Geplante Reihenhausanlage stößt auf Kritik

Dietzenbach - Einst sei es „als Filetstück“ gehandelt worden, sagte Andrea Wacker-Hempel von den Grünen, das Areal zwischen Offenbacher-, Vélizy- und Talstraße. Nun sollen dort, wie berichtet, elf Reihenhauszeilen mit 67 Einheiten entstehen, inklusive Schallschutzwand zur Vélizystraße hin. Von Nina Beck

„Praxisbeispiele“ für einen solchen Lärmschutz, wie sie in Kopie den Unterlagen für die nächste Stadtverordnetenversammlung beigefügt wurden, erinnern Wacker-Hempel jedoch „eher an eine Autobahn. Das passt nicht zum Entrée einer Stadt“, merkte sie in der jüngsten Sitzung des Bauausschusses an.

Weitaus drastischere Worte bezüglich der geplanten Reihenhaussiedlung selbst fand ihr Parteikollege Günter Steinheimer: „Wenn das beschlossen würde, wäre das eine Katastrophe“, sagte er. Vor allem im Hinblick auf die unter anderem geplanten „Mini-Häuser“ mit einer Wohnfläche von 88 Quadratmetern sagte er: „Das ist für mich ein flach gelegtes Hochhaus.“

In die gleiche Richtung äußerte sich auch Manfred Rühl (UDS). 88 Quadratmeter seien ein „Unding“, sagte er. „Das ist nicht mal mehr eine Schuhschachtel, das sind Honigwaben.“ Normalerweise gehöre auf eine solche Fläche eine Geschossbebauung – etwa viergeschossig – im so genannten Blockrandverfahren. Der bisher gültige Bebauungsplan für das Areal sieht zwar eine Bebauung mit Reihenhäusern vor, aber eben auch eine davor gesetzte Riegelbebauung zur Offenbacher- und Vélizystraße hin. Letzteres soll nun in einem geänderten Bebauungsplan entfallen. „Ein Krüppelplan“, kommentierte Rühl harsch, „nichts Gescheites“. Diesen Plan könne man nur ablehnen, er sei „städtebaulich eine Katastrophe“. Es drohe ein „asoziales Gebiet“, sollte eine positive Entscheidung fallen, sagte der UDS-Stadtverordnete.

Es passe nicht zusammen, äußerte Steinheimer, wenn die Stadt einerseits versuche, „eine bessere Klientel anzuziehen“, und auf der anderen Seite dann „solche Hütten da hinstellen will“. Ausschussvorsitzender Harald Nalbach (FWG) hin gegen relativierte: „Das sind bessere Schuhschachteln, natürlich. Aber Häuser, die auf 300, 400 Quadratmetern Fläche stehen, kann heute doch keiner mehr bezahlen. Wir können nicht beurteilen, ob und welche Klientel da ist.“

Reinhold Herkner (CDU) ergänzte, die 88 Quadratmeter seien schließlich als Mindestfläche genannt, es seien auch Häuser von 172 Quadratmetern Wohnfläche vorgesehen. Und günstiger Wohnraum für junge Familien könne ja auch nicht verkehrt sein.

Doch die Bedenken überwogen im Bauausschuss. Zumal der Investor, wie es in der Begründung des Magistratsvorlage heißt, noch einen „Nachweis über die notwendigen Abstell- und Stauräume erbringen“ müsse. Denn die geplanten Häuser sind weder unterkellert, noch ist für die kleineren ein eigener Abstellraum vorgesehen. Als Alternative müssten die Bewohner jener Häuser Teile ihrer Garage oder auch eine Gartenhütte auf der jeweils insgesamt neun Quadratmeter großen Grünfläche nutzen. „Und das wollen wir ernsthaft genehmigen?“, fragte Wacker-Hempel rhetorisch. Weil einzig Rühl gegen die Vorlage stimmte, Nalbach und Heinz-Walter Scherping (SPD) sich aber der Stimme enthielten, galt die Vorlage mit den zwei Stimmen der CDU im Bauausschuss als angenommen.

Bürgermeister Stephan Gieseler (CDU) kann die Kritik an den Planungen nicht nachvollziehen. Er sagte gestern auf Anfrage, es hätten sich bereits mehrere Vermarkter gemeldet, die an dem Objekt interessiert seien. Er sehe daher auch „gute Chancen am Markt“, so der Bürgermeister.

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