Prozess

Mann terrorisiert Nachbarschaft - jetzt atmet sie auf

Vor dem Schöffengericht in Offenbach hat sich ein 32-jähriger Dietzenbacher wegen gefährlicher Körperverletzung verantworten müssen. (Symbolbild)
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Vor dem Schöffengericht in Offenbach hat sich ein 32-jähriger Dietzenbacher wegen gefährlicher Körperverletzung verantworten müssen. (Symbolbild)

Über Jahre terrorisiert ein Mann in Dietzenbach die von den Behörden alleine gelassene Nachbarschaft. Nun wurde der 32-Jährige zu dreieinhalb Jahren Gefängnis verurteilt.

Dietzenbach – Vom Saal im Offenbacher Schöffengericht wandert der 32-Jährige direkt in den Knast. Der Richter Manfred Beck und die Schöffen stoppen den Dietzenbacher mit einem Urteil von dreieinhalb Jahren Gefängnis wegen gefährlicher Körperverletzung.

Die Staatsanwältin wirft dem Dietzenbacher K. vor, am 29. Juni 2019 gegen 0.30 Uhr seinem Nachbarn von gegenüber mit einer an einem Seil befestigen Hantel von 1,25 Kilogramm auf den Kopf geschlagen zu haben. Der Nebenkläger habe mit einem Schädelhirntrauma vier Tage im Krankenhaus verbracht. Außerdem habe K. dessen Frau mit einem gefährlichen Gegenstand attackiert, wie ein Schnitt an deren Hals beweise.

Dietzenbach: Mann terrorisiert Nachbarschaft – Gericht fällt Urteil

Pflichtverteidiger Ulf Köper erklärt, sein Mandant räume den Angriff auf den Nebenkläger ein, dessen Frau habe er jedoch nur von sich geschubst. K. stellt die Tat als Notwehr dar. Der Nachbar habe von der Straße aus gegen die Türe gehämmert, er sei aus dem zweiten Stock herunter kommen, habe geöffnet und einen Griff am Hals verspürt, worauf er sich verteidigt habe. Die Frau habe er eventuell mit dem Fingernagel gestreift.

Auf Nachfrage von Richter Beck erklärt der Angeklagte, als 13-Jähriger habe er mit den Konsum von Cannabis, ein Jahr später mit dem Missbrauch von Amphetamin begonnen. Auf die Frage, ob er mit den Nachbarn immer noch Streit habe, antwortet der Mann, „es kommt darauf an, wie man Streit definiert“. Manchmal höre er seine Musik ein wenig lauter.

Nebenkläger des Dietzenbachers hatte nach Angriff großes Hämatom

Der damals schwer verletzte Nebenkläger schildert, als er am 29. Juni 2019 mit seiner Frau nach Hause gekommen sei, habe aus dem kaputten Fenster von K. wieder Musik gedröhnt. In der eigenen Einfahrt hätten zudem zum wiederholten Male Scherben von K. aus dem Fenster geworfener Bierflaschen gelegen. Er habe daraufhin zu K. gerufen, er solle runter kommen. Als K. die Türe geöffnet habe, „ist erst das Licht am Haus und dann bei mir ausgegangen“. Er habe von dem Schlag mit der Hantel eine Narbe davongetragen. Außerdem hätten die Ärzte im Krankenhaus ein großes Hämatom an seinen Rippen entdeckt: „Ich kann nicht sagen, ob das vom Sturz oder Tritten kam. Ich war schließlich bewusstlos.“ Seine Frau erklärt, sie habe zwar in seiner Hand kein Messer gesehen, „aber woher kommt sonst der Schnitt an meinem Hals?“

Alle Zeugen erzählen, in den zwei Jahren nach der Tat, die wegen versuchten Totschlags auch vor dem Landgericht hätte landen können, habe sich der Angeklagte noch übler benommen. Wüste Beschimpfungen und Bedrohungen seien Alltag gewesen. In der Pestalozzistraße kennt jeder das Wolfsgeheul, dass der Angeklagte regelmäßig zum Besten gab.

Dietzenbach: Gutachter sieht nach Angriff eine verminderte Schuldfähigkeit

Der Nebenkläger erklärt, er habe darauf verzichtet, Anzeige wegen der Beleidigungen zu erstatten, behauptet: „Weil sinnlos, die Polizei kam zum Teil gar nicht mehr.“ Ohne Ohropax gehe er nie ins Bett. Die vom Ordnungsamt geforderten Lärmprotokolle hätte man zwar eingereicht, aber nie eine Antwort bekommen.

Der Gutachter sieht eine verminderte Schuldfähigkeit. Der Angeklagte hatte zur Tatzeit einen Mix aus Alkohol, Amphetamin und Cannabis intus, habe sein Handeln aber steuern können.

Die Staatsanwältin fordert 34 Monate Gefängnis. Der Angeklagte habe keine Reue gezeigt, sich nach der Tat noch schlimmer als zuvor verhalten. Nebenklagevertreter Dr. Sven Mehlhorn erklärt, „es ist nur eine Frage der Zeit, dass er dem nächsten eine überbrät“. Man sollte K. zwingen, sein Verhalten zu ändern. Pflichtverteidiger Köper gibt zu bedenken, „dass er sich damals subjektiv bedroht fühlte“. Köper spricht jedoch von einem abartigen Verhalten seines drogenabhängigen Mandanten, „er braucht eine stationäre Therapie“. Ansonsten sei er eine Gefahr für die Allgemeinheit. Auf einen Antrag verzichtet Köper.

Sie sind eine Gefahr für sich und andere.

Manfred Beck, Richter

Richter Manfred Beck und die Schöffen verhängen dreieinhalb Jahre Gefängnis. Wegen Fluchtgefahr muss K. sofort in die Justizvollzugsanstalt: „Sie sind eine Gefahr für sich und andere. Aufgrund ihrer Drogensucht haben Sie eine verdrehte Sicht auf die Realität.“ (Stefan Mangold)

Bei einem anderen Prozess in Dietzenbach wurde ein Mann ebenfalls zu dreieinhalb Jahren Gefängnis verurteilt. Der Dietzenbacher Intensivtäter hatte unter anderem seine Freundin angegriffen.

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