Vom Sozialhilfeempfänger zum erfolgreichen Unternehmer

Lebenskünstler mit Geschäftssinn

Fuat Erol (rechts), Chef der „Anadolu Meat & Food GmbH“, und Kreissozialdezernent Carsten Müller begutachten im Kühlhaus an der Robert-Koch-Straße frisch angeliefertes Lammfleisch aus England.
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Fuat Erol (rechts), Chef der „Anadolu Meat & Food GmbH“, und Kreissozialdezernent Carsten Müller begutachten im Kühlhaus an der Robert-Koch-Straße frisch angeliefertes Lammfleisch aus England.

Dietzenbach - Fuat Erol war arbeitslos und lebte von Sozialhilfe. Mit viel Mut und Ideen hat er die Firma „Anadolu Meat & Food GmbH“ aufgebaut. Am Anfang standen sechs verkaufte Kisten Eier. Mittlerweile liegt der monatliche Umsatz der Firma bei 500.000 Euro. Von Ronny Paul

Fuat Erols Geschichte birgt Stoff, der niedergeschrieben mit der viel zitierten Traumformel des sozialen Aufstiegs „Vom Tellerwäscher zum Millionär“ überschrieben werden könnte. „Darüber können sie ein Buch schreiben“, kommentierte Kreissozialdezernent Carsten Müller (SPD) Erols Werdegang bei seinem Besuch von „Anadolu Meat & Food GmbH“ an der Robert-Koch-Straße. Firmengründer Erol ist kein Millionär und war auch kein Tellerwäscher, doch hat er sich innerhalb von sieben Jahren vom Sozialhilfeempfänger zu einem erfolgreichen mittelständigen Unternehmer hochgearbeitet.

Von außen ist der unscheinbaren Lagerhalle von „Anadolu Meat & Food“ kaum anzusehen, dass im Inneren in Kühlräumen täglich kiloweise halal geschlachtetes Hühner-, Lamm- und Rindfleisch auf Abnehmer wartet. Die Firma fungiert als Zwischenhändler, bezieht das stets frische Fleisch, wie Erol betont, etwa aus Holland und Belgien oder aus Großbritannien. Erol liefert seine Halal-Fleischprodukte sowie Eier an Supermärkte und Restaurants, die in einem 70-Kilometer-Radius um Dietzenbach liegen. Dafür stehen acht Mitarbeiter sowie drei Kleintransporter und zwei Lkw bereit. Abnehmer gibt es reichlich: „Ich habe Kunden aus vielen Nationen, darunter vor allem türkische und arabische Einzelhändler“, sagt Erol. Zahlen belegen das: „Unser monatlicher Umsatz liegt bei einer halben Million Euro.“

Überhaupt scheint der 41-Jährige ein Lebenskünstler zu sein: In seiner Heimat Ostanatolien hat er sich als Musiker über Wasser gehalten, sein Geld als Schlagzeuger bei Konzerten und Hochzeiten verdient. „Im Herzen bin ich noch Musiker, habe aber keine Zeit mehr dafür“, sagt Erol heute. 2002 verschlug es ihn ins Rhein-Main-Gebiet. In Deutschland angekommen, erlebte Erol eine wahre Job-Odyssee: Er arbeitete als Reinigungskraft, im Gartenbau, am Frankfurter Flughafen und schließlich als Lkw-Fahrer, bis ihm 2007 nach einem Unfall gekündigt wurde.

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Als Arbeitsloser bekam er Unterstützung vom Arbeitsamt, gleichzeitig reifte in ihm die Idee, Eier zu verkaufen. Mit von einem Freund geliehenen 3500 Euro, von denen er 1500 Euro direkt in Eier investierte, begann sein beruflicher Aufstieg. „Am Anfang hab’ ich sechs Kisten Eier verkauft, nach zwei Jahren war es bereits ein ganzer Sattelzug voll“, erinnert sich der 41-Jährige. Vier Jahre wirtschaftliche Sicherung auf dem Weg in die Selbstständigkeit gewährte ihm die „Pro Arbeit“. Die Unterstützung mündete vor einem Jahr in die Gründung der GmbH. Der 41-Jährige steht mittlerweile finanziell stabil auf eigenen Beinen. „Was die Zukunft bringt, ist offen“, sagt Erol, der sich vorstellen könnte, demnächst auch Käse ins Sortiment aufzunehmen. Erst kürzlich hat seine Firma eine lang erwartete Lizenz zum Fleischzerlegen bekommen. So könne das angelieferte Fleisch auf Kundenwunsch auch zerlegt werden. Dafür ergänzt ein Metzger das Team, das sich aus verschiedenen Kompetenzen zusammensetzt: „Ich kann ja nicht alles können“, sagt Erol und fügt hinzu: „Das Team muss stark sein.“

Für Kreissozialdezernent Müller ist Erols Aufstieg ein „perfektes Beispiel“, wie man mit Mut und Ideen den Weg von der Arbeitslosigkeit in die Selbstständigkeit schaffen könne. Erol wiederum sagt augenzwinkernd: „Wenn man zu viel über den Schritt zur Selbstständigkeit nachdenkt, hat man schon verloren.“

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