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Politisch geprägt vom Kriegsdienst

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Im Gespräch: Barbara Cárdenas Alfonso und Moderator Cengiz Hendek.
Im Gespräch: Barbara Cárdenas Alfonso und Moderator Cengiz Hendek. © Wittekopf

Das Erzählcafé ist eine Veranstaltung, in der Menschen, die sich um Dietzenbach verdient gemacht haben, von sich und ihrer Beziehung zur Kreisstadt erzählen. Organisiert wird dieses Projekt von der Initiative „Dietzenbacher Menschen.“ In der jüngsten Ausgabe steht die ehemalige hessische Linken-Landtagsabgeordnete Barbara Cárdenas Alfonso dem Moderator Cengiz Hendek Rede und Antwort.

Dietzenbach – Gleich zu Beginn möchte der Moderator wissen, wie Cárdenas – die 1954 im Münsterland das Licht der Welt erblickt – denn überhaupt zur Politik gekommen ist. „Bereits in meiner frühen Jugend gab es immer Nadelstiche“, sagt sie. „Die Ermordung Kennedys war sicher ein einschneidendes Erlebnis.“ Auch die ständige Diskussion um den Vietnamkrieg habe sie beeinflusst. Als sie dann ungefähr 15 Jahre alt war, musste ihr damaliger Freund zur Bundeswehr. „Er wollte verweigern und musste dazu ein Verfahren durchlaufen, bei dem er dreimal durchgefallen ist“, erklärt sie. „Er hat sein Innerstes offenbart, wurde nicht anerkannt und musste also zum Grundwehrdienst. Die Zeit bei der Bundeswehr war eine sehr traumatisierende Zeit.“ Sie berichtet, dass ihr Freund Repressalien und körperliche Gewalt erfahren musste. „Wenn er am Wochenende nach Hause kam, musste ich ihn wieder aufbauen“, sagt sie. „Das hat mich tief geprägt.“ Daraufhin gründet sie die Deutsche Friedensgesellschaft Internationaler Kriegsgegner (DK). „Mit dieser Gründung beginnt mein Friedensengagement und meine politische Arbeit.“

Ihre ersten politischen Kontakte knüpft sie überwiegend im näheren Umfeld und Freundeskreis „Im Wesentlichen war es eine Clique von meinem Freund, die aus Kommunisten und Sozialdemokraten bestand“, erzählt sie. „Wir haben damals die Freiheit der Wehrdienstverweigerung verteidigt.“ 1972 beginnt sie in Münster/Westfalen ihr Studium der Pädagogik und Psychologie. Dort lernt sie ihren späteren Mann Ricardo kennen. Der Beruf bringt ihren Mann 1989 in den Frankfurter Raum. Vier Jahre pendelt er zwischen Münster und dem Rhein-Main-Gebiet, schließlich ziehen sie 1993 nach Dietzenbach. Für die Kreisstadt sprachen politische als auch kulinarische Motive. So gab es in Dietzenbach eine starke linke Bewegung und der damalige ehrenamtliche Kulturdezernent in Dietzenbach, Richard Weilmünster, sei auch in Münster bekannt gewesen.

2002 gründet sie die Dietzenbacher Liste (DL), fünf Jahre später wird die Partei „Die Linke“ gegründet, der sie beitritt. Nur ein Jahr später (2008) kandidiert sie für den hessischen Landtag, dem sie insgesamt acht Jahre angehört. „Das war eine spannende, aber sehr anstrengende Zeit“, sagt sie. „Wir mussten mit sechs Mitgliedern die Arbeit machen, die große Parteien mit viel mehr Personal erledigen konnten.“ Erfolgreich findet sie ihre Arbeit als Vorsitzende des Petitionsausschusses: „Ich konnte seinerzeit die Geschicke des Ausschusses sehr gut leiten“, erinnert sie sich. Während dieser Zeit konnte sie die Abschiebung der Dietzenbacher Familie Khateeb (wir berichteten) teilweise verhindern. „Der Vater wurde damals abgeschoben, aber die Abschiebung der siebenfachen Mutter und der Kinder konnten wir verhindern.“

Seit der Verabschiedung aus dem Hessischen Landtag engagiert sie sich lokalpolitisch. Sie sitzt für ihre Partei im Magistrat und leitet dort die Geschicke der Kreisstadt mit. Rückblickend auf ihre politische Tätigkeit hebt sie die Arbeit im Verein „Zusammenleben der Kulturen“ hervor. „Es ist wichtig, dass wir in unserer Stadt einen Raum haben, wo sich alle Menschen wohl fühlen und wo sie politisch und kulturell vertreten sind“, sagt sie. (Burghard Wittekopf)

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