Ex-Mitarbeiter des Kreises Offenbach angeklagt

Gegen Bares gab’s neuen Führerschein

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Führerschein gegen Bares - so lautet der Vorwurf.

Dietzenbach/Offenbach - Fahrerlaubnis weg oder Prüfung nicht geschafft? Bei der Zulassungsstelle Dietzenbach kein Problem. Von Silke Gelhausen-Schüßler

Dort soll es bis Oktober 2013 einen Sachbearbeiter in der Führerscheinstelle gegeben haben, der das begehrte Dokument gegen entsprechendes Kleingeld auch schon mal ohne die entsprechenden Nachweise lieferte. Seit Donnerstag muss sich Markus G. (36) wegen Bestechlichkeit und Urkundenfälschung vor dem Amtsgericht Offenbach verantworten. Mit ihm sitzen fünf weitere Angeklagte vor dem Schöffengericht: Ibrahim K. (44) und Hamid K. (37) sollen als Vermittler und Geldboten in drei Fällen beteiligt sein, Ljuanda T. (35), Hans S. (52) und Hasnae C. (38) sollen Führerscheine gekauft haben. Insgesamt 13 Fälle des Betrugssystems im Zeitraum Januar 2011 bis Juni 2013 verliest Staatsanwältin Wajia Ayub. Laut Anklageschrift sind die meisten Dokumente ohne Fahrprüfung ausgehändigt worden, in einem Fall unter Umgehung der „Medizinisch-Psychologischen Untersuchung“ (MPU). Und nicht nur die Buchstaben AM, B und L - die frühere Klasse 3 für Pkw und Kleinkrafträder - kommen in der Betrugsserie vor sondern sogar C, CE und D. Diese Kategorien betreffen Lkw-Zugfahrzeuge und Busse.

Während sich der Hauptangeklagte G. mit keinem Wort zu den Vorwürfen äußert, räumen die Mittelsmänner K. und K. ihre Tatbeteiligungen ein. Der höchste bisher bekannte Preis eines Führerscheins lag bei 3500 Euro - was für alle angeklagten Fälle eine Mindestgesamtsumme von 15.000 Euro ergibt. „Bei unseren Ermittlungen haben wir ein Verzeichnis gefunden, wo alle Preise von Motorrad bis Lkw aufgelistet waren.“ berichtet ein Stuttgarter Polizeibeamter von der auf Korruption spezialisierten Arbeitsgruppe Pentagon im Zeugenstand. „Kunden“, die nicht im Kreis wohnten, wurden irgendwo dort angemeldet - damit die Scheinwohnsitze im Zuständigkeitsbereich der Zulassungsstelle Dietzenbach lagen.“ Laut dem Ermittler hatten die krummen Geschäfte bereits 2009 begonnen, G. war zu der Zeit seit zehn Jahren im Amt. Der Zeuge: „Laut Leiterin der Zulassungsstelle in Offenbach hat G. sogar auf eine Höhergruppierung verzichtet, um in der Führerscheinstelle bleiben zu können.

Die Abnehmer bestreiten die Anschuldigungen. Der aus Dreieich stammende S.: „Ich habe Ende 2012 meinen Führerschein verloren, woraufhin ich in Dietzenbach einen neuen beantragt und dann abgeholt habe.“ Amtsrichter Manfred Beck: „Und warum waren da Klassen eingetragen, die Sie gar nicht haben?“ - „Davon habe ich erst erfahren, als die Polizei mein Haus durchsuchte. Ich habe niemandem Geld gegeben, und ich brauche auch keinen Lkw- oder Busführerschein, erklärt der Angeklagte. Der Prozess wird fortgesetzt.

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