„Grauer Burgunder“ erwartet Hobby-Winzer

Kulturelles Erbe der Stadt erhalten

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Christian Kionka (links) und Stephan Gieseler machen sich auf ihrem Weinberg an den Rebschnitt.  

Dietzenbach - Zwar zieren Trauben das Wappen der Stadt, der Weinanbau hat allerdings stark nachgelassen. Einziges Überbleibsel aus vergangenen Zeiten: Das Gieseler-Kionka-Weinfeld auf dem Wingertsberg. Von Barbara Scholze 

Ein schöner Tag für die Arbeit im Freien ist es nicht gerade. Der Himmel ist grau-trüb, leichter Sprühregen durchnässt die Kleidung. Der Blick vom Wingertsberg, der bei Sonnenschein eine regelrechte Idylle offenbart, reicht nicht sehr weit. Dennoch ist der Frühling bereits spürbar, die Vögel zwitschern und überall kämpfen sich die ersten Knospen durch. Für die beiden Männer, die sich einiges an Arbeit vorgenommen haben, ist das Motivation genug. Auf Dietzenbachs mittlerweile einzigem Weinberg haben sich Christian Kionka und Stephan Gieseler an den Rebschnitt gemacht. Rund 400 Rebstöcke auf der 850 Quadratmeter großen Anbaufläche gilt es für die Ernte im Herbst fit zu machen. Ist doch der Schnitt der stärkste Eingriff, den die Pflanzen über sich ergehen lassen müssen. Sie sollen möglichst viele Trauben bringen, aber auch noch Kraft genug haben, ordentlich weiterzuwachsen.

Das kleine Weinfeld auf dem Wingertsberg steht ganz in der Tradition der Weinherstellung im alten Dietzenbach. Bereits seit dem Mittelalter ist die gute Lage für einen köstlichen Tropfen bekannt. Der Boden vulkanischen Ursprungs und das Klima ermöglichen einen regelrechten Qualitätsanbau. Zwar trägt die Stadt noch heute die Trauben in ihrem Wappen, der Anbau indes war im Laufe der Jahrhunderte fast zum Erliegen gekommen. Es waren Christian Kionkas Eltern, die vor mehr als 50 Jahren mit viel Herzblut und Engagement den kleinen Wingert wieder flottmachten und in der Stadt so den alten Brauch aufleben ließen. Heute betreibt der Hobby-Winzer, der in der Nähe von Hannover lebt, gemeinsam mit Ex-Bürgermeister Stephan Gieseler den Weinberg als Weinbaugemeinschaft Gieseler-Kionka. „Es war und ist mir ein großes Anliegen, diese Tradition zu erhalten und so einen Beitrag zum kulturellen Erbe der Stadt zu leisten“, sagt Gieseler.

Nun geht es also ganz handfest darum, den zum Teil in den letzten Jahren neu gepflanzten Ranken Licht, Luft und Wärme zukommen zu lassen. Die Triebe, die der Stock nicht braucht, müssen entfernt werden. „Der größte Fehler beim Schnitt ist es, zu wenig zu schneiden“, heißt es unter Fachleuten. Stehen bleiben dürfen die einjährigen Äste. „Aber zuerst müssen wir kontrollieren, ob sie noch grün sind, oder ob der Frost sie kaputt gemacht hat“, sagt Kionka. Ist der Schnitt gelungen, sind die Triebe gekürzt, und die Augen in der gewollten Anzahl stehen geblieben, werden die leicht störrischen Äste nach unten gebunden. „Sie sollen schließlich nach oben schön austreiben können“, erklären die Weinfachmänner.

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Beginnen die Reben dann mit dem neuen Trieb, gehen die Pflegemaßnahmen und Arbeiten auf dem Wingert, der zum Weinbaugebiet „Hessische Bergstraße“ gehört, weiter. Um die 150 Liter Wein der Sorte „Grauer Burgunder“ erwarten sich die beiden Hobby-Winzer im Herbst. „Wir freuen uns über den Ertrag und auch darüber, dass wir die Qualität steigern können“, sagt Gieseler. Überzeugen von der aktuellen Erfolgsgeschichte des Dietzenbacher Weins konnten sich zuletzt die Besucher des „Weihnachtszaubers“ auf dem Hof des Museums für Heimatkunde und Geschichte im vergangenen Dezember. Bei der Veranstaltung in Kooperation von Heimatverein und dem Verein „Für Dietzenbach“ war Gelegenheit, den Tropfen zu kosten. Rund 300 Euro an Spenden sind so zusammengekommen. Übergeben haben Gieseler und Kionka das Geld nun an den Verein „Für Dietzenbach“, der sich der Verschönerung des Ortes widmet. „Ganz im Sinne unserer Stadt eben“, sagt der Ex-Bürgermeister.

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