in einer Stadt einkehrt, dann herrscht eine Woche Ausnahmezustand. Konzerte, Aktionen und unzählige Menschen von außerhalb kehren in der jeweiligen Stadt ein. 2001, vor 17 Jahren, war es in der Kreisstadt soweit.

Zur festen Tradition der Veranstaltungswoche gehört das Hessentagspaar, das eine repräsentative Funktion einnimmt. Valentina Kvesic und Benno Flaig waren das in Dietzenbach. „Das Amt und auch der Tag sind bis heute fest mit mir verbunden“, sagt Kvesic.

Sie haben sich damals gemeinsam beworben. „Wir mussten zum Casting und wurden interviewt“, erinnert sich Kvesic. „Doch die größte Herausforderung war die Aufgabe, einen Vortrag über Dietzenbach auf Hessisch zu halten.“ Die 38-Jährige kam erst mit zehn Jahren aus Kroatien nach Deutschland. „Ich musste ja erst einmal Deutsch lernen, da ist Hessisch natürlich deutlich schwieriger.“ Doch beide meisterten die Aufgabe. „Es klingelte das Telefon, und wir sollten ins Bürgerhaus kommen.“ Am nächsten Tag waren beide in sämtlichen Printmedien abgedruckt, das Fernsehen fragte an, es gab Postkarten und sogar kleine Figuren von den beiden. „Meine Eltern waren stolz wie Oskar, sie haben all die Sachen aufgehoben.“

Für die beiden Repräsentanten begann mit der Wahl eine spannende Zeit, aber auch die Kreisstadt war im Wandel. Der Aussichtsturm auf dem Wingertsberg wurde gebaut, die Erweiterung des Heimatmuseums, Geschichtspfad und Balanciermeile eröffnet. Die Stadt zeigte sich von der besten Seite. „Das Schöne daran ist, dass an dieser Woche alle Vereine und Kulturen gemeinsam arbeiten und für ein gelungenes Fest sorgen.“ Diesen Punkt hebt sie besonders hervor. „Das hat einen sehr integrativen Charakter.“ Kvesic erinnert sich an die Dekoration: „Die Offenbacher Straße war voll mit Wimpeln und kleinen Fahnen, am Hessentagspark waren Stände aufgebaut, und oben am Waldstadion waren die Konzerte.“

Und wenn sie an die Musiker denkt, muss sie gar nicht lange überlegen: „Ich weiß noch genau, dass Pur damals aufgetreten ist.“ Die Band feierte damals 20 Jahre Bühnenerfahrung. So richtig feiern konnten beide ihren Hessentag aber nicht. „Wir sind mehr oder weniger von Termin zu Termin gefahren und hatten nur ab und zur mal Zeit, über das Gelände zu schlendern.“ Da die verschiedenen Höhepunkte des Festes quer in der Stadt verstreut waren, gab es einen Fahrdienst. „Aber wir haben damals auch Inline-Skates bekommen, mit denen wir unterwegs waren – das sah in der Tracht dann auch lustig aus“, sagt sie und lacht.

Kürzlich kamen die Hessentagspaare in Gelnhausen zusammen. Sie haben sich mittlerweile in einem Verein organisiert. „Wir treffen uns zweimal im Jahr, und jeder zieht seine Tracht an.“ Kvesic hat sich ihre nachschneidern lassen, denn das Original wurde damals ans Heimatmuseum übergeben. „Als ich das letzte Mal danach sehen wollte, konnte mir allerdings niemand sagen, wo genau sie jetzt ist – das finde ich schade.“ Doch die Tradition und der Tag sind seitdem fester Bestandteil ihres Lebens und ihrer Familie. „Meine Eltern haben seitdem keinen Hessentag mehr verpasst“, sagt sie und fügt an: „Ich werde auch heute noch angesprochen.“

Bilder: Hessentag 2017 in Rüsselsheim

Das letzte Mal ist ihr das auf der Dietzenbacher Kunstausstellung „Artig“ passiert. Denn Kunst ist die Leidenschaft der 38-Jährigen. „Im Bürgerhaus wurde ich dann sofort auf den Hessentag angesprochen – das ist so lange her, und die Leute erkennen mich immer noch“, staunt sie. Ihre erste eigene Ausstellung fand damals nach dem Hessentag statt. „Die Leute haben mir die Bude eingerannt“, erinnert sie sich. „Der Name war wohl einfach noch präsent.“

Die Wahl zur „Hessentagsprinzessin“ habe sie auch persönlich weitergebracht, erläutert sie. „Ich kann heute viel freier vor Gruppen treten und sprechen.“ Kein Wunder, denn schließlich war sie damals 21 Jahre jung. „Damit hat sich nicht nur die Stadt, sondern auch ich habe mich persönlich weiter entwickelt.“ Doch auch das Image der Stadt hat sich verbessert. „Viele Leute sind in die Stadt gekommen, die vorher wahrscheinlich immer nur von den negativen Seiten gehört haben“, sagt sie. Besonders freut es sie, überhaupt die Chance gehabt zu haben, ein Teil des Paares zu werden. „Die Wahrscheinlichkeit, dass der Tag in die eigene Stadt kommt und man im perfekten Alter dafür ist, ist sehr gering“, sagt sie. „Das war so eine schöne Erfahrung, hätte ich die Chance, ich würde mich glatt wieder bewerben.“

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