Eckhaus Borngasse

Fachwerk übersteht Bombennacht

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Das Fachwerkhaus des Ehepaars Fenn an der Ecke Borngasse birgt viele Erinnerungen aus der Vergangenheit. In der oberen, rechten Ecke des Fotos ist eines der Plakate zu sehen, das der Aktionskreis Ende der 70er Jahre entworfen hatte.

Dietzenbaach - Viele Dietzenbacher kennen das Eckhaus an der Borngasse 24, gegenüber vom Trinkborn. Die roten Holzbalken des seit etwa 50 Jahren unter Denkmalschutz stehenden Fachwerkhauses machen es besonders einprägsam. Von Kai Wagner 

Seit 1990 gehört es Heinz und Helga Fenn, die das historische Schmuckstück gekauft haben, damit es im Familienbesitz bleibt. Binnen zehn Jahren haben sie alles komplett entkernt und saniert. „Unsere Familie hat sehr gute und schöne Erinnerungen an die Feiern in dem Fachwerkhaus“, sagt Heinz Fenn: „Das wollten wir nicht in fremde Hände geben.“ Hier seien traditionell alle Familienfeste gefeiert worden. Helgas Großvater Heinrich Keim der Zehnte war im Gesangsverein Sängerkranz aktiv. Der kam denn auch stets zu Feierlichkeiten wie Geburtstagen oder der Diamanthochzeit von Heinrich und Magarethe Keim und gab dort ein Ständchen, erinnert sich Helga Fenn. Als sich die Gemeinde interessiert gezeigt hatte, das Fachwerkhaus zu kaufen, ließ sich Großvater Heinrich nicht darauf ein.

Das gegen Ende das 18. Jahrhunderts erbaute Haus überdauerte seine Zeit. In der Bombennacht vom 20. auf den 21. September 1941 warf die englische Luftwaffe über Dietzenbach mehrere Sprengkörper ab, die eigentlich Frankfurt treffen sollten. Eine der Bomben, die viele Häuser und Scheunen zerstörten, schlug in der Darmstädter Straße ein – und zwar mit so einem gewaltigen Druck, dass es auch das heutige Haus der Fenns etwas verschob und verzog. Bei der umfangreichen Sanierung, die das Paar 1990 begann, haben die Fenns die Schäden begradigen lassen.

Als sie das Haus im selben Jahr kauften, waren nur die vordersten zwei Zimmer unterkellert. Während der Sanierungsarbeiten ließen die Fenns zunächst ein Stützkorsett im Keller anbringen, welches das bereits entkernte Fachwerk halten sollte, wie sie berichten. Den Keller selbst wollten sie unter das gesamte Fachwerkhaus ausbreiten und zudem etwas absenken. Weil sich die Kellerwand an der Fassadenseite des Hauses allerdings nicht mehr als tragfähig erwies, haben die Fenns sie betonieren lassen, um die Standfestigkeit zu gewährleisten. An der Querseite ist sie dagegen gemauert. Sechs Tage die Woche haben fünf, sechs Arbeiter mit Schaufeln und Schubkarren alles per Hand ausgegraben, wie sich die Fenns erinnern. Die Kellerarbeiten dauerten fast ein ganzes Jahr. Aber auch die Innenausstattung hat das Paar modernisiert und an aktuelle Standards angepasst. Heute gibt es drei Wohnungen in dem Fachwerkhaus, jeweils eine pro Etage. Zur obersten gehört auch das Dachgeschoss dazu. In der Anfangszeit lebte die Tochter der Fenns mit ihrem damaligen Freund darin. Heute hat die Familie alle Wohnungen vermietet. Jede Wohnung hat ihren eigenen Eingang und alle Mieter einen eigenen Keller- sowie einen Heizungs- und Waschraum.

Hinter dem Fachwerkhaus befand sich früher eine Scheune, welche die Fenns zu einem Wohnhaus umgebaut haben. Eine Auflage der Stadt war, dass das angrenzende Haus in geschlossener Bauweise an das Fachwerkgebäude angebaut wird. Die Sandsteine der abgerissenen Scheune hat Heinz Fenn beim Bau der Hofmauer im Eingangsbereich wiederverwendet. Die Mauer zur Grundstückgrenze war zuvor verputzt gewesen. Fenn jedoch legte sie wieder frei, damit die Sandsteine wieder zum Vorschein kommen. Denn dies, fand er, passe besser zu dem Fachwerkhaus und dem allgemeinen Altstadtcharakter.

Bis das angrenzende Mehrfamilienhaus 1996 fertig war, lebten die Fenns allerdings noch nicht selbst an der Borngasse sondern in einem Haus am Lindenweg. Der Nachteil an einem Fachwerkhaus wie diesem sei, dass immer etwas daran zu tun sei und man sehen müsse, dass alles auf dem neuesten Stand bleibe. So etwa könnten die Holzbalken, die sich leicht bewegen, zu Schäden führen. Setzrisse etwa können durch Druck der Balken auf die Fachwerksteine entstehen. Die Fenns mussten die Balken deshalb schon von einer Fachfirma abdichten lassen. „Zuerst hat man uns wegen der Mühen, die wir in das Fachwerkhaus gesteckt haben, belächelt“, sagt Heinz Fenn. „Dann aber hat es doch Anklang gefunden.“ Bisher haben sich alle Mieter in dem Haus sehr wohl gefühlt, vor allem, weil sie das Fachwerkambiente zu schätzen wissen.

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