Gespräch auch ohne den Minister

Internetprobleme behindern Kai Klose bei Online-Wahlkampfveranstaltung der Grünen

Insgesamt 20 Frauen und Männer stellen die Grünen zur Kommunalwahl auf, das Bild zeigt die zehn Kandidaten der vorderen Listenplätze.
+
Insgesamt 20 Frauen und Männer stellen die Grünen zur Kommunalwahl auf, das Bild zeigt die zehn Kandidaten der vorderen Listenplätze.

„In Dietzenbach gibt es schon viele gute Ansätze, wir stehen aber noch immer vor großen Herausforderungen.“ Mit diesem Fazit beendete Moderator Thomas Ball eine Online-Diskussionsrunde, zu der der Ortsverband der Grünen eingeladen hatte. Unter dem Titel „Geheimtipp Dietzenbach“ standen unter anderem die Ergebnisse des aktuellen Sozialstrukturatlasses des Kreises Offenbach im Mittelpunkt des Gespräches.

Dietzenbach – Als fachliche Verstärkung hatten die Grünen den Hessischen Minister für Soziales und Integration, Kai Klose (Grüne), dazu gebeten. Wer sich dabei ortsspezifische Ankündigungen oder konkrete Ideen für die Sozialpolitik in der Kreisstadt erhoffte, wurde allerdings enttäuscht. „Wir können nicht einzeln für die Stadt Dietzenbach entscheiden, sondern müssen bei allen Projekten Objektivität wahren“, betonte der Minister.

Indes offenbarte ein genauer Blick auf Konzepte und Förderprogramme ein aktuell bereits vielfältiges Angebot im sozialen Bereich. So nannte René Bacher, Bürgermeisterkandidat der Grünen, unter anderem die intensive Arbeit des Boxprojektes und der Kinder- und Jugendfarm. Andrea Wacker-Hempel, Fraktionsvorsitzende der Grünen, erinnerte an die lange existierende Schulsozialarbeit und die Migrationslotsinnen. Dabei investiere Dietzenbach grundsätzlich gar nicht so viel Geld in die Jugend- und Sozialarbeit, sagte Bacher. Würden doch pro Einwohner drei Euro weniger ausgegeben, als etwa in der Nachbarkommune Rödermark.

„Ein festes Budget erleichtert auch Ehrenamtlichen die Arbeit“

Einig waren sich die Politiker darin, dass nicht nur Ideen zu sozialen Konzepten wichtig seien, sondern vor allem verlässliche Finanzierungen. „Ein festes Budget erleichtert auch Ehrenamtlichen die Arbeit“, sagte der Bürgermeisterkandidat. Zustimmung kam an dieser Stelle von Sozialminister Klose, der auf das Hessische Sozialbudget aus dem Jahr 2014 verwies. „Das Geld ist von Kürzungen im Haushalt ausgenommen und ermöglicht auch viele kleine Projekte.“

Einstimmigkeit herrschte ebenso darin, dass eventuelle Förderprogramme immer auf Augenhöhe mit den Betroffenen organisiert werden sollten. „Wir müssen es besonders im Kindergartenbereich auch schaffen, die Eltern mitzunehmen“, mahnte Andrea Wacker-Hempel. Für diejenigen, die sich aus eigener Kraft nicht engagieren könnten, sei es wichtig, verstärkt Familienzentren aufzubauen. „Dort gibt es Betreuung und Unterstützung.“ Darüber hinaus verwies René Bacher auf die Rolle der Erzieherinnen. „Da haben wir eine eklatante Lücke vor Ort, viele Mitarbeiterinnen fühlen sich nicht mitgenommen.“ Daher sei es wichtig, eine „wertschätzende Kultur“ zu entwickeln.

30 Dietzenbacher Teilnehmer diskutieren online

Auch wenn Minister Klose in seinem Homeoffice immer wieder Probleme mit seiner Internetverbindung hatte und stellenweise nicht viel zum Gespräch beitragen konnte, so diskutierten die rund 30 Dietzenbacher Teilnehmer umso reger auf Grundlage einer stabilen Netzverbindung. Per Chat wollte einer der Teilnehmer etwa wissen, wie man am besten an die Hilfe von Bund und Land komme, auf die der Minister wiederholt verwies. Das sei gar nicht so einfach, sagte René Bacher. Viele der Förderprogramme änderten sich oft, sodass die Beantragungen im regulären Berufsalltag viel Zeit erforderten. Daher empfehle er, einen Fördermittelmanager einzustellen. In einer weiteren Frage ging es darum, wie man mehr Lehrer und Erzieher gewinnen könne. „Wir fördern bereits seit Längerem Studienplätze und sprechen über Gruppengrößen in den Kitas, denn auch das trägt zur Attraktivität des Berufes bei“, berichtete Minister Klose. Des Weiteren habe man in der Corona-Pandemie gezeigt, dass mit kostenlosen Testmöglichkeiten und Schutzmaßnahmen die Mitarbeiter gut versorgt seien. (Barbara Scholze)

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare