Ernst-Reuter-Schule

Falkenschau am Schul-Computer

+
Ob das älteste der insgesamt fünf Turmfalkenjungen (im Bild links gemeinsam mit dem zweitältesten zu sehen) nun seine Flügel trainiert oder andere es sich noch im Nest gemütlich machen – (fast) nichts bleibt von den Schülern der Ernst-Reuter-Schule unbeobachtet.

Dietzenbach - Videoüberwachung, da mag der eine oder andere Dietzenbacher spontan an die Kameras an den Bahnhöfen und auf der Grünachse denken. Nicht so jene Ernst-Reuter-Schüler, die in einem Raum im ersten Stock eine Live-Übertragung am Computer verfolgen. Von Khang Nguyen 

Die Jugendlichen beobachten hier die Entwicklung von vier jungen Turmfalken, die erst vor Kurzem geschlüpft sind. Der älteste von ihnen trainiert bereits fleißig seine Flügel, während es sich seine Geschwister im Nest noch eher gemütlich gemacht haben. Die beiden Siebtklässlerinnen Sara Bopp und Irem Barulay observieren mit großer Leidenschaft die Vögel, die in der benachbarten katholischen Kirche St. Martin ihr Nest errichtet haben. „Ich bin durch meine Schwester auf die Schul-AG aufmerksam geworden“, erzählt Sara. Genauso wie sie ist auch Irem vom gefiederten Nachwuchs geradezu entzückt: „Da bleibe ich gern freiwillig noch etwas länger in der Schule.“

Ob das älteste der insgesamt fünf Turmfalkenjungen (anderes Foto) nun seine Flügel trainiert oder andere es sich noch im Nest gemütlich machen – (fast) nichts bleibt von den Schülern der Ernst-Reuter-Schule unbeobachtet. 

Aus dem Falken-Projekt, das im Rahmen des Naturwissenschaftsunterrichts entstanden war, ist innerhalb einiger Jahre eine sehr differenzierte Forschungsarbeit geworden. Penibel haben die Schüler in wochenlanger Arbeit den gesamten Zyklus des Brütens protokolliert. Wie ist ein Falken-Ei aufgebaut? Wie entwickelt sich der Embryo im Ei zum Küken? Auch das Brutverhalten der Eltern haben die Nachwuchsforscher genauestens beobachtet. Interessanterweise stießen sie dabei auf ein Phänomen, welches sie als „Brut-Uhr“ bezeichnen: So soll sich die Turmfalkenhenne zu 80 Prozent gegen den Uhrzeigersinn drehen, während sie auf den zu brütenden Eiern sitzt. „Leider haben wir noch keine Erklärung dafür gefunden“, sagt Hans Gehrig, einer der Leiter des Projektes und Lehrer an der ERS. Doch was nicht ist, kann ja noch werden. Ohnehin haben die Schüler schon so viel beobachtet und entdeckt, dass das Projekt bereits bei „Jugend forscht“ ausgezeichnet wurde.

Hätten Sie es gewusst? So alt werden Tiere

Hätten Sie es gewusst? So alt werden Tiere

„Es ist toll, dass wir in den letzten Jahren so viele Turmfalken in Dietzenbach verzeichnen konnten“, sagt Rudolf Keil von der Naturschutzgruppe der Kolpingfamilie, der das Projekt mitbetreut. Insgesamt seien es rund acht Gelege, die ihm bisher gemeldet wurden. Neben dem Glockenturm der Kirche St. Martin sind unter anderem auch je eines auf dem EVO-Schornstein am S-Bahnhof Mitte sowie im Gewerbegebiet Süd gesichtet worden. Die Dunkelziffer sei jedoch bestimmt höher, schätzt er.

Bei einer bloßen Beobachtung am Rechner soll es bei dem Projekt jedoch nicht bleiben. In regelmäßigen Abständen besuchen die Schüler mit ihren Lehrern auch das Gelege im Glockenturm, um dort Analysen vornehmen zu können. So etwa soll ihnen der Zustand des Nestes weitere Erkenntnisse über den Brutzyklus liefern.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare