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Akrobatik-Kurs mit dem Zirkus Chicana ist Teil des Integrationskonzepts

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Figuren zusammenstellen war ebenso Teil des zweiwöchigen Programms von Sheila Williams, Lea Brendel und Carla Brüning (hintere Reihe von links) wie das Training an vielen anderen Manege-Geräten.
Figuren zusammenstellen war ebenso Teil des zweiwöchigen Programms von Sheila Williams, Lea Brendel und Carla Brüning (hintere Reihe von links) wie das Training an vielen anderen Manege-Geräten. © Wittekopf

„Bewegung ist für alle Kinder gerade nach der Pandemie sehr wichtig“, sagt Zirkuschefin Sheila Williams. Sie und ihre beiden Co-Trainerinnen Lea Brendel und Carla Brüning haben in den vergangenen zwei Wochen mit insgesamt 14 Flüchtlingskindern an vielen Zirkusgeräten wie Tuch, Stange, Ball und Matte trainiert. „Die Muskeln, die die Kinder während des Lockdowns verloren haben, sind nicht das Problem, denn die bauen sich sehr schnell wieder auf“, erklärt Williams.

Dietzenbach – „Wir bemerken aber einen mentalen Einbruch und wir bringen viel Zeit und Geduld auf, um sie zum Mitmachen zu motivieren.“ Das beträfe aber alle Kinder, egal welcher Herkunft. Der Kurs ist Teil des städtischen Integrationskonzepts. Betreut werden die Kinder von Sportcoachin Afaf Mengler und Sportcoach Ralf Schmidt.

Auch Kinder, wie Ritaj, Mina, Qater Alnada, Illya oder Norulhuda, die während der Flüchtlingskrise aus dem Iran, Afghanistan, Pakistan, Syrien und anderen Ländern nach Deutschland geflohen sind, hatten unter Bewegungsmangel zu leiden. So erzählt Mohammad Aljamili, Vater von zwei Kindern, die am Kurs teilnehmen, dass die Kinder lange nicht aus dem Haus durften. „Wir wohnen im Haus der Integration und vor unserer Tür gab es Sicherheitsleute, die die Ausgänge kontrolliert haben.“

Die Kinder, die sich gerade in Tuchakrobatik üben, haben jede Menge Spaß, auch wenn es heute der letzte Tag ist. Hier proben sie unter Aufsicht, wie sie sich kopfüber herunterhängen lassen, oder die Tücher so verknoten, dass eine „Hängematte“ entsteht. „Mir hat alles gut gefallen“, sagt die sechsjährige Ritaj, die mit ihrem Bruder Abdulhadi die zwei Wochen genießt. Das Mädchen ist sehr ehrgeizig, denn während andere Kinder noch Hilfestellung benötigen, möchte sie alles alleine versuchen und übt so lange, bis sie es auch schafft. Der 16-jährige Illya ist ein richtiges Muskelpaket. „Er möchte Ringer werden“, sagt Sportcoach Schmidt. „In seiner ursprünglichen Heimat ist das Nationalsport.“ Die beiden Sportcoaches sind mit dem Ergebnis sehr zufrieden: „Es ist sehr wichtig, dass die Kinder sich bewegen“, sagt Ralf Schmidt, und Afaf Mengler stimmt ihm bei: „Es freut mich, wenn ich sehe, wie sehr sie das Training hier genießen.“ Zum Abschluss erhalten alle Teilnehmer eine Urkunde, die sie stolz ihren Eltern zeigen können.

Aber auch Sportcoach Schmidt hat eine heimliche Leidenschaft, denn die Keksdose, die Lea Brendel mitgebracht hat, sieht verführerisch aus. Doch die Vorfreude weicht schnell der Ernüchterung, denn statt des vermeintlich leckeren Inhalts befinden sich darin nur die Corona-Testkits.

Große Anstrengungen waren und sind noch lange nötig, um Flüchtlingen die Integration zu ermöglichen. Teil des Integrationskonzepts ist die sportliche Förderung, wie zum Beispiel Schnupperkurse in Sportvereinen oder Schwimmkurse. Auch in der Kreisstadt werden Flüchtlinge sportlich gefördert. Wenn eine Kommune einen Sportcoach hat, dann kann sie Fördermittel vom Hessischen Innenministerium aus dem Topf „Sport und Flüchtlinge“ beantragen, die dann in sportliche Aktivitäten und Ausrüstung fließen. (Von Burghard Wittekopf)

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