Geburtstage von Bildungshaus und Kita IX

Nachbarn zum Anfassen

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Während auf der Bühne unter anderem Kita- und Musikschulkinder ihr Können zeigten, lockten auch zahlreiche Angebote wie das Kinderschminken vor dem Bildungshaus.

Dietzenbach - Weil die Kita IX und das Bildungshaus besondere Geburtstage feiern, ist das Nachbarschaftsfest eine Nummer größer ausgefallen als sonst. Von Christian Wachter 

Am Ende gab es bei den Machern und Besuchern zufriedene Gesichter – und außerdem die Erkenntnis, dass die inzwischen Tradition gewordene Zusammenkunft eine besondere ist.
Gähnende Leere auf den Balkonen der Blocks im Spessartviertel. Und dabei hätte die Spätsommer-Sonne doch durchaus zu ein paar Stunden im Freien vor den eigenen vier Wänden eingeladen. Das Leben spielt sich am Sonntag aber unten, am anderen Ende der Häuserschlucht, ab. „Was ist denn hier los, ein türkisches Fest?“, möchte ein Anwohner von einem ihm unbekannten Herrn im Jackett wissen. „Nein“, klärt ihn der Landtagsabgeordnete Ismail Tipi, einer von vielen anwesenden Politikern, auf. „Das hier ist ein Nachbarschaftsfest.“ Genau genommen die neunte und in diesem Jahr deutlich größere Ausgabe. Weil die Kita IX Mutabor nämlich ihr 35-jähriges und das Bildungshaus sein fünfjähriges Bestehen feiert, erweiterte man das Areal vom „Innenohr“ bis hin zur Rodgaustraße 9 und plante beim Programm auch die Kitas VII und XII ein.

Erzieherin Tülay Sonmez, Zuhal Büyükasik von der Sprachförderung und Tuba Habibzai, ebenfalls Erzieherin, verkauften an der Kita IX von Eltern zubereitete Spezialitäten.

Kurz bevor es losgeht – bei all dem Platz sind die Leute eben entsprechend verteilt –ist es noch etwas leer vor der Bühne im „Innenohr“, auf der sich zahlreiche Institutionen wie das Boxprojekt, eine afghanische Musikgruppe, der deutsch-türkische Kulturverein, der Internationale Chor, das Kinder-Ballett oder eine pakistanische Kindergruppe angekündigt haben. Erster Stadtrat Dieter Lang weiß vor seiner Eröffnungsrede allerdings Abhilfe zu schaffen. „Kommen Sie ran, kommen Sie ran“, ruft er und muss die Gäste nicht lange bitten. Auch nicht, als er um einen Moment der Stille für Brigitte Scheibe bittet. Jüngst verstorben, hat die längjährige Leiterin der Kita VII das Fest signifikant mitgeprägt.

Für Tipi ist das Fest eines, das es viel öfter geben sollte – bundesweit, um Gemeinsamkeiten zu entdecken und extremistischen Tendenzen entgegen zu wirken: „Apfelstrudel und Baklava, das passt zusammen.“ Bei der Kita IX weiß man das ohnehin. Die Speisekarte weist zu Selbstkostenpreisen unter den Würstchen gleich Gözleme und Köfte aus. Die Eltern, vor allem die Mütter, sind fleißig gewesen. Leiterin Barbara Spahn, neben Johannes Leva von der Projektstelle Gemeinwesensarbeit und Bildungshaus-Koordinatorin Maude Möller hat sie die organisatorischen Fäden des Fests gesponnen, hat kaum eine ruhige Minute. Man bräuchte noch einen Wasserschlauch für die Bühne, spricht sie eine Frau an. „Zisternenwasser?“, antwortet Spahn und ist gleich wieder auf dem Weg über das Gelände. Feste wie dieses, ist sie überzeugt, helfen bei ihrer Arbeit, weil sie eine wichtige Grundlage für gegenseitige Wertschätzung vermitteln.

Dem hat sich an diesem Tag auch die Polizei verschrieben. Detlef Bittner, Polizeioberkommissar und Kontaktbeamter, meint, die Resonanz sei sogar noch besser als sonst. „Hier kommt man auch einfach mal mit den Anwohnern ins Gespräch.“ Polizeikommissar Tehkuh Bangang hat ihn gefragt, ob er nicht mit könne, um hineinzuwachsen in das, was einen Kontaktbeamten ausmacht. Ermittlungsgruppen-Leiter Michael Berkefeld wiederum möchte über die Kinder auch die Eltern erreichen. „Wir hatten schon unzählige Gespräche, das hier ist Polizei zum Anfassen, eben etwas ganz anderes, als wenn man jemanden festnimmt.“

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Nebenan testen Kinder bei der Jugendverkehrsschule, die wie die Polizei nach einer Pause wieder dabei ist, ob ihre motorischen Fähigkeiten schon reichen für den Straßenverkehr. Andere junge Besucher wuseln mit orangefarbenen Zetteln über das Areal. Denn wer den Großteil der Angebote meistert – seien es Glitzer-Tattoos oder ein Angelspiel – dem winkt bei dem Zehn-Spiele-Parcours der Hausaufgabenhilfen ein Preis.

Sich da für etwas zu entscheiden, das einem am besten gefällt, ist natürlich kein Selbstläufer: „Das Singen und die Auftritte und natürlich Zumba“, sagt die Grundschülerin Ela Naz, die alles noch gut von ihrer Zeit im Hort und in der Kita kennt. Ohne das gehört zu haben, fühlt sich Bildungshauskoordinatorin Maude Möller durchaus belohnt für ihre Mühen. Und das nicht nur, weil sich die zahlreichen Angebote des „Bunten“ präsentieren. „Ich bin total begeistert von den vielen Helfern, natürlich hatten wir Glück mit dem Wetter, aber so ein Erfolg hat mit den Leuten zu tun.“

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