Frühwarnsystem nicht mehr gewollt

Dietzenbach -  „Dies ist eine Ringmaster-Meldung. . . “: Vor kurzem erst hatte die Polizei über das telefonische Alarmsystem „Ringmaster“ vor einer Variante des Enkeltricks gewarnt. Von Nina Beck

Immer mal wieder versuchen es Betrüger telefonisch oder direkt an der Wohnungstür, älteren Menschen das Geld aus der Tasche zu ziehen. Andererseits, sagt Erna Wolff vom Seniorenbeirat, gelinge dies den Ganoven nur noch in den seltensten Fällen: Die Bevölkerung sei sensibilisiert, ältere Mitbürger ebenso wie jüngere.

 Sie informierten lieber die Polizei, als zwielichtigen Aufforderungen nachzukommen. Sicher auch dank Ringmaster, ebenso aber dank der Presseberichterstattung und dem Projekt „Nachbarn schützen Nachbarn“, meint Wolff, die sich anfangs sehr für die Einführung des Ringmaster-Systems stark gemacht hatte. Nun aber würde auch der Seniorenbeirat befürworten, wenn dieses Frühwarnsystem eingestellt würde, sagte Wolff gestern auf Anfrage. „Das kommt die Stadt einfach zu teuer. “

Informationssystem ist zu teuer

Dass das Informationssystem in Zeiten angespannter Haushaltslage zu kostenträchtig sei, haben auch das lokalpolitische Dreierbündnis aus SPD, WIR-BfD und GDL sowie die Christdemokraten in ihren jüngsten Haushaltsanträgen beschieden und die Einstellung des Systems gefordert. 8500 Euro könnten laut Dreierbündnis somit eingespart werden.

Eingeführt worden war Ringmaster 2006 zum Preis von einmalig 10.000 Euro, 1500 Euro sollten jährlich fällig werden. Doch dabei ist es nicht geblieben, vermutlich auch aufgrund höherer Kosten für Handy-Anschlüsse, wie Markus Hockling, Fachbereichsleiter öffentliche Sicherheit, sagt. Ihm zufolge sind aktuell 1392 Teilnehmer in der Kreisstadt registriert.

Grundsätzlich, begründet die CDU ihren Antrag, handele es sich bei Ringmaster um ein sinnvolles Projekt. Es habe sich allerdings gezeigt, dass die Informationen „eher Allgemeincharakter haben“, etwa, dass vor dem Enkeltrick gewarnt oder auf die dunkle Jahreszeit hingewiesen werde. Die CDU hatte seinerzeit die Einführung maßgeblich initiiert, im März 2006 drückte der damalige hessische Innenminister Volker Bouffier (CDU) den Startknopf im Bürgerhaus.

Bürgerverein: Ringmaster nach wie vor notwendig

In Rödermark wurde dessen Begrüßungsspruch zum Ringmaster-Start schon 2002 gesendet. Wolfgang Schaefer, Vorsitzender des Vereins „Bürger für Sicherheit in Rödermark“, sieht die Notwendigkeit dieses Angebots nach wie vor gegeben. „Das wäre ein herber Rückschlag in Sachen Sicherheitsbemühungen, wenn Ringmaster gestrichen würde“, sagte er auf Anfrage. „Das System funktioniert einwandfrei. Jeder Ruf, der dazu beiträgt, dass eine Betrügerei oder Straftat verhindert werden kann, ist ein Erfolg.“ Abgesetzt werden die Meldungen in beiden Fällen von der hiesigen Polizeistation, die Kosten haben sich Rödermark und Dietzenbach bislang geteilt. Dienststellenleiter Klaus-Peter Daube sieht Ringmaster zwar als „sehr probates Mittel, Bürger über aktuelle Dinge im lokalen Bereich zu informieren, etwa Trickdiebereien, Hausierer, oder ähnliches“. Allerdings macht er auch klar: „Die Sicherheit des Bürgers ist nicht gefährdet, wenn das System abgeschaltet wird. Es ist ein reines Informations-, kein Fahndungssystem.“ Zudem hätten sich öfters auch Teilnehmer über nächtliche Anrufe beschwert.

Rubriklistenbild: © dpa

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