Zeitgemäße Bildung überzeugt

Heinrich-Mann-Schule in Dietzenbach wird für digitales Konzept ausgezeichnet

Heinrich-Mann-Schulleiter Hans-Peter Löw (links) und MINT-Fachbereichsleiter Rainer Winter-Wolf  stehen vor der MINT-Auszeichnung.
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Stolz präsentieren Heinrich-Mann-Schulleiter Hans-Peter Löw (links) und MINT-Fachbereichsleiter Rainer Winter-Wolf die Auszeichnung.

Dietzenbach – Augmented Reality, Robotikmodelle oder Interaktivboards: Was nach Begriffen aus einem Science-Fiction-Roman klingt, gehört für Schüler der Heinrich- Mann-Schule (HMS) bereits heute zum täglichen Unterricht dazu. Denn der Einsatz digitaler Medien ist im Konzept der Bildungsstätte in Steinberg fest verankert. Für ihre zeitgemäße Bildung wurde sie nun von der Organisation „MINT Zukunft schaffen“ als „Digitale Schule“ ausgezeichnet.

Im Biologieraum zeigt Lehrerin Petra Carbon ihren Schützlingen, wie die Pollen einer Tulpe aussehen, und das ganz ohne Mikroskop. Carbon lädt einfach ein Bild der Pflanze auf ihr Smartphone hoch und legt dieses unter eine Dokumentenkamera. Ein mit der Kamera verbundener Beamer projiziert das Foto von Carbons Handy direkt auf eine Wand im Raum. „Ich vergrößere das Bild dann solange, bis die nötigen Details zu sehen sind.“ Auch das Innere des menschlichen Körpers kann die Lehrerin ihren Schülern nur mit ihrem Handy und einem speziellen T-Shirt zeigen. Mit der zum Shirt dazugehörigen App macht sie das Herz eines Schülers auf ihrem Endgerät sichtbar. „Wir müssen jetzt keine Fernsehschränke mehr durch die Gegend schieben, um unseren Schülern zu zeigen, wie Blutplättchen durch die Venen fließen“, berichtet sie.

Im vierten Stock ersetzen Interaktivboards die Kreidetafel. Das Besondere an den digitalen Tafeln ist, dass nicht nur Lehrer zugriff auf diese haben auch Schüler können Dateien auf den Bildschirm hochladen und so den Unterricht aktiv mitgestalten. Carbon erläutert: „Hat ein Schüler auf seinem Handy ein zum Thema passenden Text, kann er ihn über unsere schuleigene Cloud einfach auf das Board senden.“ Staubige Kreide oder ranzige Schwämme gehörten damit der Vergangenheit an, meint sie.

Zu einer „Digitalen Schule“ wird die Bildungsstätte aber nicht allein durch den Einsatz moderner Geräte: In fünf verschiedenen Kategorien musste die HMS aufzeigen, warum sie die Auszeichnung verdient. „Unsere Bewerbung war 22 Seiten lang“, berichtet Petra Carbon. Unter anderen galt es nachzuweisen, wie qualifiziert die Lehrer im Umgang mit digitalen Medien sind. „Wir sind in der glücklichen Situation fünf ausgebildete Informatiklehrer zu beschäftigen“, meint Schulleiter Hans-Peter Löw. Ein weiteres Kriterium, um als „Digitale Schule“ anerkannt zu werden sei, dass die digitale Technik für alle Schüler zugänglich ist, betont Petra Carbon. Zwar habe vor den Lockdown nur der MINT-Bereich die neuen Geräte genutzt, inzwischen gelte dies aber „für alle Fachbereiche“.

Wie notwendig der Einsatz digitaler Medien im Unterricht ist, habe Hans-Peter Löw gerade während des Lockdown festgestellt: „Der Fernunterricht hat gezeigt, wie wichtig es ist, mit Laptop oder Tablet umgehen zu können.“ Und auch im Falle einer Quarantäne müssten die betroffenen Schülerinnen und Schüler mittels mobiler Endgeräte und Online-Portale am Unterricht teilhaben können, „damit sie den Anschluss nicht verlieren.“ Daher habe die HMS nach den Schulschließungen alle Beteiligten in kürzester Zeit auf der internen Schulcloud sowie auf dem externen hessischen Schulportal angemeldet, berichtet Petra Carbon stolz. „Nach nicht einmal einer Woche waren alle miteinander vernetzt.“

Mit ihrem Konzept und dessen schneller Umsetzung überzeugte die HMS die Organisation „MINT Zukunft schaffen“ und darf sich ab sofort für drei Jahre als „Digitale Schule“ bezeichnen. Ausruhen werde man sich auf den Lorbeeren aber nicht, verspricht Carbon: „Wir werden nie satt sein“. Um sich auch zukünftig digital weiterentwickeln zu können, benötige die Schule jedoch Unterstützung, betont Hans-Peter Löw: „Dafür ist eine vertiefende Finanzierung von Land und Stadt nötig.“ Und auch die versprochenen digitalen Endgeräte müssten endlich geliefert werden. (Joshua Bär)

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