Gefragt sind Experten- und Vor-Ort-Wissen

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Professor Friedrich Heckmann von der Uni Bamberg erläuterte das geplante Vorgehen zum Integrationskonzept.

Dietzenbach ‐ Eines ist klar: Dietzenbach lässt sich weder mit Frankfurt, noch mit Schwäbisch Gmünd vergleichen. Für die Mainmetropole hatte das Europäische Forum für Migrationsstudien, ein Institut der Universität Bamberg, bereits 2001 eine Integrationsstudie erstellt. Von Nina Beck

Im vergangenen Jahr schlossen die Wissenschaftler ein Integrationskonzept für Schwäbisch Gmünd ab, „das von allen Parteien einstimmig angenommen wurde“, wie Professor Friedrich Heckmann am Freitagabend bei einer Sondersitzung der Ausschüsse im Bürgerhaus betonte.

Wie berichtet, hatte das Dietzenbacher Parlament den Magistrat bereits im Herbst 2008 damit beauftragt, ein Institut zu finden, das „Grundlagen für eine erfolgreiche Fortführung des Integrationsprozesses“ in der Kreisstadt erarbeiten sollte. Von drei sozialwissenschaftlichen Instituten in der engeren Auswahl war dem Magistrat die Bamberger Einrichtung am geeignetsten erschienen.

Sollte das Parlament zustimmen, wird das Institut in diesem und dem kommenden Jahr ein nachhaltiges Integrationskonzept erarbeiten; dafür wären Mittel in Höhe von rund 42.700 Euro in den Haushalt einzustellen. Während ein erster Anlauf in dieser Richtung, die Beauftragung des Imap-Instituts, noch an den Stimmen von CDU und FWG gescheitert und stattdessen ein Änderungsantrag verabschiedet worden war, zeigte sich CDU-Vorsitzender Helmut Butterweck nun von dem Vortrag Heckmanns und dessen Mitarbeiterin Doris Lüken-Klaßen „vollkommen überzeugt“.

„Wo wollen wir in zehn Jahren stehen?“

Diese stellten den Ausschussmitgliedern das geplante Vorgehen in zwei Stufen – „Analyse der Ausgangssituation“ (ein halbes Jahr) sowie „Partizipative Entwicklung des Konzepts“ – ausgiebig vor. Im Zentrum des Ansatzes steht die aktive Beteiligung der Dietzenbacher, wie Lüken-Klaßen betonte, Experten- und Vor-Ort-Wissen sollten einander ergänzen.

Lothar Niemann (Grüne) sagte, es sei Aufgabe der Lokalpolitik beziehungsweise des Magistrats, zunächst Ziele vorzugeben, auf die dieses Konzept hinauslaufen solle. „Wo wollen wir in zehn Jahren stehen?“ fragte er. Genau dazu gibt es in den einzelnen Fraktionen ganz unterschiedliche Positionen. „Uns ist es bislang noch nicht gelungen, die zu vereinen. Wenn das gelänge, wäre schon mal viel erreicht“, sagte Peter Gussmann (SPD).

Wir haben schon immer gesagt, wir brauchen ein übergeordnetes Konzept“, unterstrich seine Parteikollegin Ulrike Alex. Von den Experten von Außen wünsche sie sich, dass diese „auch bereits laufende Maßnahmen, die unter dem Namen Intergration geführt werden, kritisch bewerten, etwa das Präsidentenbild in Kitas“. Artus Rosenbusch (FDP/ÖDP) äußerte das Gefühl, „dass wir vieles von dem, was Sie vorgestellt haben, schon erledigt haben“. Und Reiner Engelhardt (SPD) brachte die „Besonderheiten Dietzenbachs“ ins Spiel. Hier verwies Heckmann auf die Erfahrungen, die sein Institut bereits in Projekten in den Pariser Banlieues gemacht habe. Es gebe durchaus „allgemeine Strategien für den Umgang mit Besonderheiten in Kommunen“, sagte er. Auch an sprachlichen Problemen werde das Konzept nicht scheitern: „Wir haben schon viele Gespräche etwa mit Imamen geführt. Zur Not lässt sich ja immer ein Übersetzer finden“, sagte er. „Viel wichtiger ist doch, zu sehen, wo drückt der Schuh?“

„Kontroversen und Grabenkämpfe“ zwischen den Parteien habe es anfangs auch in Schwäbisch-Gmünd gegeben. Doch am Ende hätten alle ein Papier verabschiedet. In der Parlamentssitzung sind nun die Stadtverordneten gefragt.

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