Dietzenbacher muss sich wegen Vergewaltigung verantworten

Gedroht, Finger einzeln abzuschneiden

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Symbolbild

Dietzenbach - Laut Staatsanwalt soll der Angeklagte unter anderem vor etwa drei Jahren seiner damaligen Freundin in Dietzenbach gedroht haben, deren Hund vom Balkon zu werfen und ihr die Finger abzuschneiden, wenn sie ihn nicht oral befriedige.

Diesen Fall verhandelt das Offenbacher Schöffengericht unter Richter Manfred Beck. Ein Urteil ist noch nicht gefallen. Der Angeklagte schweigt. Die mutmaßlich Geschädigte erscheint auch als Nebenklägerin im Offenbacher Schöffengericht, vertreten von Rechtsanwalt Jens Lorek. Zu Beginn ihrer Aussage schließt Richter Beck auf Antrag von Lorek die Öffentlichkeit aus. Die Presse darf mit der Auflage bleiben, nur gänzlich anonymisiert zu berichten. Die Frau in den Dreißigern erzählt, wie sie den Angeklagten 2015 in Dietzenbach kennenlernte. Der habe ihren Hund gestreichelt und sie habe gedacht, „wenn der zu meinem Tier freundlich ist, ist er generell nett“. Am gleichen Tag habe sie Teile seiner Familie kennengelernt, bald darauf mit dem Angeklagten eine Beziehung begonnen und dessen Bruder samt Frau in ihrer Dreizimmerwohnung aufgenommen.

Der Bruder habe sich mit seiner Frau häufig handfest gestritten, was sie als unerträglich empfunden habe. Eine Versammlung von dessen Verwandten vor dem Haus habe den beiden dann auferlegt, ihre Auseinandersetzungen nach außerhalb der Wohnung zu verlagern. Die Beziehung mit dem Angeklagten sei ziemlich schnell gekippt. Auf dem mehr als 30 Meter hohen Balkon habe er ihren Hund über die Brüstung gehalten und gefragt: „Was machst du, wenn ich den fallen lasse?“ Sie habe geantwortet: „Dann springe ich hinterher.“ Er habe dann von ihr verlangt, sich auf die Brüstung zu setzen, ihr angedroht, die Finger einzeln abzuschneiden und in den Bauch zu stechen. Generell seien Sätze gefallen wie: „Halt die Klappe und blas‘ mir einen.“ Gegen ihren erklärten Willen habe der Angeklagte schmerzhafte Sexualpraktiken vollzogen, „obwohl ich dabei weinte“. Außerdem habe er mit ihrer Geldkarte 1200 Euro von ihrem Konto geräumt, „meinen Monatslohn“. Den Hund habe er getreten und gedroht, ihm noch mehr Leid anzutun, wenn sie ihm nicht gehorche. Sie habe immer gedacht, „ich bin selbst an allem Schuld“.

Der Angeklagte nimmt sein Recht zu schweigen wahr. Die eloquente Nebenklägerin beschreibt sich als „austherapierte Borderlinerin“. Als Borderline wird eine Persönlichkeitsstörung bezeichnet. Typisch sind etwa rasche Stimmungswechsel und instabile zwischenmenschliche Beziehungen. Als Kind sei sie von ihrem damaligen Stiefvater missbraucht worden. Im Alter von 14 Jahren habe sie zeitweilig in der Jugendpsychiatrie gelebt. Später habe sie ihr kurzfristiger Ehemann auf den Strich geschickt. Mit ihren Fragen will Pflichtverteidigern Claudia Fennemann offensichtlich abklopfen, ob die Nebenklägerin alte Traumata auf ihre Beziehung mit dem Angeklagten projiziere. „Ich weiß, sie müssen das“, kommentiert das die Nebenklägerin. An anderer Stelle sagt sie in Richtung der Verteidigerin: „Mein Realitätssinn ist nicht getrübt.“

Die irrsten wahren Geschichten der Welt

Auch ihre Mutter sagt aus. Den Angeklagten, den ihre Tochter Ende Juli 2015 nach dem Verlassen der eigenen Wohnung bei der Polizei angezeigt hatte, habe sie einmal kennengelernt und als übergriffig erlebt. Keinen Moment habe sie mit der Tochter alleine reden können, „er folgte einem ständig“. Ihre Tochter habe ihr am Telefon gesagt, ihr verdientes Geld werde ihr abgenommen. Zweimal habe sie deshalb rückständige Miete für sie übernommen.

Eine frühere Lebensgefährtin des Angeklagten beruft sich auf Erinnerungslücken. Auf die Frage, ob der Angeklagte sie geschlagen habe, fragt sie erst, „muss ich darauf antworten?“, um schließlich zu verneinen. Die Polizistin, die damals die Anzeige aufnahm, was knapp sechs Stunden dauerte, berichtet, sie habe Probleme gehabt, deren Aussage chronologisch zu strukturieren, „inhaltlich wirkte sie aber auf mich glaubwürdig“. Der Prozess wird Anfang Februar vor dem Schöffengericht fortgesetzt. (man)

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