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Sie haben nicht vergeblich gewartet

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Von: Barbara Scholze

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Gemeinsam bringen Reiner Wagner und Jo Bolling Becketts „Godot“auf die Theaterbühne. Der Dietzenbacher Tausendsassa Reiner Wagner kooperiert mit Jo Bolling und plant zunächst eine Aufführung von „Warten auf Godot“ im Theater „Schöne Aussichten“. Die Proben beginnen kommende Woche. (c)Foto: scho
Der Dietzenbacher Tausendsassa Reiner Wagner kooperiert mit Jo Bolling und plant zunächst eine Aufführung von „Warten auf Godot“ im Theater „Schöne Aussichten“. Die Proben beginnen kommende Woche. © scho

Dietzenbach -  Im Volksmund steht der Titel für langes und sinnloses Warten. Lange gewartet haben Reiner Wagner und Jo Bolling schon, bevor sie „Warten auf Godot“ nun auf die Bühne bringen. Sinnlos waren die Vorbereitungen auf das Samuel Beckett-Stück dagegen nicht. Von Barbara Scholze

Haben doch der Lindenstraßen-Star und der Dietzenbacher Theater-Lokalmatador ihre Idee zum großen Schauspiel langsam reifen lassen. „In der nächsten Woche beginnen die Proben“, kündigen die beiden ihre neue Kooperation an. Zunächst sind zehn Aufführungen ab September geplant.

Es war nur eine kurze Begegnung vor vielen Jahren im Baumarkt, die Wagner und Bolling zusammenbrachte. „Ich habe Jo gesehen, erkannt und angesprochen, wir haben uns auf Anhieb verstanden“, berichtet Reiner Wagner. Seit 17 Jahren lebt Jo Bolling in Dietzenbach. Bekannt geworden ist der gebürtige Bonner durch seine Rolle als Taxifahrer Andy Zenker, für die er seit 1990 im Dauerbrenner „Lindenstraße“ vor der Kamera steht. Zurückblicken kann er aber auch auf viele weitere Filmauftritte und vor allem eine intensive Bühnenerfahrung. Beeindruckt hat er unter anderem als „McMurphy“ in dem Stück „Einer flog über das Kuckucksnest“. „Ich komme vom Theater, und inzwischen zieht es mich da auch wieder hin“, erzählt er.

Die Regie für einen Klassiker wie „Godot“ zu übernehmen sei nicht nur angesichts des Spielortes in Wagners Theater „Schöne Aussichten“ am Harmonieplatz eine Herausforderung. Auf Linie bringen müsse er auch ein bunt zusammengewürfeltes Team mit unterschiedlichen Ausgangsvoraussetzungen. „Alle sollten sich während der Leseproben erst einmal beschnuppern können, später wird es sicher manchmal auch hart.“

Ernsthafter Stoff am Anfang

Neben Reiner Wagner werden die Frankfurter Schauspieler Tim Grothe und Christoph Stein in „Warten auf Godot“ spielen. Mitglied des Ensembles ist ebenso der Dietzenbacher Karl-Heinz Lehr, bekannt durch seine Auftritte im Theater der Christuskirche. „Ich habe alle schon auf der Bühne gesehen und freue mich auf die Zusammenarbeit“, sagt Bolling. Die nächsten Monate würden zu einem Lernprozess für die Schauspieler: „Aber sie werden stark davon profitieren können“. Grund genug für Theatermacher Wagner, sich innerlich vorzubereiten: „Ich habe großen Respekt vor der Arbeit mit Jo.“

Dass ein ernsthafter Stoff wie der absurde Zweiakter mit seiner kargen Sprache und Handlung am Anfang der Theater-Kooperation steht, ist durchaus beabsichtigt. Die Zusammenarbeit von Wagner und Bolling soll kein Solo-Stück bleiben, sondern ist auf Künftiges ausgelegt. Bereits jetzt besprechen die beiden Bühnenwerke, die als nächstes infrage kommen. „Ich möchte mich mit guten Stoffen längerfristig engagieren“, verrät Jo Bolling.

Dabei müssen seine Fans keine Angst haben: Der Lindenstraße wird der beliebte Schauspieler erhalten bleiben. Doch es sei reizvoll, vor den Toren der Metropole Frankfurt Kultur zu etablieren. Der Bühne des Theaters „Schöne Aussichten“ soll ein Mix aus ernsthaften Stücken und gutem Boulevard Glanz verleihen. „Das fängt vielleicht manchen ein, der bisher nur in den Nachbarstädten die Theater besucht“, hofft der Lindenstraßen-Schauspieler. Zunächst sei es wichtig, mit Godot den Beweis für gute Arbeit anzutreten. „Vielleicht werde ich dann irgendwann wieder selber auf der Bühne stehen.“ Auch der Dietzenbacher Wirbelwind Reiner Wagner hat seine Terminkalender dementsprechend gestrafft. „Die Filmerei wird weiter ein Standbein bleiben, Theaterengagements außerhalb fallen aber weg, weil ich mich wieder stärker an Dietzenbach binden möchte“, betont er. Nach einem Jahr am Standort Harmonieplatz zieht er positive Bilanz. „Es hätte mir nichts Besseres passieren können.“

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