Quilling: Lärmpausen sind einen Test wert

Dietzenbach/Wiesbaden - Der Landrat des Kreises Offenbach, Oliver Quilling (CDU), hat zu einer „unaufgeregten“ Debatte über das Konzept der Lärmpausen am Flughafen aufgerufen. 

Die geplante Bündelung der Landungen in den frühen Morgen- und späten Abendstunden berühre in der Region in erster Linie die Städte Mühlheim und Neu-Isenburg.

Heute soll der Versuch, nachts am Frankfurter Flughafen siebenstündige Lärmpausen zu schaffen, offiziell zwischen Landesregierung und Luftverkehrswirtschaft besiegelt werden. Alle Beteiligten wollen ein „Bündnispapier“ unterzeichnen. Ein Jahr getestet werden soll das „Modell 4“. Bei den Lärmpausen soll durch abwechselnde Schließung einzelner Bahnen das sechsstündige Nachtflugverbot auf sieben Stunden relativer Ruhe ausgeweitet werden. Die Fluglärmkommission hatte vergangene Woche den Weg für den Probebetrieb freigemacht, der voraussichtlich im April beginnt.

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„Das Modell ist es wert, dass wir es testen, ich sage als Isenburger, lasst es uns ausprobieren“, sagte Quilling. Er riet dazu, die Diskussion in Ruhe zu führen. Man könne nicht pauschal sagen, Neu-Isenburg sei der Verlierer, sagte der Landrat, der dort seinen Wohnsitz hat und 15 Jahre Bürgermeister war. Die Kommune habe auch einen Gewinn und werde in den „sensiblen Morgenstunden“ zwischen 5 und 6 Uhr durch die Schließung der Südbahn entlastet. Die Mehrbelastung am Abend zwischen 22 und 23 Uhr sei keine neue Situation für Neu-Isenburg, sondern pendele sich auf einem Belastungs-Level ein, das vor dem Bau der Nordwest-Bahn geherrscht habe. „Es droht keine Lärmapokalypse.“ Zudem landeten zwischen 22 und 23 Uhr nur wenige schwere Maschinen. Die Frage sei, ob die ruhigeren Stunden am Morgen so viel brächten, dass die Altsituation am Abend in Kauf zu nehmen sei.

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Beide Zeiträume (morgens 5 bis 6 Uhr und abends 22 bis 23 Uhr) beträfen unterschiedliche Lebenssituationen. „Am Abend sind wahrscheinlich noch mehr Menschen wach, während in den frühen Morgenstunden viele den Schlaf brauchen“, und „es gibt Kommunen, die hätten die Entlastung lieber am Morgen.“

Die Berechnungen zu den Be- und Entlastungen seien ein wichtiges Indiz, man solle sich aber nicht alleine darauf verlassen. Letztendlich könne man den besten Kompromiss nur durch „Ausprobieren“ feststellen. J scho/mic

Rubriklistenbild: © Symbolbild: dpa

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