Fastnachtsstimmung im Theater Schöne Aussichten

Im Paradies gibt es keine Banker

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Im TheSA wird über alles hergezogen: über Männer, Frauen und ganz besonders Politiker. Reiner Wagner und Ulrike Rassloff als Frau Babbisch und Frau Struwwelisch

Dietzenbach -  Brennnesseln tun bekanntlich weh. Ebenso wird „Frauen, Männern und ganz besonders Politikern“ so Reiner Wagner, in den knapp drei Stunden Programm der neuen Sitzungsgenres „Brennessel“ weh getan, indem über sie hergezogen wird. Von Daniel Kolb

Mal kabarettistisch, mal musikalisch und gesungen wird stets mit einem starken satirischen Bezug. Für die heitere Stimmung im Theater Schöne Aussichten (TheSA) am Harmonieplatz muss Wagner kaum sorgen, denn die haben die über 80 Gäste schon selbst mitgebracht. Immer wieder wird mitgeklatscht, „Täterä“ gerufen und lautstark gelacht. Nach einer kurzen Begrüßung Wagners geht es mit einigen kurzen Dialogwitzen zwischen Frau Babbisch und Frau Struwwelisch, gespielt von Wagner und Ulrike Rassloff, los. Zudem weist Wagner auf die Anarchie auf der Bühne hin. Diese bedeutet, dass ein buntes Programm mit ständig wechselnden Künstlern auf die durchweg begeisterten Gäste wartet.

Als Alternative zu einer üblichen Fastnachtssitzung stellt sich die Brennnessel dar. Einmal beginnt das Lied „Humba Humba Täterä“ im Hintergrund zu spielen und schnell wird mitgegrölt, aber das Stück endet abrupt um deutlich zu machen, dass es sich hier eben nicht um eine konventionelle Fastnachtssitzung handelt.

Ruhe gibt's nur in der Pause

Das Paradies wird als ein Ort ohne Manager, Banker und Berater besungen und zwar in einer neuen Version von „Tanze mit mir in den Morgen“ über Norbert Blüm, Demenz und platzende Rentenversprechen. Insgesamt darf sich das Publikum aber nur in den Pausen ausruhen. Mal gibt es Liedtexte, um den Refrain mitzusingen, ein anderes Mal werden die Gäste in der ersten Reihe ins Programm einbezogen. Auch ein oftmals erwiderter „Helaaf“-Ruf auf Wagners zugerufenes „Satire!“ darf nicht fehlen. Sybille und Arnold Spielmann tragen eine lustige Geschichte über eine Lederjacke und etwas zu viel Alkohol vor. Sie begleitet am Keyboard seinen Gesang und die beiden ernten neben heftigem Applaus auch positive Kommentare aus dem Publikum wie „Sagenhaft!“ und „Bravo!“. Ebenso begeistert ist das Publikum von dem noch sehr jungen Büttenredner Robin Rütten, der den Beitrag „Cooler Schüler“ beisteuert und damit kein Auge trocken lässt.

Als Bereicherung zwischen den wortreichen Vorführungen führt Peter Kämmer als Pantomime ein stilles, aber nicht minder witziges Programm auf. Bei Birgit Reuter und Mick Liebigs Auftritt bekommen Männer und Frauen in zwei Liedern ihr Fett weg. Angela Bekele gibt sich selbst als Flugbegleiterin auf der Bühne und bringt trotz ihres zunächst ernsten Auftretens alle zum Lachen, wenn sie vom ersten Baby und dem Alltag im Flugzeug erzählt, den sie zu verändern versuchte.

Rockfasching am Wingertsberg 2013

Rockfasching auf dem Wingertsberg

Gegen Ende kommt noch Andrea Bergs Stück „Du hast mich tausend Mal belogen“, das sich aber in Wagners Version an alle Politiker richtet und dessen Titel „Ihr habt uns tausend Mal belogen“ lautet. Zudem steht im Anschluss noch das Sängerkranzquartett auf der Bühne, die mit ihrem „A cappella“ den Abend schön in Erinnerung behalten lassen. Wer nun auf den Geschmack gekommen ist, kann sich jeden Freitag bis zum 21. Februar ab 20 Uhr unterhalten lassen.

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