Gemischte Gefühle

Künstler und Gewerbetreibende ziehen Bilanz zur Ausstellung „Kunst in der Altstadt“

Besondere Einblicke: Dietzenbacher Künstler haben ihre Werke in Schaufenster ausgestellt.
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Besondere Einblicke: Dietzenbacher Künstler haben ihre Werke in Schaufenster ausgestellt.

Künstler und Gewerbetreibende sind sich einig: Die Ausstellung „Kunst in der Altstadt“ war eine gute Idee. 19 Kreative hatten ihre Werke zwei Wochen lang in den Schaufenstern der Altstadt-Geschäfte ausgestellt. Im Hinblick auf Organisation und Resonanz der Veranstaltungen gehen die Meinungen jedoch auseinander.

Dietzenbach – Positiv bewertet wird die Schau bei den Einzelhändlern etwa von Stefanie Groh, Inhaberin von „Schreibwaren Müller“. „Es war erstaunlich zu sehen, wie viele Künstler wir in Dietzenbach haben“, sagt sie rückblickend. Fehlende Resonanz etwa zum Auftakt, wie dies ein Teil der Teilnehmer bemängelt, habe sie nicht feststellen können. „Mir ist aufgefallen, dass die Leute nicht ausschließlich alleine umhergezogen sind, sondern einige auch mit der gesamten Familie“, fährt Groh fort. Ähnlich sieht das auch Irmgard Weber von der „Parfümerie am Stadtbrunnen“. Sie sagt: „Das Echo war am Anfang groß.“ Zudem sei die Aktion insgesamt eine Bereicherung für die Altstadt gewesen. Allerdings seien zwei Wochen Ausstellungsdauer zu lange. „Nach den ersten Tagen ist das Interesse abgeflaut und viele Menschen sind an den Bildern nur noch vorbeigegangen“, erzählt Weber. Deshalb sei es für die Zukunft sinnvoll, die Ausstellung kürzer, dafür aber häufiger stattfinden zu lassen. „Um die Künstler insbesondere während der Pandemie zu unterstützen, könnte man solch ein Event durchaus zwei bis drei Mal in Folge stattfinden lassen“, schlägt die Geschäftsinhaberin vor. Schön wäre es, wenn immer andere Maler, Fotografen und plastisch Schaffende daran teilnehmen könnten. Denn so erhalte jeder einmal die Chance, seine Kunstwerke zu präsentieren.

Elisabeth Schuler vom Künstlerkreis Dietzenbach hätte sich hingegen mehr Werbung von Seiten des Capitols als Organisator gewünscht. „Es ist fast niemand gekommen, da kaum jemand davon gewusst hat“ schildert sie ihre Wahrnehmung. Dadurch sei all die Freude auf die Ausstellung einfach verpufft. „Wir Künstler haben noch versucht, über die sozialen Medien Werbung zu machen“, berichtet sie. Doch das habe wenig genutzt. „Wenn so etwas noch einmal stattfindet, wäre es schön, wenn die Stadt stärker darauf aufmerksam machen würde.“ Solch eine Präsentation, aufgrund von Corona mit „angezogener Handbremse“ zu veranstalten, mache wenig Sinn. „Dann wäre es besser gewesen, man hätte die Veranstaltung erst gar nicht stattfinden lassen“, fährt Schuler fort. Schließlich hätten die Kunstschaffenden viel Arbeit in die Ausstellung gesteckt. Zumal es auch keine Vernissage gab, bei der viele Menschen zusammengekommen wären. „Es wäre ausreichend gewesen, den Leuten mitzuteilen, dass überhaupt etwas stattfindet und sie einzuladen“, sagt Schuler. Selbstverständlich müssten auch dabei die Hygienemaßnahmen eingehalten werden. Ebenso Nachholbedarf sieht die Künstlerin im Gespräch mit so manchem Gewerbetreibenden. „Ein Bild einfach in die Warenmenge zu stellen, ist keine angemessene Darstellungsform“, sagt sie. Wobei sie selbst mit Nicole Eck von „Die Suppe und das Grün“ eine tolle Partnerin gehabt habe, mit der sie sich gut absprechen konnte.

Ein bisschen ernüchtert zeigt sich auch Wolfgang Mündl, der seine Skulpturen bei „Blumenbinder Brokmeier“ ausgestellt hatte. Er habe zwar durchaus Nachfragen erhalten, doch insgesamt sei die Ausstellung nichts Halbes und nichts Ganzes gewesen. So kritisiert auch er die fehlende Werbung. Versöhnt habe ihn dann die Zeit danach. „Ich hatte im Anschluss eine Pop-Up-Art-Gallery im Geschäft von Arne Brokmeier und da sind bedeutend mehr Leute gekommen“, schildert Mündl. Die Werbung dafür habe er selbst gemacht. (Von Anna Scholze)

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