Einschulung

Corona-Lockdown: Lehrer stellen Veränderungen bei Erstklässlern fest

Schulranzen
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Schulleiterinnen beschreiben, dass immer mehr Kinder motorisch unruhig sind.

Für viele Kinder beginnt in Dietzenbach (Kreis Offenbach) die Schule. Die Lehrkräfte stellen einen Wandel bei den Kindern der ersten Klasse fest.

Dietzenbach – Am Dienstag (31.08.2021) war es so weit. In den Dietzenbacher Grundschulen fand die von vielen Kindern lang ersehnte Einschulung statt. Für die Erstklässler beginnt nun eine aufregende Zeit. Doch nicht nur die Kinder stehen vor neuen Aufgaben. Auch die Lehrkräfte stellen zunehmend einen Wandel fest.

„Uns fällt auf, dass viele Jungen und Mädchen, die heute in die Schule kommen, motorisch unruhig sind“, berichtet Houari Fah, Schulleiterin der Regenbogenschule. Es falle ihnen schwer, etwa bei einer Geschichte länger still zu sitzen und das wirke sich auf die Konzentration aus. „Denn am Ende können die Schüler nicht erzählen, was sie gerade gehört haben“, fährt Fah fort. Zurückzuführen sei dies aus ihrer Sicht insbesondere auf fehlende Bewegung am Nachmittag. „Früher sind die Kinder nach der Schule in einen Sportverein gegangen“, sagt die Rektorin. Heute treffe dies hauptsächlich auf die Jungs zu, die etwa zum Fußball gingen. Bei den Mädchen betrieben hingegen nur noch wenige eine sportliche Aktivität.

Dietzenbach bei Offenbach: Immer mehr Schulanfänger haben Probleme mit Feinmotorik

Darüber hinaus stellt Fah fest, dass immer mehr Schulanfänger Probleme mit der Feinmotorik haben. „Es fällt ihnen schwer, mit der Schere umzugehen oder eine Bügelperle auf ein Brett zu stecken“, erzählt die Direktorin. Zu Hause passiere in der Richtung einfach zu wenig und in der Kita sei nicht genug Zeit, um den Kindern alles beizubringen. Trotz aller Sorge um die Entwicklung der Jungen und Mädchen könne sie jedoch gleichzeitig die Seite der Eltern verstehen. „Die Mütter und Väter sind in einigen Dingen einfach überlastet“, sagt Fah. In vielen Familien müssten schließlich beide Elternteile arbeiten. Als Pädagogin wünsche sie sich allerdings, dass bestimmten Dingen wieder mehr Aufmerksamkeit geschenkt werde.

Dietzenbach: Lehrer müssen mehr auf individuellen Bedürfnisse eingehen

Dass die Erziehungsberechtigen beruflich deutlich stärker eingebunden sind, macht sich auch in der Dietrich-Bonhoeffer-Schule (DBS) bemerkbar. Schulleiterin Carolin Titze sagt allerdings: „Trotz alle dem sind die Eltern sehr bemüht, sich zu engagieren.“ Und dass sei auch wichtig. Denn in der heutigen Zeit müsste viel mehr auf die individuellen Bedürfnisse der Grundschüler eingegangen werden. „Während der Projekttage oder bei Ausflügen können die Lehrer das nicht alleine leisten und benötigen Unterstützung“, macht Titze deutlich.

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Im Hinblick auf die zunehmenden motorischen Schwächen bei den Abc-Schützen haben sich die Leiterin der DBS und ihr Team eine pragmatische Lösung einfallen lassen. Titze sagt: „In diesem Jahr gibt es für die ersten Klassen ein Motorik-Fach.“ Die Neuzugänge der Bonhoeffer-Schule lernten dort, etwa auf einem großen Blatt Papier Kreise zu zeichnen oder auf eine gerade Linie zu schneiden. Insgesamt glaubt Carolin Titze jedoch nicht, dass sich die Erstklässler im Vergleich zu früher erheblich verändert haben. „Es ist vielmehr die Schule, die sich stärker ihren Bedürfnissen angepasst hat“, sagt sie. Das sei ein entscheidender Schritt gewesen, der jedoch zur Folge habe, dass den Lehrern an den Kindern Dinge auffallen, die man etwa vor zehn Jahren nicht wahrgenommen habe.

Auswirkungen des Lockdowns machen sich bei Dietzenbacher Schülern bemerkbar

Neben den ganz allgemeinen Entwicklungen im Schulalltag machten sich jedoch auch die Auswirkungen des Lockdowns bei den neuen Grundschülern bemerkbar. „Zu uns sind nun Kinder gekommen, die in ihrem gesamten letzten Kita-Jahr kaum Gemeinschaft erlebt haben“, sagt etwa die Schulleiterin der Astrid-Lindgren-Schule (ALS) Verena Hofmann. Aus diesem Grund habe sie sich gemeinsam mit dem Kollegium dafür entschieden, in den ersten Jahrgangsstufen einen Projekttag einzuführen, der einmal im Monat stattfinden soll. „An diesen Tagen soll etwas unternommen werden, was den Klassenverbund stärkt“, erläutert Hofmann. In den nächsten Tagen sei es jedoch erst einmal wichtig, dass die Kinder in Ruhe ankommen könnten. „Um Zahlen oder Buchstaben zu lernen, bleibt schließlich noch genug Zeit“, so die ALS-Leiterin abschließend. (Anna Scholze)

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