Hessischer Hexen-Hokus-Pokus

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Muss ich dieses Tier wirklich küssen? Prinzessin Begonia (Linda Jancke) ist sichtlich „not amused“ von dieser Aussicht – also alles andere als angetan.

Dietzenbach -  Eine Prinzessin trifft auf einen Frosch, der sich nach einem Kuss in einen Prinzen verwandelt. Die beiden heiraten und werden glücklich bis ans Ende ihrer Tage. Das war das Märchen vom Froschkönig. Von Khang Nguyen

Aber Halt: Etwas mehr hatten sich die Zuschauer im Hildegardishaus dann doch erwartet. Und so präsentieren die „Rosaroten Eulenspiegel“ nach diesem „Warm-up“, dem Märchen im Zeitraffer, gewissermaßen, auch nochmal eine längere, ganz spezielle Version des Froschkönigs.

Insgesamt fünf Mal haben am Wochenende die Laienschauspieler der katholischen Pfarrgemeinde St. Martin ihre Gäste in die zauberhafte Welt von Prinz Florian Justin Wilhelm von Rödermark und dessen fürchterlichem Schicksal entführt. Wie heißt es doch so treffend? Strafe folgt auf den Fuß! Da sich eine böse Hexe über den Prinz ärgert, der beim Waldspaziergang wieder einmal auf einen Frosch getreten ist und sie sich zudem bei einem lateinischen Zauberspruch verhaspelt, verfällt sie schließlich ins platteste Hessisch: „Hokus-Pokus, halt die Gosch! Werde auf der Stell‘ zum Frosch!“ Um den Fluch aufzuheben, muss das Tier nun eine Frau finden, die es trotz seiner Gestalt liebt.

Interpretation des Grimmschen Märchens

Was folgt, ist eine am Original angelehnte, dennoch ganz eigene, wunderbar inszenierte Interpretation des Grimmschen Märchens – selbstverständlich ohne, dass „bei der Vorbereitung und den Aufführungen dieses Stückes Tiere gequält oder getötet“ wurden, „insbesondere keine Frösche!“ wie das Ensemble auf dem Programmzettel augenzwinkernd vermerkt. Gut für Lucca Novosel und Elvira Henning – die beiden nämlich sind als Besetzung der samtgrünen Amphibie vorgesehen.

Nachdem die „Rosaroten Eulenspiegel“ im vergangenen Jahr erstmals ins Bühnenexil (das Europahaus) gehen mussten – wie berichtet, hatte die Pfarrgemeinde St. Martin nach einem Mieter für das Hildegardishaus gesucht, das Laienensemble sollte sich daher anderweitig umgucken – sind sie nun an ihre alte Wirkungsstätte zurückgekehrt. Und einmal mehr ist es dem Ensemble gelungen, mit gewitztem Text (Elvira Henning, Linda Jancke – beide auch Regie – sowie Martin Paul) und amüsanten Einlagen Lacher von Groß und Klein einzuheimsen. Bei der Premiere am Freitag hatten vor allem die Kinder in der ersten Reihe sichtlich Spaß an der Aufführung.

Premiere des Froschkönigs

Premiere des Froschkönigs

In der „Eulenspiegel“-Version des Märchenklassikers bekamen auch Prinzessin Hyazintha (Maja Novosel), die jüngste der drei Prinzessinnen, sowie der dichtende Hofmarschall Theodor (Chef der Truppe: Johann Szejka) einen Auftritt. Hervorzuheben aus dem Ensemble sind weiterhin Marlene Pönitz und Martin Paul, die jeweils gleich in zwei Rollen schlüpften. Während Pönitz sowohl den Prinzen mimte als auch Prinzessin Margarita, die älteste, schon verheiratete der drei Königstöchter, erfüllte Martin Paul nicht nur die Figur des Eisernen Heinrich auf der Bühne mit Leben, sondern auch die des Prinzen Mutamin von Sevilla.

Was nach der Aufführung bleibt, ist die Erkenntnis, wie wichtig Versprechen sind: Denn ohne diese hätte Prinzessin Begonia den Froschkönig niemals in ihrem Bett nächtigen lassen. Oder, mit den Worten des Königs gesagt: „Versprochen ist versprochen.“

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