Großprojekt scheitert

Gruppe Eichler-Kammerer verlegt Standort vorerst nicht nach Dietzenbach

Sitzung der Dietzenbacher Stadtverordnetenversammlung
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Auf dem Programm der heutigen Stadtverordnetenversammlung steht eine Magistratsvorlage, die das Wiederkaufsrecht der Stadt an dem bereits von Eichler erworbenen Grundstück regeln soll. 

Die Unternehmensgruppe Eichler-Kammerer wird ihren Standort vorerst nicht nach Dietzenbach verlegen. Geschäftsführer und Gesellschafter Wolfgang Eichler teilte mit, die Corona-Pandemie habe den Plan zunichtegemacht.

Dietzenbach – Aus der Traum von der „größten zusammenhängenden Unternehmensansiedlung in der Geschichte Dietzenbachs“. Die von Bürgermeister Jürgen Rogg im Jahr 2016 mit diesen Worten angekündigte Niederlassung der Eichler-Kammerer-Gruppe wird es nicht geben. Insgesamt rund 80.000 Quadratmeter Fläche wollte die Firma an der Waldstraße bebauen. Nun teilt Geschäftsführer und Gesellschafter Wolfgang Eichler mit, die Corona-Pandemie habe den Plan zunichtegemacht. Zwar sei das Angebot der Gruppe, die schwerpunktmäßig im Sanitäts- und Hygienebereich tätig ist, stark nachgefragt. „Aber unsere Kunden in den Lokalen, Restaurants und am Flughafen haben noch immer mit den Folgen des Lockdowns zu kämpfen.“

Entsprechend steht eine Magistratsvorlage auf dem Programm der heutigen Stadtverordnetenversammlung, die das Wiederkaufsrecht der Stadt an dem bereits von Eichler erworbenen Grundstück regeln soll. Auch im Haupt- und Finanzausschuss sollte das Thema besprochen werden, gleich zu Beginn wanderte die Diskussion jedoch auf Antrag der Grünen in den nicht-öffentlichen Teil der Sitzung.

Rund 22 .000 Quadratmeter Land hatte die Stadt im Juli 2017 der Unternehmensgruppe zum Preis von 120 Euro pro Quadratmeter verkauft. Weitere 56.000 Quadratmeter hatte das Unternehmen von der Firma Heidelberg Cement übernommen. Für diesen Grundstücksteil ist laut Aussage von Wolfgang Eichler bisher noch keine Rückabwicklung erfolgt. Indes will der Geschäftsführer sich nicht festlegen, ob Dietzenbach vielleicht als künftiger Standort doch noch infrage kommt.

Laut der Magistratsvorlage wurde das Wiederkaufsrecht der Stadt bereits im Kaufvertrag geregelt, auch für den Fall, dass nicht innerhalb von zwei Jahren mit dem Bau begonnen werde. Ursprünglich wollte die Firma die neuen Gebäude in Dietzenbach im vergangenen Jahr in Betrieb nehmen. Allerdings habe Eichler-Kammerer Bürgermeister Rogg im März mitgeteilt, dass man das Projekt erst einmal ruhen lasse, im April sei dann die endgültige Absage gekommen. „Es gab keine Verhandlungsoption seitens der Unternehmensgruppe“, teilt die Stadt auf Anfrage mit. Mit Mehreinnahmen kann die Verwaltung nun allerdings nicht rechnen. Auch für die Rückabwicklung gelte der im Kaufvertrag festgesetzte Kaufpreis von 120 Euro pro Quadratmeter, heißt es. Dieser sei beim Erwerb vom Amt für Bodenmanagement festgelegt worden und noch immer aktuell. Die nun entstehenden Kosten müsse aber das Unternehmen tragen. Bringe die Stadtverordnetenversammlung die Rückabwicklung auf den Weg, könne es mit einem eventuellen Verkauf des Grundstückes weitergehen, „es gibt durchaus Interessenten“, heißt es aus dem Rathaus.

Geplant hatte die Unternehmensgruppe Eichler-Kammerer mit aktuellem Sitz in Büttelborn ein Vertriebs- und Servicecenter samt Verwaltungsgebäude, Schulungszentrum, Kantine und Betriebskindergarten. Grundsätzlich sollte die komplette Eichler-Kammerer Holding in Dietzenbach ihren Sitz finden; 300 Mitarbeiter sollten am Standort arbeiten. Bei den Bauvorbereitungen kam auch der Umweltschutz nicht zu kurz, so mussten bereits etliche Zauneidechsen umgesiedelt werden.

Das familiengeführte Unternehmen Eichler-Kammerer gilt im Großhandelsbereich als Spezialist für Produkte und Dienstleistungen der Reinigung und Hygiene für Krankenhäuser und Pflegeheime, Betriebsgebäude, Hotels und Gastronomie. Nach eigenen Angaben erwirtschaften dabei 420 Mitarbeiter einen Umsatz von rund 130 Millionen Euro. Für die Unternehmerfamilie Eichler wäre der Umzug nach Dietzenbach auch ein Stück Rückkehr in heimische Gefilde gewesen, denn seine Anfangszeiten hatte der Betrieb auch in Dreieich. (Von Barbara Scholze)

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