Großes Bürgerengagement

Zehn Mitfahrbänke zieren ab sofort verschiedene Plätze der Kreisstadt

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Elke Schott (links) und Gerda Hauffmann sitzen auf einer Mitfahrbank am Hexenberg. Um sie herum stehen die vielen Engagierten, die beim Projekt mitgewirkt haben.

Dietzenbach - Elke Schotts blaue Mitfahrbänke stehen ab sofort an zehn Punkten der Kreisstadt. Das Projekt hat sie innerhalb kurzer Zeit dank viel Bürger- und Sponsorenhilfe auf die Beine gestellt. Von Ronny Paul

Den ersten Mitfahrer hat Initiatorin Elke Schott bereits am Donnerstag kurz nach Aufstellen einer der ersten Mitfahrbänke am Waldschwimmbad aufgegabelt. Einen Rentner, der dort auf der Bank saß und Richtung Bahnhof wollte, hat sie mitgenommen. Die Jungfernfahrt hat geklappt. Die letzte von zehn Mitfahrbänken haben die Projektbeteiligten um Schott und die beiden Schreinerazubinen der Städtischen Betriebe, Nelly Vomstein und Hannah Wittekopf, gestern an der Bushaltestelle auf dem Hexenberg aufgestellt. Als Ehrengast war die Auslöserin der ganzen Aktion, Gerda Hauffmann, eingeladen. Denn Schott war es ein großes Anliegen, die Bank dort auszustellen, wo Hauffmann wohnt.

Wie es dazu kam, erzählt die 88-Jährige, die sichtlich gerührt war von dem Bürgerengagement: „Das verschlägt mir die Sprache“, sagt sie, hält kurz inne und erzählt: Sie war vor etwa einem Jahr an einem heißen Tag im Altstadt-Rewe einkaufen. Sie habe geschaut, ob sie jemand mit zurück auf den Hexenberg nehmen könne, aber keinen gefunden. Dann habe sie sich auf eine Mauer gesetzt, um sich auszuruhen. Kurze Zeit später kam eine Frau und rief: „Da dürfen Sie nicht sitzen.“ Sie habe sich aufgerafft und sei weitergelaufen, bis sie eine „Blaue Bank“ entdeckt hatte. Sie fragte, ob sie sich draufsetzen dürfe. Schott antwortete ihr: „Das ist eine Zauberbank, die fährt sie jetzt heim.“ Die Geburtsstunde der Projektidee.

Schott, die vor zwei Jahren das soziale Projekt „Die blaue Bank“ gestartet hat, die seitdem konstant unterwegs ist und von Haus zu Haus, von Geschäft zu Geschäft zieht. Laut Schott steht die blaue Bank stellvertretend für Respekt, Wertschätzung und soziale Kompetenz. Dafür steht nun auch die Schwester der Blauen Bank, die Mitfahrbank. Bürgermeister Jürgen Rogg, der nach eigenen Angaben auch regelmäßig anhält, wenn er jemanden auf der Straße sieht, den er mitnehmen könnte, begrüßt und unterstützt das Projekt seit Anbeginn: Wertschätzung und Respekt sollten keine Worthülsen sein, findet er. Rogg sagt, er sei mächtig stolz auf Schott, dass sie das Projekt durchgezogen habe.

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Wittekopf und Vomstein haben etwa 50 Arbeitsstunden ins Projekt investiert, schätzt Stefan Keitzl, Schreinermeister und Ausbilder bei den Städtischen Betrieben. Stefan Benz von der Firma „Reklame Benz“ hat die Schilder angefertigt, Maler Thorsten Balser die Bänke gestrichen. Das Prinzip der Mitfahrbank ist simpel: An der Bank ist ein Klappschild montiert mit mehreren verfügbaren Destinationen, etwa „Bahnhof“ oder „Wingertsberg“. Der Mitfahrer klappt das Schild auf sein gewünschtes Ziel und wartet, bis jemand anhält und Richtung gewünschtem Ort fährt. Wenn der Fahrer vertrauenserweckend erscheint, klären Fahrer und Mitfahrer das Ziel mündlich ab.

Die zehn Mitfahrbänke stehen in der Altstadt (Bahnhofstraße/Ecke Schäfergasse), auf dem Hexenberg, am Bahnhof, am Altstadt-Rewe, beim Globus-Baumarkt, am Rathaus-Parkplatz, auf der Frankfurter Straße, auf dem Wingertsberg, am Waldschwimmbad und am Edeka-Markt in Steinberg.

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