Freundeskreis-Vorsitzender zieht Bilanz

Göpfert-Haus: Alle Bedenken ausgeräumt

+
Immer mittwochs und freitags bietet die Physiotherapeutin Britta Brodack (links) den Vhs-Kurs „Vorbeugende Gymnastik im Hinblick auf den Alterungsprozess“ im Reinhard-Göpfert-Haus an. Der Vorsitzende des Trägervereins „Freundeskreis Göpfert-Haus“, Friedrich Jüde (Bild links), ist mit der Entwicklung der Begegnungsstätte im Westend seit deren Übernahme zufrieden

Dietzenbach - Das Reinhard-Göpfert-Haus ist wieder belebt. Dank des gleichnamigen Freundeskreises, der es zum einen geschafft hat, das drohende Ende der Begegnungsstätte abzuwenden und zum anderen Dietzenbacher Bürgern und Vereinen eine vielfältige Domizilalternative zu bieten. Von Ronny Paul 

Von außen wirkt das Reinhard-Göpfert-Haus an diesem Vormittag unbelebt. Beim Betreten ist allerdings Stimmgewusel zu hören. Die Physiotherapeutin Britta Brodack animiert eine Gruppe von Senioren im großen Saal der Begegnungsstätte zu vorbeugender Gymnastik. Die sonst im ganzen Raum verteilten Tische und Stühle sind Gymnastikmatten gewichen, schließlich brauchen die sportlichen Senioren Platz, um sich beim wöchentlichen Kurs der Vhs richtig bewegen zu können.

Im Foyer sitzt Friedrich Jüde in einem gemütlichen Sessel und redet über die Entwicklung der Begegnungsstätte im Westend, für dessen Trägerverein „Freundeskreis Göpfert-Haus“ er im vergangenen Jahr den Vorsitz übernommen hat. Über Jüde – und im gesamten Haus verteilt – hängen Gemälde des Künstlerkreises Dietzenbach. Eine Kooperation, die davon zeugt, wie verankert die Begegnungsstätte in der Bevölkerung ist. Der Künstler- sei auf den Freundeskreis zugekommen, der wiederum mit großem Interesse den Dietzenbacher Kunstschaffenden die Fläche zur freien Verfügung stellt: „Das ist nicht nur eine Verschönerung des Hauses, sondern auch ein Blickfang für die Besucher“, findet Jüde, der die Zusammenarbeit mit dem Künstlerkreis „lange fortsetzen“ möchte.

Vor Kurzem hat der Freundeskreis bei seiner Jahreshauptversammlung einstimmig die Vereinssatzung verabschiedet, die nun dem Amtsgericht in Offenbach und dem Finanzamt in Langen vorliegt. Ziel ist es, dass der Freundeskreis den Zusatz „e. V.“ – eingetragener Verein – bekommt. Das habe den Vorteil, erläutert Jüde, dass damit die Gemeinnützigkeit bestätigt werde und der Freundeskreis für Spenden in Zukunft auch Quittungen ausstellen könne. Nun heißt’s nur Warten auf die Bestätigung.

Überhaupt sind die Mutigen vom Freundeskreis „glücklich, den Schritt gegangen zu sein“, bestätigt Jüde. Nicht alle Stadtverordneten hatten der engagierten Gruppe um Friedrich Jüde, Thijs Schraverus und Gisela Decker zugetraut, dass sie das in die Jahre gekommene Haus in Eigenregie führen könnten. Doch nach mehr als einem dreiviertel Jahr hat Jüde festgestellt: „Auch diejenigen, die damals das Projekt nicht unterstützt haben, sind zufrieden.“ Möglich gemacht haben das neben dem ehrenamtlichen Engagement der Vereinsmitglieder auch viele „großzügige private Spenden“, etwa für die Inneneinrichtung.

Wie berichtet, hatten die Stadtverordneten am 24. März des vergangenen Jahres grünes Licht für Vertragsverhandlungen zwischen der Verwaltung und dem als Mieter fungierenden Freundeskreis gegeben. Zum Juni dann hat der mittlerweile 35 Mitglieder starke Freundeskreis Göpfert-Haus die Begegnungsstätte zunächst für fünf Jahre mit Option auf Verlängerung um zweimal zwei Jahre übernommen.

Seitdem haben die Freundeskreismitglieder viel erreicht, das Haus ist wochentags gut gebucht, es gibt regelmäßig Vormittagsveranstaltungen, wie eben der Gymnastikkurs von Britta Brodack. Die vier großen Hauptmieter sind der Bridge-Club, der AGV, der TGS-Chor und die Seniorenhilfe. Die beiden Chöre sind jeweils einen Abend, der Bridge-Club an drei unter der Woche im Haus. Regelmäßig lädt Lothar Kämmer vom Verein „zusammenleben der Kulturen“ zu Kochabenden ein, verschiedene Vereine wie VdK, OGV oder auch Parteien wie SPD und FDP haben bereits Veranstaltungen im Westend organisiert, berichtet Jüde. „Das Spektrum ist ganz schön breit.“ Auch private Vermietungen für Taufen, Geburtstage, Kommunionsfeiern und ähnliches habe es bereits gegeben. „Vom Kleinkind bis zum 100-Jährigen wird alles abgedeckt“, betont Jüde, der aber – auch angesichts der zu deckenden Betriebskosten von „20.000 Euro plus X“ – gerne noch Lücken füllen möchte: „Wir sind nicht an jedem Samstag oder Sonntag voll besetzt.“ Zuversichtlich, dass der Freundeskreis die Betriebskosten decken kann, ist er dennoch: „Ich bin sehr optimistisch, dass wir es schaffen.“

Kennen Sie die Wappen aus der Region?

Währenddessen trudeln zwei Damen im Haus ein, die das Heringsessen der Seniorenhilfe vorbereiten wollen. Ein Stichwort für Jüde: Der Freundeskreis biete an, dass sich die potenziellen Mieter vorab mit den Gegebenheiten vertraut machen können. Dafür stehen die Feundeskreis-Mitglieder jederzeit zur Verfügung. Berechnet werde nur die gebuchte Zeit – Vorbereitung und Abbau ausgenommen. Bevorzugt sind im Göpfert-Haus kreisstädtische Bürger und Vereine. „Eingetragene Dietzenbacher Vereine zahlen die Hälfte des Mietpreises.“ Aber auch für andere Mieter sind, in dem mit dem kleinen und großen Saal sowie der Küche zwischen 100 und 120 Personen Platz bietenden Haus, die Preise überschaubar. Der kleine Saal kostet zehn Euro pro Stunde, der große 20, die Küche ebenfalls zehn.

„Bis jetzt hatten wir in allen Fällen sehr ordentliche Mieter“, sagt Jüde. Auch mit den Nachbarn pflege man gute Verhältnisse. Und die Resonanz der bisherigen Mieter sei durchweg positiv: „Sie danken uns, rufen uns an und sagen, wie toll es ist, dass das Haus wieder zur Verfügung steht.“

Der Vorstand des Freundeskreises steht für Anfragen und Vermietungen zur Verfügung. Weitere Infos unter Tel.:  06074/814525 oder f.juede@t-online.de.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare