Größerer Anteil an einem lukrativen Markt

Dietzenbach - Wir schreiben das Jahr 2000. Der Verkauf der städtischen Anteile an der Energieversorgung Offenbach wird als strategische Meisterleistung gefeiert, da im Zuge der Liberalisierung des Strommarktes die kleinen Anbieter unterzugehen drohen. Von Christoph Zöllner

Jahre später wird klar: Es wäre besser gewesen, Anteile zu halten, um die städtischen Einnahmen mit üppigen Ren diten aufzubessern. Indes brachte das Geld im Sparstrumpf der Stadt, dem Finanzmanagement, eher mäßige Einkünfte.

Mehr Energie: Eine Erhöhung der Anteile an der Maingau Energie GmbH, des ehemaligen Gasversorgungsverbandes Obertshausen, soll der Stadt wieder einen größeren Anteil an dem lukrativen Markt sichern. Die Maingau, an der auch die Kommunen Obertshausen, Heusenstamm, Mühlheim und Rodgau sowie die RWE-Tochter Rhenag als strategischer Partner beteiligt sind, liefert Erdgas und neuerdings auch Strom. Für den Kauf der neuen Anteile werden 2,16 Millionen Euro fällig, die aus dem Finanzmanagement entnommen werden sollen, um nicht den Haushalt zu belasten. Die Stadtverordneten müssen diesem Plan in der Sitzung am 2.  Februar noch zustimmen.

Der Anteil der Kreisstadt an der Maingau steigt von 11,7 auf knapp 15 Prozent. „Da es sich bei der Maingau um ein rentierliches Unternehmen handelt, das jährliche Gewinne an den städtischen Haushalt abführt, kann durch die Anteilserhöhung bei gleichbleibender wirtschaftlicher Ausrichtung mit einer entsprechenden Erhöhung der jährlichen Gewinnabführungen gerechnet werden“, heißt es in der Vorlage des Magistrats. 2007 wurde nach Steuern ein Gewinn von 235 000 Euro an die Stadtkasse überwiesen. Noch mehr Geld erwartet Bürgermeister Stephan Gieseler (CDU) aus den Erträgen der Stromsparte. Außerdem verspricht sich Gieseler eine verstärkte Einflussnahme in der Gesellschafterversammlung.

2002 hatte Dietzenbach rund elf Prozent der Maingau-Anteile an die Kölner Rhenag AG verkauft und dabei etwa fünf Millionen Euro eingenommen. Im Zuge von Umstrukturierungen innerhalb des RWE-Konzerns übernimmt nun die Süwag-Gruppe von der anderen Tochter des Energie-Riesen, der Rhenag, die Hälfte des Maingau-Anteils. Im Zuge dieses Geschäfts wurde der Dietzenbacher Anteilkauf möglich, berichtete Gieseler auf Anfrage.

Die zu Beginn prognostizierte Rendite des Finanzmanagements von sieben Prozent ist nie eingetreten, durchschnittlich bringt die Anlage vier Prozent pro Jahr. Das Finanzmanagement weist zurzeit einen Buchwert von mehr als 19 Millionen Euro auf. Bereits im November 2007 waren sämtliche Aktienbeteiligungen aufgelöst und in Termingelder und Rentenpapiere investiert worden. Aufgrund der anhaltenden Turbulenzen an den Börsen bleibt der „Dietzb-Cofonds“ – so heißt das von der Asset Management GmbH verwaltete städtische Sondervermögen – bis auf Weiteres aktienfrei. „Die anhaltende Finanzkrise erlaubt es auch weiterhin nicht, erneut in den Aktienmarkt unter Berücksichtigung einer defensiven Anlagestrategie einzusteigen“, heißt es in einem Bericht an die Stadtverordneten.

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