Geschlossene Gesellschaft

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Im Wirtshaus „Zur Linde“ machen derzeit die Vereine Schließdienst, der Gastronomiebetrieb ruht indes.

Dietzenbach  Das Wirtshaus „Zur Linde“ und die Gaststätte „Harmonie“ mögen die prominentesten Lokale sein, die derzeit in der Kreisstadt leer stehen – die einzigen sind es nicht. Von Simone Weil und Nina Beck

Denn das „Princesa“ am Stadtbrunnen etwa hat bereits vor einem dreiviertel Jahr seine Pforten geschlossen, und auch die örtlichen Vereine haben mit häufig wechselnden Pächtern bei ihren Gaststätten zu kämpfen.

Pächter gesucht: FC-Gaststätte  „Sophias Eckfänchen“

„Sophias Eckfähnchen“ etwa, die FC-Gaststätte an der Offenthaler Straße, seit Ende 2010 mit neuem Pächterpaar, ist schon wieder Geschichte. Wie FC-Vorsitzender Michael Wieck erläuterte, hat die Betreiberin zum Jahresende das Handtuch geworfen, weil es am passenden Koch fehlte. Ebenso wie an Einnahmen aus den Sommermonaten, denn das verregnete Wetter lockte zu wenig Gäste in den Biergarten. Dennoch ist Wieck zuversichtlich, in absehbarer Zeit einen neuen Wirt für das Lokal zu finden. Im Gegensatz zu manch anderer leer stehenden Gaststätte sei die Ausstattung im FC-Vereinslokal auf einem zeitgemäßen Stand. „Da kann man gleich loslegen“, hofft der Vorsitzende.

Die TG-Gaststätte auf dem Wingertsberg hat vor einem Jahr in Mise Vuko einen neuen Pächter gefunden, der Guiseppe Magliarella ablöste. Jener hatte sich nach nur etwas mehr als einem Jahr „aus gesundheitlichen und betriebswirtschaftlichen Gründen“ zurückgezogen, nachdem er das Lokal im Herbst 2009 nach langem und für den Verein gar an die Substanz gehenden Leerstand übernommen hatte.

Und auch SC-Vorsitzender Bernd Fenchel weiß von wechselnden Pächtern ein Lied zu singen, wenngleich beim aktuellen „Sport Cooker“ an der Limesstraße keine Probleme bestehen. „Wir hatten alle anderthalb bis zwei Jahre einen Pächterwechsel.“ Fenchel hat die Erfahrung gemacht, dass neue Gastwirte oft stark anfangen, dann aber nachlassen. Ein wesentlicher Punkt sei seiner Ansicht nach das geänderte Konsumverhalten: „Die Leute gehen nicht mehr so viel essen wie früher.“

Pächter gesucht: Das Café und Restaurant „Princesa“

Helmut Deiters, der insgesamt fast acht Jahre lang das Café und später auch Restaurant „Princesa“ am Stadtbrunnen führte, hat eine andere Erklärung parat: „Die Miet- und Umlagekosten sind heutzutage nicht mehr zu erwirtschaften. Nicht die Lebensmittel verursachen die hohen Kosten, sondern Personal, Miete, Gas, Wasser, Einrichtung et cetera. Und wenn eine Gaststätte nicht von der Stadt oder einem Verein subventioniert wird und dort keine großen Veranstaltungen laufen, dann funktioniert das nicht mehr.“ Eigentlich, so Deiters, müsste man das auf die Preise umlegen, „aber der Verbraucher ist nicht mehr bereit, das zu zahlen“.

Für Ingrid Riedel, bis Jahresende 2011 Pächterin der „Linde“, hatten mehrere Gründe dafür gesprochen, das Pachtverhältnis zu beenden. Die „exorbitanten Nebenkosten“ gehörten auch dazu. Bis zu 1900 Euro habe sie monatlich allein an Strom zahlen müssen. Dem großen Saal hätte eine Klima-Anlage gut zu Gesicht gestanden, auch über einen nötigen Schallschutz zwischen Saal und Kolleg hatte sie mit der Stadt gesprochen, wie Riedel sagt. Hauptproblem aber sind die Parkplätze. So etwa seien immer mal wieder Aufträge für größere private Feiern angesichts der wenig freien Stellplätze geplatzt. „Ohne Parkplatz ist die Gastronomie heute verloren“, sagt Riedel, die in Dreieich erfolgreich das „Königlich Bayerische Amtsgericht“ führt.

Pächter gesucht: Die Gaststätte „Harmonie“

Ein neuer Pächter für die „Linde“ ist noch nicht gefunden. Seit Monatsbeginn würden aber „zielgerichtet mit einem Interessenten Gespräche geführt“, wie Christoph Zens-Petzinger, Leiter der Stadtmarketing-Agentur, gestern auf Anfrage sagte. Das Parkplatzproblem sei hinlänglich bekannt und werde auch besprochen. Eine Prognose, wie lange es dauern wird, bis ein Nachfolger den Betrieb übernimmt, will Zens-Petzinger nicht wagen. Der Stadt sei aber daran gelegen, dass der Leerstand möglichst zügig beendet wird. Zudem führe die Wirtschaftsförderung turnusmäßig Gespräche mit Vermietern im Hinblick auf deren Forderungen an Pächter, so Zens-Petzinger.

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