Fördern und Fordern im Ring

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Auch junge Frauen beweisen beim Boxprojekt Schlagkraft. Im Anschluss an ein Schnuppertraining (unser Bild) hat sich eine Gruppe von etwa 15 Mädchen gefunden, die seither regelmäßig trainieren.

Dietzenbach ‐ „Um das gleich vorab zu sagen: Das ist kein Sommermärchen“, sagt Peter Firner, seit sieben Jahren Leiter des Offenbacher Boxclubs Nordend und seit September Cheftrainer beim zu diesem Zeitpunkt ins Leben gerufenen Boxprojekt an der Max-Planck-Straße. Von Nina Beck

Einfach ein paar Sandsäcke aufhängen, darauf einschlagen lassen und zu hoffen, dass man so schon bessere Menschen aus den Jugendlichen machen könnte, so einfach funktioniert das nicht.“

Fördern und Fordern lautet stattdessen die Devise, es gibt strenge Regeln, an die sich alle halten müssen, die zu den Boxtrainings kommen – aktuell insgesamt rund 60 Jungen und junge Männer ab 14 Jahren sowie – nach einem erfolgreichen Schnupperangebot – auch etwa 15 Mädchen.

Ich erwarte absolute Ordnung und Disziplin“, so Firner. „Respektloses Benehmen wird nicht toleriert.“ Wer im Alltag außerhalb einer Notwehrsituation Gewalt anwendet, fliegt raus – „und zwar auf Lebenszeit“, so Firner. Dieser Devise sei er bislang immer treu geblieben, in Offenbach habe es in den sieben Jahren drei solcher Fälle gegeben. Wer zu spät oder gar nicht zum Training kommt, muss sich bei ihm abmelden. „Ich hab‘ auch gar nichts dagegen, wenn einer sagt: Ich habe heute keine Lust. Aber er muss Bescheid sagen.“ Und auch die vor Ort angebotene Hausaufgabenhilfe sollte besser besuchen, wem das nahe gelegt wird, sonst kann es passieren, dass sein Boxtraining reduziert wird, wie Firner erläutert.

Bilder vom Schnuppertraining

Schnuppertag in der Boxhalle

Zweimal die Woche, montags und donnerstags, 18 bis 20 Uhr, können die Jungen hier trainieren, wer sich besonders qualifiziert hat, darf außerdem auch freitags kommen – eine Auszeichnung gewissermaßen, die sich bislang zehn Jungen erworben haben. Auch die Mädchen trainieren freitags, unter sich, von 16 bis 18 Uhr. Jeweils im Anschluss dann stehen im Aufenthaltsraum des Gebäudes sozialpädagogische Honorarkräfte sowie Inna Firner von der Kompetenzagentur des Kreises Offenbach für Hausaufgabenhilfe sowie als Ansprechpartner rund um den Übergang Schule/Beruf bereit. Ein Jugendlicher, erzählt Firner, habe so schon in eine Ausbildung vermittelt werden können.

Kein Märchen also, vielmehr eine „intensive Arbeit auf Beziehungsebene“, sei mit dieser Art von Gewaltprävention verbunden, sagt der 37 Jahre alte ehemalige Haupt- und Realschullehrer mit der höchsten Box-Trainerlizenz. „Das kann nur mittel- und langfristig funktionieren und ist ein unwahrscheinlich schwieriger Weg – der sich aber lohnt.“ Letzteres scheinen die überaus positiven Reaktionen der Jugendlichen schon jetzt zu bestätigen: „Sowas hat Dietzenbach gefehlt“, sagen sie. „Und das ist definitiv nicht geheuchelt.“

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