Ende einer Ära

Fraktionschef Nalbach erläutert, warum die WIR-BfD in Dietzenbach nicht mehr zur Wahl steht

Bei der Kommunalwahl tritt die WIR-BfD nicht mehr an.
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Bei der Kommunalwahl tritt die WIR-BfD nicht mehr an.

Welche Parteien ins zukünftige Stadtparlament gewählt werden, wird die Kommunalwahl am 14. März 2021 zeigen. Doch eines steht bereits jetzt fest: Die Fraktion von WIR-BfD wird in der neuen Stadtverordnetenversammlung nicht mehr vertreten sein. Für die Aufstellung einer Liste habe es nicht genügend Kandidaten gegeben, teilte die Wählerinitiative bereits vor einigen Wochen mit (wir berichteten).

Dietzenbach – Damit endet eine Ära Dietzenbacher Stadtpolitik, denn immerhin war die einst als Freie Wähler angetretene Gruppierung – unter wechselnden Namen – ein Vierteljahrhundert in der Stadtverordnetenversammlung vertreten. Bei der Kommunalwahl 2016 erhielt die WIR-BfD knapp zwölf Prozent der Stimmen, aktuell stellt die Gruppe fünf Stadtverordnete. „Wenn wir davon ausgehen, dass wir ähnlich abschneiden wie bei der letzten Wahl, müssen wir die Liste mindestens doppelt besetzen können, das heißt es wären schon zwölf Kandidaten notwendig gewesen“, rechnet Fraktionschef Harald Nalbach vor. Die aktuell aktiven Kommunalpolitiker hätten sich auch bereit erklärt, noch einmal eine Legislaturperiode dranzuhängen, „aber mehr Kandidaten hatten wir leider nicht“. Einfach nur mit dem verfügbaren Personal anzutreten und am Ende nicht alle Mandate wahrnehmen zu können, sei unseriös und für die Wählerinitiative keine Option gewesen. „Vielleicht hätten wir uns in den vergangenen Jahren mehr um die Nachwuchsarbeit kümmern sollen“, sagt Nalbach selbstkritisch.

WIR-BfD steht weiter hinter Bürgermeister Jürgen Rogg

Dass Bürgermeister Jürgen Rogg nun als Zugpferd auf der Wahlliste der CDU kandidiert, nimmt ihm bei der WIR-BfD – immerhin einst als „Wähler-Initiative Rogg“ angetreten – niemand übel. „Er hat unsere Entscheidung bezüglich der Kommunalwahlliste abgewartet und anschließend beschlossen, auf der CDU-Liste zu kandidieren.“

Man stehe weiterhin hinter dem Bürgermeister: „Wir haben gut mit ihm zusammen gearbeitet und sind der Meinung, dass er eine weitere Amtszeit bekommen sollte.“ Ansonsten werde man sich aus dem Wahlkampf raushalten, „damit haben wir ja nichts mehr zu tun“.

Für die aktuellen Fraktionsmitglieder ist – zumindest in der Dietzenbacher Stadtpolitik – vorerst Schluss. „Nach meinem Kenntnisstand wird sich keiner von uns einer anderen Liste oder Partei anschließen“, so Nalbach. Allerdings wollen drei der Lokalpolitiker von der WIR-BfD in den Kreistag Offenbach einziehen: Rainer Gaubatz, Reinhold Jung und Harald Nalbach planen, auf der Liste der FWG-NEV zu kandidieren.

Der Verein wird weiter bestehen

Auch wenn man sich eher dem bürgerlich konservativen Lager zuordne, sei noch nicht klar, ob man bei der Kommunalwahl entsprechende Dietzenbacher Parteien unterstütze: „Wir werden noch beratschlagen, ob wir unseren bisherigen Wählern eine Wahlempfehlung geben“, kündigt Nalbach an. „Wir haben in der Vergangenheit sowohl mit Rot-Grün als auch mit der CDU erfolgreich kooperiert.“

Und auch wenn er die Kritik der SPD an der Terminierung der Bürgermeisterwahl nachvollziehen kann, hält er den Beschluss, zeitgleich zur Kommunalwahl auch das Stadtoberhaupt wählen zu lassen, für richtig: „So herrscht frühzeitig Klarheit, wie es weitergeht.“ Gerade in Krisenzeiten halte er es für wichtig, dass die Führungsfrage in Dietzenbach geklärt sei, zumal auch der Posten des Ersten Stadtrats bald neu gewählt wird.

Im Dietzenbacher Parlament wird die WIR-BfD also ab dm Frühjahr nicht mehr vertreten sein, ganz auflösen wird man sich jedoch nicht: „Der Verein wird weiter bestehen“, betont Nalbach. (Niels Britsch)

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