Flüchtlinge in Dietzenbach

Wohnungen dringend gesucht

Dietzenbach -  Der Magistrat der Kreisstadt appelliert an alle Bürger, Wohnraum für Flüchtlinge zur Verfügung zu stellen. „Jede weitere Wohnung hilft uns, weniger auf Notunterkünfte zurückgreifen zu müssen“, teilte die Stadt gestern mit. Von Christoph Zöllner 

So habe sich nach der Protestveranstaltung am Sonntag im Reinhard-Göpfert-Haus bereits ein Bürger gemeldet und eine Wohnung angeboten. Bürgermeister Jürgen Rogg führte am Montagabend ein längeres Telefonat mit Anish Taneja, der sich mit anderen Anwohnern sowie einigen Nutzern gegen den Umbau des Göpfert-Hauses in eine vorübergehende Notunterkunft für Flüchtlinge wehrt. Wie der Magistrat vergangene Woche entschieden hat, sollen dort nach dem Einbau von mobilen Duschen kurzfristig 25 bis 30 Menschen untergebracht werden. Das Telefonat sei konstruktiv gewesen, berichtete Deborah Weisbrich, Sprecherin der Bürgerinitiative. Nun wolle man die für Mittwochabend vorgesehene Sitzung des Ältestenrats abwarten, an der die Stadtverordnetenvorsteherin und die Fraktionsvorsitzenden sowie der Bürgermeister und die Stadträte über das weitere Vorgehen beraten. „Bis dahin unternehmen beide Seiten keine weiteren Schritte“, stellte Weisbrich klar.

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Derweil hat Rogg erneut Kontakt mit dem Kreis aufgenommen, um bei der Zuweisung der Flüchtlinge ein Entgegenkommen zu erreichen. Rogg hofft, dass die Zuweisung und die Fertigstellung von Flüchtlings-Wohnheimen aufeinander abgestimmt werden können. Wie berichtet, will der Kreis eine solche Unterkunft für bis zu 80 Bewohner an der Skateranlage errichten. Und Rogg schlägt den politischen Gremien vor, dass die Stadt ebenfalls eine solche Gemeinschaftsunterkunft baut – und zwar neben der Kleingartenanlage unweit des Spessartviertels. „Da zunächst die Infrastruktur hergestellt und die Erstellung der Unterkünfte zwingend ausgeschrieben werden muss, stehen diese Kapazitäten aber erst gegen Ende des Jahres zur Verfügung“, so Rogg.

„Es geht um Menschen, die unsere Hilfe brauchen“

Bis dahin müssten Interimslösungen her, da der Kreis der Stadt bis auf Weiteres jeden Monat zehn Flüchtlinge nach Dietzenbach schickt. „Selbst mit der Nutzung des Göpfert-Hauses als Notunterkunft hätten wir lediglich Kapazitäten geschaffen, die bis zum Sommer ausreichend sind“, erläuterte der Bürgermeister. Dann fehlten wieder Unterkünfte für mehr als 35 Menschen, und der Magistrat müsse weitere Notunterkünfte beschließen.

„Es geht um Menschen, die unsere Hilfe brauchen“, betonte Rogg. „Wir werden alles tun, was möglich ist, und es gibt auch Ideen für eine Alternative, die realisiert werden kann, wenn einige Randbedingungen erfüllt werden können.“ So sei eine Option für eine weitere Notunterkunft für etwa acht Personen erst im Laufe des Wochenendes entstanden, so Rogg. Die Verwaltung arbeite mit Hochdruck daran, „Lösungen zu finden und eine veränderte Prioritätenliste für die Nutzung als Notunterkunft zu schaffen“.

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Rogg erinnerte daran, dass sich die politischen Gremien der Kreisstadt seit September mit diesem Thema beschäftigen. Auf Basis des hessischen Landesgesetzes über die Aufnahme und Unterbringung von Flüchtlingen und anderen ausländischen Personen weise der Kreis der Stadt Menschen aus den Krisengebieten dieser Welt zu. „Diese Aufgabe kann nicht von den Kommunen zurückgewiesen werden, sondern ist zwingend umzusetzen“, unterstrich der Bürgermeister, der auch von einem „enormen Handlungsdruck“ sprach.

Indes will die Fraktion FW-UDS wissen, ob es möglich ist, Wohncontainer anzumieten und ob sich der Magistrat schon überlegt hat, „den Käufer des Alten Rathauses zu fragen, ob er bereit wäre, gegen Miete diese Räume der Stadt für eine gewisse Zeit zu überlassen“. Das Göpfert-Haus sei jedenfalls nicht als Flüchtlingsunterkunft geeignet, teilte Edith Conrad von der FW-UDS-Fraktion mit.

Rubriklistenbild: © Towae

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