Haft nach Angriff auf Freundin

Dietzenbacher Intensivtäter muss für dreieinhalb Jahre ins Gefängnis

Schöffengericht in Offenbach (Symbolbild)
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Wegen mehrfachen Drogenhandels und wiederholter Körperverletzung verurteilte das Schöffengericht in Offenbach einen Dietzenbacher Intensivtäter zu einer Haftstrafe von dreieinhalb Jahren. (Symbolbild)

Wegen mehrfachen Drogenhandels und wiederholter Körperverletzung verurteilte das Schöffengericht in Offenbach einen Dietzenbacher Intensivtäter zu einer Haftstrafe von dreieinhalb Jahren. Der Mann hatte seine damalige Lebensgefährtin körperlich massiv attackiert.

Dietzenbach – Zu Beginn fragt Richter Manfred Beck den Angeklagten Y., ob er noch verlobt sei. „Das ist kompliziert“, antwortet Y.. Was die Oberstaatsanwältin dem 24-Jährigen vorwirft, müsste eigentlich dazu führen, dass die Geschädigte vom Vater ihres zweijährigen Kindes nichts mehr wissen will.

Am 11. November 2020 soll Y. morgens gegen sieben Uhr an die Haustüre der Wohnung geklopft haben. Als die Lebensgefährtin ihn durch den Gucker sah, öffnete sie nicht, weil sie ahnte, was ihr blühte, wie meist, wenn Y. betrunken war. Laut Gutachten hatte der Angeklagte an jenem Morgen gut zwei Promille intus. Er soll schließlich die Türe eingetreten und die Frau so lange gewürgt haben, bis Blut aus deren Nase tropfte und es an der Wohnungstüre klingelte. Die später bei der ärztlichen Untersuchung aufgenommen Bilder dokumentieren einen stark geröteten Hals der Frau.

Außerdem soll Y. der in der Wohnung befindlichen Freundin der Geschädigten in den Finger gebissen haben, als die helfen wollte. Die herbeigerufene Polizei konnte den Dietzenbacher schließlich auf der Straße festnehmen. Seitdem sitzt er in U-Haft. Dort hatte Y. nicht lange zuvor wegen Drogenhandels schon einmal drei Wochen verbracht. Den Haftbefehl hob das Gericht schließlich auf.

Die Oberstaatsanwältin wirft dem Mann weitere Gewaltakte gegen die Freundin vor: Ohrfeigen und Schläge auf den Hinterkopf. Außerdem muss er sich in mehreren Fällen wegen Besitzes und Handels mit Cannabisprodukten verantworten. Einmal stellte ihn die Polizei mit 78 Gramm Marihuana mit einem Rausch erzeugenden THC-Wert von 23 Prozent. Ein anderes Mal fanden sich gut sechs Gramm Kokain. Summa summarum wirft die Anklage dem Mann sechs Körperverletzungs-, fünf Drogendelikte und eine Sachbeschädigung wegen der eingetretenen Türe vor.

Rechtsanwalt Thorsten Tuma erklärt, „mein Mandant will reinen Tisch machen“. An das Würgen seiner Freundin könne er sich trotz Suff erinnern, „er war nicht komplett schuldunfähig“. Er bezweifle jedoch, dass es dreißig Sekunden dauerte und dass er nur wegen des Klingelns an der Wohnungstüre abließ.

Der Angeklagte, der die Realschule abschloss, erzählt von einer Drogenkarriere, die mit 13 begann, „zum Schluss rauchte ich fünf bis sechs Gramm Cannabis täglich“. Kokain habe er vor allem am Wochenende konsumiert, „das waren dann insgesamt zwei bis drei Gramm“. Eine vorangegangene Drogentherapie über vier Monate habe letztlich nicht gefruchtet, „die führten nur ein Gespräch pro Woche mit mir“.

Richter Beck liest aus dem Entschuldigungsbrief des Mannes aus dem Gefängnis an seine ehemalige Lebensgefährtin vor, geschrieben im Tenor: „Ich werde nie wieder Alkohol trinken, alle hassen mich, ich liebe dich.“ Außerdem bittet er sein Opfer, ihm zehn Euro zu schicken, „ich habe hier nur wenig Tabak“.

Die Oberstaatsanwältin erwähnt die elf Eintragungen im Bundeszentralregister. Die Anklägerin konstatiert eine hohe Rückfallgeschwindigkeit. Sie spricht „von der großen Brutalität gegenüber Ihrer Freundin“. Die Oberstaatsanwältin fordert 42 Monate Gefängnis. Verteidiger Tuma rechnet die meisten Delikte runter und kommt auf zweieinhalb Jahre JVA. Der Angeklagte erklärt in seinem Schlusswort, „ich kenne keinen 24-Jährigen, der so was macht wie ich. Ich bin bereit, mir helfen zu lassen“.

Richter Beck und die beiden Schöffinnen verhängen dreieinhalb Jahre Haft. Der Angeklagte habe eine Chance bekommen und die vermasselt. Y. habe gewusst, wie aggressiv er auf Alkohol reagiere, „Sie suchen nach wie vor die Schuld nicht bei sich selbst“. (Von Stefan Mangold)

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