Arbeiten in der Hitze

„Das ist für uns wie Freibad“

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Kein Schatten, keine Klimaanlage: Auf Dietzenbachs Baustellen und Straßen wird während der derzeitigen Hitzewelle hart gearbeitet. Bauarbeiter und Mitarbeiter der Stadt machen auch bei weit über 30 Grad ihren Job.

Dietzenbach -  Deutschland steckt mitten in der bisher heißesten Woche des Jahres. Während die einen die Hitzewelle im Freibad genießen, müssen andere schwer schuften – in der prallen Sonne. So gehen Menschen, die draußen arbeiten, mit diesen Temperaturen um. Von Lena Jochum 

Die Sonne brennt, der Asphalt glüht. Die Fahrbahn ist aufgerissen, der Boden darunter: staubtrocken. Onaren Pevzi und seine Kollegen arbeiten auf der Baustelle an der Kreuzung Offenbacher und Velizystraße. Sie erneuern die Fahrbahn, schaufeln, graben, teeren. Schatten gibt es nicht, stattdessen Sonne satt.

Temperaturen bis zu 36 Grad konnte der Deutsche Wetterdienst gestern messen. Es ist die bisher heißeste Woche des Jahres, die Rede ist von einer Hitzewelle. Freibad und Wassereis heißt das für die einen. Harte Arbeit in der gleißenden Hitze für die anderen. Die Männer vom Bau sind daran gewöhnt. „Für uns ist das kein Problem“, sagt Onaren Pevzi. Mit regelmäßigen Pausen lasse sich das Wetter aushalten. „Das ist für uns wie Freibad“, ruft ein Kollege. Er lacht und schwitzt. Die Stimmung ist gut.

500 Meter weiter, andere Baustelle, andere Männer. Ebenfalls an der Offenbacher Straße entsteht eine Seniorenresidenz. Ein Rohbau, ein Gerüst, Dreck und Staub. Schutz vor Sonne und Wärme gibt es auch dort kaum. Bauleiter Vassil Kovatchev weiß, worauf er und seine Mitarbeiter achten müssen: „Wir machen jede Stunde eine kurze Pause und trinken vier bis fünf Liter am Tag.“ Ganz so gelassen wie die Kollegen vom Straßenbau sieht er die Hitze nicht. Die Männer arbeiten hart. Das sei natürlich anstrengender bei Temperaturen jenseits der 30 Grad. Unter den Schutzhelmen wird es besonders warm, es drohen Sonnenstich und Sonnenbrand. Alle auf dem Bau müssen sich schützen, das ist wichtig.

Allgemeinmedizinerin Constanze Irion-Gleißberg beobachtet immer wieder, dass die Auswirkungen extremer Temperaturen auf den Körper unterschätzt werden. Viele denken zum Beispiel nicht daran, sich mit Hut oder Mütze zu schützen. Dazu rät die Ärztin mit Praxis gegenüber des Kreishauses unbedingt. Ebenso wichtig: ausreichend Flüssigkeit. Die meisten Menschen vergessen allerdings, dass Ärzte von einem ausgeglichenen Salz-Wasser-Haushalt sprechen. „Nur Wasser reicht nicht, der Mensch braucht Mineralien“, sagt Irion-Gleißberg. Mineralien binden das Wasser in der Blutbahn, damit das Gehirn gut durchblutet wird. Der Tipp der Allgemeinmedizinerin: „Zwischendurch eine Tasse Brühe trinken und Fruchtsaft mit Wasser mischen.“

Dass ausreichend trinken das oberste Gebot ist, weiß auch Gabi Duvinage, eine Kappe trägt sie immer. Mit ihren Kollegen ist sie von früh bis spät in der Kreisstadt unterwegs. Für die Städtischen Betriebe pflegen die Frauen und Männer Dietzenbachs Grünflächen, schneiden Sträucher, jäten Unkraut. Immer an der frischen Luft, immer in der Hitze. Gabi Duvinage macht das nichts aus. Nicht mehr. Während der ersten Jahre sei es schon sehr anstrengend für sie gewesen. Mittlerweile kommt sie damit zurecht. „Das ist Gewohnheitssache“, sagt sie. So sieht es auch Hassani Rachid von der Stadtwerke Entsorgungsservice GmbH. Er steht auf dem Wertstoffhof, kontrolliert Abfälle, hilft beim Ausladen. Hassani Rachid stammt aus Marokko, war erst letzte Woche in der Heimat. „Da waren es 45 Grad.“ Die schwitzenden Kollegen bringen ihn zum Schmunzeln. Er will sich nicht beklagen. Seit zehn Jahren macht Hassani Rachid den Job, im Sommer, im Winter. Ändern könne man das nicht. Die Arbeit bleibt.

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