Fasziniert vom Blick in die Kochtöpfe

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Für das Team von „KS Gourmet“ gehört neben Perfektionismus auch Spaß zum Kochen. Unter der Führung von Ulrich Schmidt (rechts) und seiner Frau Marion Kiefer-Schmidt (2. von rechts) kochen zehn Mitarbeiter im Wetterdienst-Betriebsrestaurant.

Dietzenbach ‐ Wenn Ulrich Schmidt die große Schaufel auspackt, wird die Sache salzig. Wo die Hausfrau am heimischen Herd das Gewürz prisenweise zwischen den Fingerspitzen abmisst, gibt der gelernte Koch Schippe für Schippe des weißen Aromastoffes in den riesigen Topf. Von Barbara Scholze

Natürlich „nach Gefühl“, allein der Gedanke an eine versalzene Suppe treibt dem Küchenchef tiefe Sorgenfalten auf die Stirn. Etwa 400 Essen bringt Schmidt täglich auf die Tische des Betriebsrestaurants beim Deutschen Wetterdienst (DWD) in Offenbach. Gegen zehn Konkurrenten hatte er sich vor zwei Jahren mit seinem Unternehmen „KS Gourmet Partyservice und Catering“, das er gemeinsam mit Ehefrau Marion Kiefer-Schmidt betreibt, im Bewerbungsverfahren durchgesetzt. Überzeugt hatte das Dietzenbacher Ehepaar mit seinen Ideen von einer frischen Küche mit einem nur geringen Anteil an „Convenience-Produkten“, also vorgefertigter Ware.

„Der Zuschlag war ein Riesenerfolg für uns“, erzählt Marion Kiefer-Schmidt. Wenn er auch anfangs ein leicht flaues Gefühl verursachte. „Wir hatten 2004 unser Unternehmen gegründet und waren damals nur zu zweit“, erinnert sich die Chefin. Zurückgreifen konnte das Paar aber nicht nur auf bekannte Profis, die es als Mitarbeiter ins Boot holte. Auch die langjährige Erfahrung von Ulrich Schmidt als Küchenleiter eines der größten Catering unternehmen Deutschlands und seiner Frau, einer Industriekauffrau in Führungsposition, verhalf dem jungen Unternehmen schnell zum Erfolg.

„Essenszubereitung hat mich fasziniert.“

 Insgesamt zehn Mitarbeiter bereiten heute für die Wetterfrösche täglich Frühstück und mindestens drei Gerichte zu, dazu gibt es ein großes Salatbuffet, italienische Antipasti, Gemüse, vom Chef frisch gebackene Kuchen und leckere Desserts. Als Spezialität hat das Betriebsrestaurant unter anderem vegetarische Menüs auf der Karte, die bei den DWD-Mitarbeitern großen Absatz finden. „Wir machen eine vegetarische Bolognese, von der schwärmt jeder Fleischesser“, freut sich der Koch. Seine Küche beschreibt er als Hausmannskost, gemischt mit einer Reise durch Europa und Events wie Wild- oder Spargelwochen, bei Bedarf wird sogar eine Diät-Gericht-Phase eingeschoben.

„Essenszubereitung hat mich fasziniert, seit ich in die Kochtöpfe meiner Mutter schauen konnte“, erzählt der Küchenchef. „Mein Mann ist ein Perfektionist, der nicht nur nach allen Regeln kocht, sondern auch mit dem Herzen dabei ist“, verrät seine Frau. Diese Art von Ideenreichtum honorieren die Gäste beim DWD gerne. War bei der Ausschreibung noch von rund 200 Essen täglich die Rede, sind es heute doppelt so viele – mit steigender Tendenz.

Dabei kommen die Gäste nicht nur aus den Reihen der Wetterdienstmitarbeiter: An den Tischen des Restaurants sitzen auch Beschäftigte des nahe gelegenen Polizeipräsidiums sowie Anwohner. „Es werden immer mehr, auch wenn die Externen einen Aufschlag von einem Euro zahlen“, sagt Kiefer-Schmidt. So zählt eine Gruppe von Senioren zur Stammkundschaft, die schon mal im Plastikbehälter Essen für den nächsten Tag mitnehmen. „Und alle sagen immer, es schmeckt wie selbst gekocht“, freut sich das Ehepaar Schmidt, das auch von DWD-Mitarbeitern und -führung viel Lob erfährt.

Vater in der Küche, Mutter am Schreibtisch

Ebenso viel Engagement wie in das Betriebsrestaurant fließt nach wie vor in den Partyservice, den das Unternehmerpaar vom Dietzenbacher Westend aus lenkt, wo es mit seinen beiden kleinen Söhnen wohnt. „Wir sind Dietzenbacher durch und durch“, beteuern beide. Marion Kiefer-Schmidt lenkt seit Jahren als Stadtverordnete die Geschicke ihrer Stadt mit.

Dass der Vater grundsätzlich in der Küche wirkt, während die Mutter am Schreibtisch sitzt und am Ende des Tages die Einnahmen zählt, ist für die Söhne selbstverständlich: „Mein Papa macht Pommes und Suppe, und Mama macht Geld“, soll einer der beiden kürzlich im Kindergarten erzählt haben.

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