Geduld auf dem Weg zur Ewigkeit

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Viel Interesse an der Infoveranstaltung zum Friedwald, der so viel Zeit braucht wie ein normales Bauverfahren. Diese Skizze zeigt, an welchen Stellen im Westen Dietzenbachs ein Friedwald entstehen könnte.

Dietzenbach - „Ich hab’ ja noch nicht vor, da einzuziehen“, sagt eine Dame älteren Semesters keck. „Aber ich wüsste doch ganz gerne, wann wir damit rechnen können, dass es losgeht." Von Nina Beck 

Die Frage, an dem anschwellenden, zustimmenden Gemurmel ist es deutlich zu spüren, treibt die meisten der rund 120 Frauen und Männer um, die am Mittwochabend zur Informationsveranstaltung „Friedwald“ ins Rathaus gekommen sind. Und das Gemurmel schwillt noch einmal an, als Ursula Becking-Noller, Fachbereichsleiterin Stadtplanung, die Antwort gibt. Auch, wenn auf den zwei für Bestattungen vorgesehenen, insgesamt etwa 27 Hektar großen Waldflächen nördlich des Wollwiesenteichs im klassischen Sinne nichts gebaut wird – lediglich ein Parkplatz ist anzulegen, zwei Gedenk- beziehungsweise Versammlungsstätten und eine Einfriedung für das gesamte Areal – muss ein ganz normales Bauverfahren angestrengt werden. Und das dauert.

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„Die formalen Schritte sind dieselben wie bei anderen Bauverfahren“, bittet Becking-Noller „uns alle noch um etwas Geduld und Gelassenheit“. Allein ein Monat Offenlage, dann die diversen einzuholenden Stellungnahmen, das Parlament muss an verschiedenen Stellen noch einmal zustimmen... „Wir können das Verfahren nicht beschleunigen, versuchen aber, es so schnell wie möglich durchzuziehen“, so Becking-Noller. Wenn alles glatt laufe, könne es zum Jahresende abgeschlossen sein, so dass die Firma „FriedWald GmbH“ im Frühjahr 2015 mit den Bauarbeiten beginnen und bis zum Sommer eröffnen können sollte. „An anderen Orten hatte ich den Eindruck, dass es schneller ging“, sagt eine Frau aus dem Publikum, die selbst einmal in dem Bereich gearbeitet hatte und schon Besitzerin zweier Bestattungsbäume ist. Dennoch: An diesem Zeitplan sei nicht zu rütteln, heißt es noch einmal vom Podium.

Nur Urnenbestattung möglich

So geht die Fragerunde zu den Inhalten über. Ob man sich jetzt schon einen Platz reservieren könne, will ein älterer Herr aus dem Publikum wissen. „Sie können sich bei uns melden, und wir tragen sie mit dem gewünschten Standort in unsere Liste ein. Sie werden dann von uns angeschrieben, sobald es losgeht“, informiert „FriedWald“-Geschäftsführer Stephan Martini (Tel.: 06155/848100). Bereits zuvor hatte er in einem einführenden Vortrag erläutert, dass sich Interessenten zunächst schriftlich oder telefonisch informieren und – so es denn dann den Friedwald gibt – im Anschluss einen Termin für eine Waldführung vereinbaren können, um sich einen Bestattungsbaum auszusuchen. Zuvor trifft das Unternehmen eine Vorauswahl geeigneter Bäume, immer in enger Abstimmung mit Hessen-Forst.

In einem Friedwald ist nur Urnenbestattung möglich. Das biologisch abbaubare Behältnis wird an den Wurzeln eines Baumes bestattet, den man sich selbst aussuchen darf – das gilt nicht für die günstigere Bestattung an einem sogenannten Basisbaum, den der Förster aussucht und an dem kürzere Ruhezeiten gelten (20 Jahre, vergleichbar einem Reihengrab auf dem Friedhof). Im Übrigen gilt: Die privatrechtliche Widmung als Bestattungswald ist auf 99 Jahre befristet, entsprechend wird eine Grabstätte für die Dauer von maximal 99 Jahren gekauft (ab Eröffnung Friedwald). Es gibt Gemeinschaftsbaum- und Partnerbaumblätze, und auf Wunsch wird eine Namenstafel des Verstorbenen an dem Bestattungsbaum angebracht. Grabschmuck und -pflege sind nicht gestattet.

„Was passiert, wenn ein Baum zerstört wird?“ will eine Dame wissen. „Dann wird entweder Ersatz gepflanzt, oder ein benachbarter Baum kann dessen Rolle übernehmen“, erläutert Martini. „Wird der Baum auch mit dem Rollstuhl erreichbar sein?“ Hier macht Martini keinen Hehl daraus, dass es in dieser Beziehung einen Nachteil gegenüber dem Friedhof gebe: „Wir haben die Fußpfade zu den Versammlungsplätzen und Maschinenwege im Wald. Weitere sind nicht vorgesehen, das muss man bedenken.“ Wer an Angehörige denke, die nicht mehr gut zu Fuß seien, müsse überlegen, ob er einen Baum in der Nähe der Hauptfahrwege wähle.“

Bestattung auf Britisch

Bestattung auf Britisch

Die Plätze werden parzellenweise vergeben, angefangen am Parkplatz, der mit zunächst 21 Stellplätzen nördlich des Reiterhofs errichtet wird. Im südlicheren Teil des Areals, vom Reiterhof bis zur Kosakenschneise, ist der Baumbestand älter, im nördlichen Bereich, merkt Besucher Klaus Best an, habe er nur zehn, zwanzig alte Bäume und ansonsten „Dickicht und kleine Stämmchen“ ausgemacht. Die nördliche Fläche müsse man differenziert betrachten, sagt darauf Martini. Im Nordosten gebe es auch stärkere Stämme, Teilflächen müsse man aber in der Tat einer „zielgerichteten Beforstung“ unterziehen. Das geschehe in Abstimmung mit Hessen-Forst. „Auch wir stellen bei unserem Bestand Bäume gezielt frei und stärken sie“, erläutert Dieter Kramm vom Forstamt Langen. Wir machen das aus wirtschaftlichen Gründen, FriedWald für die Bestattungsbäume.“

Ein weiterer Besucher regt an, einen alternativen Zuweg über die Feldstraße zu prüfen. „Das haben wir schon getan“, berichtet Ursula Becking-Noller, „aber aus verschiedenen Gründen zurückgestellt. Unter anderem wegen der Länge des Weges und weil er ein Wohngebiet passiert.“ Möglicherweise könne im weiteren Verlauf des Bauverfahrens diese Alternative aber doch noch einmal zum Tragen kommen.

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