Unerwartete Herausforderungen

Hautpflegerin Ute Rehart muss ihre Praxisräume in Dietzenbach verlassen

Auf dem Weg in neue Räume: Auch wenn sich für Ute Rehart eine neue Möglichkeit aufgetan hat, fällt ihr der Abschied von ihrer ehemaligen Praxis nicht leicht.
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Auf dem Weg in neue Räume: Auch wenn sich für Ute Rehart eine neue Möglichkeit aufgetan hat, fällt ihr der Abschied von ihrer ehemaligen Praxis nicht leicht.

Lockdown kriegen so manche Freiberufler stark zu spüren. Schon seit dem „Lockdown light“, der im November begonnen hat, kann die Hautpflegerin Ute Rehart ihren Beruf nicht wie gewohnt ausüben. Neben den finanziellen Sorgen, die damit einhergehen, sah sie sich Ende September vor ganz anderen Problemen, mit denen sie in dieser Form nicht gerechnet hatte:

Die neue Besitzerin ihrer Praxisräume an der Hügelstraße bot ihr, für ihren auslaufenden Mietvertrag einen Folgevertrag an. Allerdings verlangte sie von Rehart deutlich mehr Miete. Hatte die 59-Jährige aufgrund einer Vereinbarung mit dem vorherigen Eigentümer vergleichsweise wenig zahlen müssen, wurde die Miete mit dem Besitzerwechsel auf das ortsübliche Niveau angehoben und somit um 70 Prozent erhöht. Doch Rehart war nicht bereit, das zu zahlen.

„Ich bin aus allen Wolken gefallen“, beschreibt Rehart den Moment, als sie sich das Kündigungsschreiben durchgelesen hat. Die Praxisräume führt die Dietzenbacherin gemeinsam mit ihrer Tochter Hanna, was den Schriftzug „Rehart Rehart“ an der großen Fensterfront des rund 60 Quadratmeter großen Geschäfts erläutert. Die Hauptpflegerin und die Physiotherapeutin haben sich gut ergänzt, bis sich die Tochter in eine Babypause verabschiedet hat. 

Frisch zum Team gestoßen ist die Heilpraktikerin Katja Vetten, die während der Coronazeit einen „Unterschlupf“ bei den Reharts gefunden hat. Sie selbst hat ihre Räume verloren und pandemiebedingt wenig beziehungsweise keine Einnahmen. „Für mich und Hanna war es selbstverständlich, dass wir ein wenig zusammenrücken und Platz für Katja schaffen“, erzählt Ute Rehart. Schließlich müsse man gerade in solchen Zeiten solidarisch miteinander umgehen.

Sie hat in die Räume, die sie 2015 übernommen hat, viel Geld und Herzblut investiert. Rehart ließ Wände und Leitungen ziehen. „Das war damals die Vereinbarung mit dem Vermieter: Ich habe renoviert, aber dafür war der Mietzins niedrig.“ Eine Vereinbarung, die nun mit der Vertragslaufzeit zu Ende ging. Die nun fälligen 300 Euro mehr kann die pandemiegeplagte Kosmetikerin nicht aufbringen. Nichtsdestotrotz: Der neue Mietzins orientiert sich an dem ortüblichen Mietspiegel. Zwar stand eine Staffelung der neuen Miete im Raum, dazu gekommen ist es jedoch nicht. Gründe wollte die neue Vermieterin gegenüber unserer Zeitung nicht ausführen.

Für Ute Rehart heißt es nun: Einen Schritt zurückgehen, um vorwärts zu kommen. Sie kehrt zusammen mit Katja Vetten in die Räumlichkeiten zurück, in der die Praxis zuvor beheimatet war: Seit Anfang Januar empfängt die Dietzenbacherin ihre Kunden in der Schulstraße 11 – wenn da nicht der Lockdown wäre. „Es war ein schönes Kapitel, aber es ist eben jetzt zu Ende“, bedauert Rehart den Verlust ihrer Praxisräume an der Hügelstraße. 

Während Katja Vetten dort bereits ihre Patienten empfangen kann, muss die Hautpflegerin noch warten. Sie motiviert sich jedoch selbst: „Das einzig Stetige ist der Wandel.“ Mit dieser Einstellung wartet sie darauf, bald für ihre Kunden da zu sein. „Nicht am selben Ort, aber mit demselben Angebot“, verspricht die Dietzenbacherin, die ebenfalls mentale Heilreisen anbietet – kontaktlos per Videochat oder Telefonat. Infos im Internet auf loslassenwasbelastet.com. (Von Lisa Schmedemann)

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