Trend bis 22 Uhr

Kreistagswahl: Hektische Suche in der Kneipenszene

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Wähler und Stimmenzähler werden am Sonntagabend wieder mit riesigen Stimmzetteln jonglieren müssen. Kreis-Wahlleiter Wolfgang Schild und seine Mitarbeiterin Svenja Staudt bleiben trotzdem entspannt. - Foto: Towae

Dietzenbach - Der 6. März könnte für manchen Politiker ein langer Tag werden. Immerhin stehen Kommunal- und Kreistagswahlen an. Von Michael Eschenauer

Aber auch für diejenigen, die für die organisatorische Abwicklung dieses Urnenganges verantwortlich sind, wird dieser Wahlsonntag zumeist erst weit nach Mitternacht enden. So rechnen die mit der Organisation der Abstimmung von insgesamt 262 229 Wahlberechtigten auf Kreisebene betrauten Abteilungen im Kreishaus in Dietzenbach – dies sind die Kreiswahlleitung und die Pressestelle – mit einem Feierabend nicht vor zwei Uhr in der Früh. „Irgendwas kommt halt immer dazwischen“, sagt Kreis-Wahlleiter Wolfgang Schild. Aber das Gesicht des 58-jährigen Fachdienstleiters im Bereich Kommunalaufsicht und Recht bleibt entspannt.

Erst gegen 22 Uhr, so seine Prognose, können Wahlbeobachter am Wahlabend mit einem Trendergebnis zur Kreistagswahl für das gesamte Kreisgebiet rechnen. Die Gemeindewahl hat Priorität bei der Auszählung ab 18 Uhr. Gezählt werden am Wahlabend nur Stimmzettel aus Wahlkabine oder Briefwahl, in denen weder kumuliert noch panaschiert, sondern nur eine bestimmte Liste angekreuzt wurde. Die Auswertung der restlichen Stimmen erfolgt am Montag. Eine größere Kräfteverschiebung vom Trend zum amtlichen Endergebnis wird aber nicht erwartet. Bei der vergangenen Kreistagswahl betrug die größte Schwankung zwei Prozentpunkte. Ab 21 Uhr erwartet man im Kreis-Wahlzentrum die ersten Kreis-Ergebnisse aus den Kommunen.

Seit Sommer vergangenen Jahres bereiten Schild und sein vierköpfiges Team die Kreistagswahl vor. Die aktuelle Gesetzeslage muss beobachtet werden, mit den Verlagen und Druckereien sind Verhandlungen über die Aufträge für den Druck der Stimmzettel zu führen, und nicht zuletzt muss die vom Land Hessen zur Verfügung gestellte Wahlsoftware „ekom21“ reibungslos funktinieren.

Der Druck von 250 000 Stimmzetteln – man kalkuliert von vornherein keine 100-prozentige Wahlbeteiligung ein – zuzüglich der Umschläge und des Portos schlagen beim Kreis mit 12 000 Euro zu Buche. Eingerechnet sind hier auch die Kosten für amtliche Bekanntmachungen in der Presse. Die Organisation und Kostenübernahme für die Wahlen zu Stadtverordentenversammlungen und Gemeindevertretungen liegen ausschließlich bei den Kommunen. „Die tragen ihre Kreis-Ergebnisse online via ,ekom‘ in unsere Listen ein“, so Schildt. Außerdem werden die Ergebnisse dem Hessischen Statistischen Landesamt gemeldet. Die Kreis-Wahlleitung prüft die aus dem Kreis gemeldeten Daten, so dass die Pressestelle das Ergebnis auf die Homepage des Kreises stellen kann.

Nicht immer klappt alles wie vorgesehen. Es sei auch schon vorgekommen, dass in einer Kommune der Wahlvorstand nach Beendigung der Wahl „ein anderes Lokal als das Wahllokal aufgesucht hat, aber die Stimmen nicht auszählte“, berichtet der Kreis-Wahlleiter. Das führte dann zu hektischen Suchaktionen in der Kneipenszene vor Ort. Außerdem gebe es hin und wieder auch technische Schwierigkeiten mit dem Computerprogramm. Schild und seine Mitarbeiterin Svenja Staudt hoffen auf eine hohe Wahlbeteiligung. „Dafür arbeiten wir am Wahlsonntag auch gern länger.“

Das zunehmende Desinteresse an der aktiven Demokratie führen sie auf die nachlassenden Bindungskräfte der Parteien zurück. Auch gebe es immer weniger klassische Bevölkerungsmilieus, die sich fest an bestimmte Parteien gebunden fühlten. Überragende Charakterköpfe des Polit-Betriebs fehlten ebenso. Hinzu komme, dass gesellschaftliche und politische Probleme und ihre Lösungen immer komplexer und die Parteienprofile immer schwammiger würden. „Die Leute fühlen sich überfordert. Und die Reaktion ist: Sie ziehen sich ganz zurück“, bedauert Schild.

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