Gängige Praxis mit teuren Folgen

Fläche beim Grünabfallsammelplatz in Dietzenbach wird seit den 1960er Jahren genutzt

Dietzenbachs Bürger haben immer wieder illegal Müll auf dem Gelände nahe des Grünabfallsammelplatzes entsorgt. Archiv: Häsler
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Dietzenbachs Bürger haben immer wieder illegal Müll auf dem Gelände nahe des Grünabfallsammelplatzes entsorgt. Archiv: Häsler

Bereits seit den 1960er Jahren wird das Areal unweit des Grünabfallsammelplatzes nachweislich als Lagerungsfläche genutzt. „Zeitzeugen besagen, dass hier organisches Material wie Erde und Grünschnitt seit Jahrzehnten abgelagert wird“, heißt es von Seiten der Stadtverwaltung. Und auch heute noch scheint diese bequeme Entsorgungsmethode gängige Praxis zu sein.

Dietzenbach - Haben doch nicht nur Bürger offensichtlich immer wieder die Gelegenheit genutzt, Schutt illegal zu entsorgen. Auch die Städtischen Betriebe haben seit Jahren auf dem Areal Bauschutt und Bauabfälle angesammelt. Nun hat das Regierungspräsidiums in Darmstadt den Finger gehoben und eine immissionsschutzrechtliche Genehmigung angemahnt. Diese wird immer dann fällig, wenn das Gewicht des aufgehäuften Schuttes bei mehr als 100 Tonnen liegt.

Bei der genannten Ansammlung in der Kreisstadt geht ein Experte eines Frankfurter Entsorgungsunternehmens anhand von Luftbildern davon aus, dass diese Menge bei weitem überschritten wird. Dabei schätzt er, dass sich das Gewicht des Schutts im vierstelligen Bereich bewegt. Die somit notwendige Erlaubnis einzuholen, hat die Stadt bisher jedoch nicht für notwendig erachtet. „Die Genehmigung einer Deponie wurde nicht angestrebt, da die Fläche einer anderen Nutzung zugeführt werden sollte“, teilen Stadtverwaltung und Städtische Betriebe auf Nachfrage mit. Denn das Grundstück, was derzeit noch zum Friedhofsgelände gehört, soll künftig der Wohnbebauung dienen. Allerdings, so räumen die Verantwortlichen immerhin ein, sei man bestrebt, bis zur Umwidmung des Grundstückes Versäumtes nachzuholen und mit dem Regierungspräsidium Darmstadt (RP) an einer Lösung zu arbeiten.

Indessen teilt das RP mit: „Sollte sich der illegale Zustand bestätigen, ist das Material auf dem Gelände voraussichtlich ordnungsgemäß zu entsorgen.“ Die Entsorgung von recycelbaren Stoffen kostet, so der Frankfurter Experte, etwa 40 Euro pro Tonne. Werden bei der möglichen Abfuhr des Schuttes jedoch Materialien entdeckt, die nicht wieder in den Wirtschaftskreislauf eingeführt werden können, werden gar 70 Euro pro Tonne fällig. „Das Gutachten, das die Stadt in Auftrag gegeben hat, war zwar sehr umfangreich, bei der Größe der Lagerfläche hat man jedoch wahrscheinlich nicht alles entdeckt“, so der Fachmann. Insgesamt geht er jedoch davon aus, dass die voraussichtliche Beseitigung der Ablagerung mit allen dabei anfallenden Arbeiten um die 100 000 Euro kosten könnte. Eine Summe, die zu den Ausgaben für das Gutachten hinzukommt. Wie viel allein die Expertise gekostet hat, lasse sich nicht genau beziffern, heißt es seitens der Stadt. Man könne jedoch von einem vierstelligen Betrag ausgehen. Der Entsorgungsfachmann aus Frankfurt vermutet, dass alleine durch den Umfangs des Gutachtens etwa 5 000 Euro fällig werden.

Darüber hinaus könnte laut des Experten eine weitere Beurteilung der Fläche notwendig werden, wenn die Ablagerungen erst einmal abgefahren worden sind. Dann müsse überprüft werden, inwiefern der Boden darunter Schaden genommen hat. „In all den Jahren, in denen das Areal bereits genutzt wird, ist davon auszugehen, dass dort auch Sachen lagen, die Giftstoffe enthielten, welche ins Erdreich gesickert sind“, sagt der Fachmann. Nur weil etwas entfernt worden sei, bedeute das nicht, dass es keinen Schaden angerichtet habe. Eine Annahme, die naheliegend ist, da auf dem Grundstück zumindest zeitweise Müll illegal abgeladen wurde. (Anna Scholze)

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