Herz schlägt für die Altenpflege

Ishmatu Dainkeh ist der Liebe wegen nach Deutschland gekommen

Ausbildung geschafft: Altenpflegerin Ishmatu Dainkeh denkt aber schon an den nächsten Schritt.
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Ausbildung geschafft: Altenpflegerin Ishmatu Dainkeh denkt aber schon an den nächsten Schritt.

Ihre vier Töchter halten Ishmatu Dainkeh gut auf Trab. Zwischen Homeschooling und Kindergarten hat die 31-Jährige nun ihre eigene Ausbildung zur Pflegefachkraft absolviert und die Prüfung erfolgreich bestanden. Als wäre dies nicht schon Herausforderung genug, ging der Ausbildung ein Deutsch-Kurs voraus. Die Westafrikanerin ist ihrer Liebe vor acht Jahren von Sierra Leone nach Deutschland gefolgt – mit Zielen vor Augen. „Mein Mann findet, ich bin eine Powerfrau“, sagt Dainkeh, stolz und bescheiden zugleich.

Dietzenbach – Ihre Liebesgeschichte beginnt, als ihr heutiger Ehemann, der schon seit seiner Kindheit in Deutschland lebt, zu Besuch im alten Heimatort in Sierra Leone ist. Auf einer Party lernen sie sich kennen und schnell ist klar, dass Ishmatu ihm folgen will. „Dafür musste ich aber erst einmal Deutsch lernen“, erzählt sie. So reist sie zunächst für ein halbes Jahr in das mehr als tausend Kilometer entfernte Ghana, um dort an einem Deutschkurs teilzunehmen. Dann tritt sie die Reise Richtung Deutschland an.

„Das alles nebenher zu machen, war schon manchmal schwierig“

Dort angekommen besucht sie weitere Sprachkurse. Der Nachwuchs kündigt sich an. Während der Ehemann als Elektriker arbeitet, will die Mutter ebenfalls einem Beruf nachgehen. „Wegen meiner Sprachkenntnisse habe ich aber immer Zweifel gehabt“, betont sie. Sie wendet sich ans Arbeitsamt, um eine Stelle zu finden, die sich mit Schul- und Kindergartenzeiten vereinbaren lässt. In einem Gespräch kristallisierte sich heraus, wofür Dainkehs Herz schlägt: die Altenpflege. „In Sierra Leone habe ich mich schon um meine Großeltern gekümmert“, sagt die 31-Jährige. Da habe sie gemerkt, wie sehr ihr dieser Beruf liegt. „Man braucht Empathie – die habe ich“.

Nach einem zweimonatigen Praktikum im Haus Ulmenhof in Sprendlingen stand für Ishmatu Dainkeh fest, dass sie ihre Ausbildung dort absolvieren würde. Zweifel blieben dennoch: „Das alles nebenher zu machen, war schon manchmal schwierig“, meint die Dietzenbacherin und erzählt von Klassenkameraden in der Berufsschule, die teilweise abgebrochen haben. Die Coronapandemie erleichterte den Unterricht ebenfalls nicht, eher im Gegenteil. Für die 31-Jährige waren ihre Kinder jedoch kein Hindernis, sondern eine große Motivation. „Mein Mann war auch eine große Unterstützung.“

„Danach stehen mir weitere Türen offen“

Stolz auf ihren Abschluss ist die frischgebackene Altenpflegehelferin allemal. Auch die Zweifel wegen ihrer Sprachkenntnisse wurden kleiner: „In diesem Beruf muss ich eben den Mund aufmachen und mit den Menschen reden – es geht ja nicht anders“, sagt sie und lacht. Inzwischen genießt Dainkeh die Gespräche, die sich mit den Bewohnern des Seniorenheims ergeben.

Und doch reicht es der Powerfrau noch nicht. Im Herbst geht es weiter: In der Langener Asklepios-Klinik beginnt sie eine zweite Ausbildung zur Pflegefachkraft. Die Lehrjahre als Altenpflegehelferin kann sie sich anrechnen lassen. Dainkeh freut sich: „Danach stehen mir weitere Türen offen.“ (Lisa Schmedemann)

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