HINTER DEN KULISSEN Alexander Scheid ist „Der Worschtmann“

Freund des guten Geschmacks

Die Currywurst mit der Extraportion Humor: Alexander Scheid begegnet seinen Kunden auf freundschaftlicher Basis. Foto: Schmedemann

Dietzenbach – Ob hinter Ladentheken in der Altstadt oder in Hallen im Gewerbegebiet: Die Dietzenbacher Unternehmenswelt hat einiges zu bieten. In loser Reihenfolge werfen wir einen Blick hinter die Kulissen. Dieses Mal haben wir den „Worschtmann“ besucht. VON LISA SCHMEDEMANN

Reges Treiben herrscht vor der gelben Imbissbude mit dem blauen Vordach. An den Schalter stellt sich ein Handwerker im Blaumann, dessen Tattoos von weißer Farbe besprenkelt sind. So weiß wie das feine Hemd, das sein Hintermann trägt. Das Ziel der ungleichen Männer ist das Gleiche: echte Thüringer Rostbratwurst vom Holzkohlegrill beim „Worschtmann“ ihres Vertrauens. Für Alexander Scheid ist das Szenario üblich. Der Betreiber der Imbissbude, die in der Gottlieb-Daimler-Straße 6 ihren festen Platz hat, beschreibt: „Hier kommen von Anwalt über Bauarbeiter bis zum Zahnarzt alle her.“ Seine kulinarischen Spezialitäten garniert der 40-Jährige mit etwas Currypulver und einem flotten Spruch, der meist von seinen Kunden prompt gekontert wird. Den Humor schätzen Scheids Besucher – ganz egal, in welcher Berufsbekleidung sie stecken.

Scheid ist ein Freund von Prinzipien. So würde er seine Holzkohle niemals gegen Gas eintauschen. „Es ist einfach eine Frage des Geschmacks“, sagt er und dreht mit einer Zange die gut gebräunten Würstchen auf die blasse Seite. „Bei den aktuellen Außentemperaturen herrschen direkt vor der Feuerstelle bis zu 145 Grad“, sagt der 40-Jährige. Die Schweißperlen auf der Stirn bekräftigen seine Aussage. Pommes sucht man auf der Speisekarte vergebens. „Die würden mir ja auch durch den Grillrost fallen“, scherzt Scheid. Als Alternative bietet er Bratkartoffeln aus einer gusseisernen Pfanne an, die er auf den Grill stellt. „Das ist meine einzige Wärmequelle“, beschreibt er. Der Staub der Holzkohle und das Fett einer Fritteuse würden sich zu einer Paste vereinen, die sich „wie die Unterbodenbeschichtung beim Auto“ verhält. Schmierig und schwer zu putzen.

Eigentlich ist Scheid Flugzeugabfertiger. Wegen mehrerer Operationen an der Schulter, die dieser Beruf mit sich brachte, tauschte er zunächst übergangsweise die Laderäume großer Passagierflieger gegen die überschaubare Imbissbude. „Ich habe dem Vorbesitzer unter die Arme gegriffen“, erinnert sich Scheid. Als klar wurde, dass er nicht mehr am Flughafen arbeiten konnte, legte er den Fokus auf die Bude. „Der Vorbesitzer wollte wieder in seinen Heimatort zurückkehren und den Imbiss, der noch keinen griffigen Namen hatte, schließen“, erzählt Scheid. In dieser Zeit habe er schon Pläne geschmiedet, wie er den Wagen umgestalten würde.

Seit viereinhalb Jahren ist Scheid der Inhaber der ehemaligen, umfunktionierten Ringwurfbude vom Jahrmarkt. Während des laufenden Betriebes setzte er seine Ideen innerhalb von zwei Wochen um: neues Interieur, neue Lüftung und Elektronik. Auch der Wechsel an den neuen Standort in der Daimler-Straße stand an. „Das angrenzende Gewerbegebiet war ausschlaggebend für den Umzug hier her“, sagt Scheid. Der Standort hat zur Folge, dass sich Kunden aus aller Herren Länder an die Stehtische des Worschtmanns verirren. „Wenn große Firmen Gäste aus anderen Ländern haben, bringen sie die Menschen her, um die typische ‘deutsche Currywurst’ zu essen“, erzählt Scheid. Während Koreaner sich vorsichtig an die Wurst wagen, fachsimpeln Mexikaner gerne über „echtes“ Chili. „Das mit Hackfleisch ist die europäische Variante, ursprünglich sind es kleine Rindfleischstücke, ähnlich wie Gulasch“, weiß der Inhaber nun. Neben Currywurst hat Scheid Speisen wie Chili und Schaschlik im Angebot. „Das Fleisch beziehe ich von regionalen Metzgern – aber die Rostbratwurst lasse ich aus Thüringen liefern.“ Das Rezept der Currysoße behält Scheid für sich, auch wenn Touristen fragen. „Ich stelle täglich acht Liter her“, sagt er. Das Beste an seinem Beruf sind für Scheid seine Kunden: „Daraus entwickeln sich irgendwann Freundschaften.“ Vielen lese er von der Stirn ab, was sie essen wollen. „Und kein Tag ist wie der andere“, schwärmt er.

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