Helfer für den Artenschutz

Naturschützer der Kolpingfamilie stellen Jahresbericht vor

Fünf junge Turmfalken, die bald ausfliegen. Nur der sechste, hinten links in der Ecke, ist noch weit mit seiner Entwicklung zurück.
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Fünf junge Turmfalken, die bald ausfliegen. Nur der sechste, hinten links in der Ecke, ist noch weit mit seiner Entwicklung zurück.

Wenn die Temperaturen im Frühling wieder steigen, werden nicht nur die Menschen aktiver, sondern auch die Vogelwelt beginnt mit ihrem alljährlichen Brutverhalten. Für die Artenvielfalt der heimischen Vögel setzt sich in Dietzenbach unter anderem die Kolping Naturschutzgruppe ein. Nun hat sie ihren jährlichen Bericht vorgelegt. Demnach konnten die Naturschützer im vergangenen Jahr einige Erfolge verzeichnen.

Dietzenbach – Zu den Langzeitprojekten im Vogelschutz zählte unter anderem die Errichtung eines Storchennestes. Ältere Leser werden sich erinnern, dass auf dem Dach der Alten Schule, in der heute die Polizei ihr Domizil hat, auch mal ein Storchennest angebracht war. Allerdings war es zuletzt 1958 von den schwarz-weißen Vögeln besetzt. Schon seit 2016 wollte die Naturschutzgruppe deshalb ein Storchennest erbauen. Dank Spendern gelang es im vergangenen Jahr, das Nest auf der Wiese gegenüber des Reiterhofs Akita zu errichten (wir berichteten). Seit September wartet es nun bezugsfertig auf seine ersten gefiederten Mieter.

Ein Vogel, der vor allem in direkter Nachbarschaft oft weniger Liebhaber hat, ist die Saatkrähe. Denn wenn die schwarzen Vögel den Schnabel aufreißen, kann es der Kolping Naturschutzgruppe zufolge schon mal sehr laut werden. Die Saatkrähe sei noch eine relativ neue Vogelart in der Kreisstadt. Erst 2017 habe man zum ersten Mal die Krähe in der Lise-Meitner-Straße beobachtet, berichten die Naturschützer. Im vergangenen Jahr konnten dann bereits 109 Brutpaare gezählt werden. Da die Saatkrähe auf der Roten Liste der gefährdeten Arten steht, wollen die Naturschützer den Bestand der Tiere in Dietzenbach über Jahre hinweg erfassen und umfangreiche Daten sammeln.

Einen ebenfalls wichtigen Einsatz hatten die Naturschützer bei den Turmfalken. Die Raubvögel legten vergangenes Jahr jeweils nur drei bis vier Eier, was eher auf ein Jahr mit geringerem Mäusebestand schließen lasse, heißt es im Bericht. Einige Jungtiere, die es beim Ausfliegen nicht gleich schafften und auf Straßen und Gehwegen landeten, habe man retten können. Die Kolping Naturschützer haben außerdem den Vögeln beispielsweise mit Fütterungen über den Winter geholfen und Veranstaltungen zur Weiterbildung mit Kindern und Erwachsenen gemacht.

Doch wie kann jeder seinen persönlichen Beitrag zum Erhalt der Vogelwelt in der Kreisstadt leisten? Rudolf Keil, engagiert in der Naturschutzgruppe der Dietzenbacher Kolpingfamilie und Vogelexperte, hat dafür einige Tipps: „Wichtig ist der Erhalt der Hecken, denn viele heimische Vögel brüten darin.“ Mit Bedauern stelle er fest, dass immer mehr Menschen sich Kiesvorgärten und Zäune statt Hecken zur Begrenzung des Grundstücks anschaffen. „Natürlich ist das ganze mit Arbeit verbunden, aber wer einen kleinen Teich und eine Hecke hat, der wird eine große Artenvielfalt im Garten haben“, sagt Keil. Von zu vielen Nistkästen im Garten rät er allerdings eher ab: „Einer reicht meistens, da ein Garten nur begrenzt Nahrung bieten kann und wenn der Nachbar schon welche aufhängt, dann kann es sein, dass der Nistkasten im eigenen Garten leer bleibt.“

(Von Lukas Reus)

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