Tod eines 80-jährigen Afghanen

War es geplanter Raubmord am Wertheimer Weg?

+
Die Feuerwehr löschte den Brand in einer Erdgeschosswohnung am Wertheimer Weg und fand eine Männerleiche.

Dietzenbach - Was ist wirklich in der Nacht auf den 15. April 2015 im Wertheimer Weg passiert? Von Silke Gelhausen-Schüßler 

Im Prozess um drei junge Asylbewerber aus Afghanistan, die einen 80-jährigen Landsmann in seiner Wohnung töteten und beraubten, hat es am fünften Verhandlungstag vor dem Landgericht Darmstadt eine für die Angeklagten unter Umständen entscheidende Wendung gegeben. Kurz vor den geplanten Schlussvorträgen wurde ein neuer Hinweis von der zweiten Strafkammer zu Protokoll gegeben: Demnach geht das Gericht nicht davon aus, dass der Tod des gefesselten Opfers billigend in Kauf genommen wurde, sondern ein von allen Dreien gemeinschaftlich geplanter Raubmord war. Der Vorsatz dazu soll während des Überfalls gefasst worden sein, um in Ruhe an das Eigentum des Mannes zu gelangen. Im gleichen Zug wurde die Anklage wegen Brandstiftung vorläufig fallen gelassen – da nach Paragraf 154 der Strafprozessordnung eine Ahndung für diese Tat gegenüber dem Mord „nicht beträchtlich ins Gewicht fällt“.

Lesen Sie dazu auch:

Mutmaßliche Täter begehen weitere Straftat

Falsche Angaben und skurrile Geschichte

Gefesselt, geschlagen und verbrannt

Die drei Verteidiger, die höchstwahrscheinlich auf „Raub mit Todesfolge“ plädieren werden, beantragten daraufhin eine Sitzungsunterbrechung – auf diese unerwartete Positionierung waren ihre Vorträge nicht vorbereitet. Diese sollen nun am Donnerstag, 10. März, erfolgen. Das am gleichen Tag auch die Urteile fallen werden, ist aber unwahrscheinlich, da die Strafzumessungen von Oberstaatsanwalt Alexander Homm und die der Anwälte weit auseinander liegen werden. Glaubt man den geständigen Aussagen des Tätertrios Mohammed I. (18), Abdul P. (22) und Shirzad N. (17), so wollten sie den Senior zwar außer Gefecht setzen, aber nicht töten. Gleich an der Wohnungstür brachte N. den Mann zu Fall und fixierte ihn am Boden, P. fesselte ihn mit einem Bügeleisenkabel, I. verpasste ihm eine Ladung Gasspray und drosch mit einem Schlagstock auf Beine und Füße ein. Trotz der Gewaltanwendung habe der Wehrlose aber nicht verraten, wo die 80.000 Euro Bargeld seien, die er laut I. aus einem Immobilienverkauf besitzen sollte. Stattdessen soll er sich vehement gewehrt und geschrien haben.

Gewalt in deutschen Gefängnissen ist Alltag

Um mit dem Geschrei nicht die Nachbarn zu alarmieren, griffen P. und I. zu einem herum liegenden Schal und drückten ihm damit die Luft ab – wohl etwas zu lange – laut Rechtsmedizin verstarb er durch Ersticken. Ob die Täter da schon wussten, dass der Afghane tot war, ist ungewiss. Angeblich durchsuchten sie erstmal eine Stunde in aller Ruhe die Wohnung – wo sie besagtes Geld aber nicht fanden – um dann festzustellen, dass ihr Opfer kein Lebenszeichen mehr zeigte. Zur Spurenbeseitigung legte P. Feuer, dann flohen die drei Täter.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion