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Kreis Offenbach als Testregion: Bahn und RMV planen weltweit erste autonome Shuttle-Flotte im ÖPNV

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Von: Jutta Rippegather

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Die Vorläufer des autonomen Fahrens. Christoph Boeckheler
Die Vorläufer des autonomen Fahrens. Christoph Boeckheler © Christoph Boeckheler

Der RMV und die Bahn starten ein Projekt mit 15 E-Fahrzeugen. Die Unternehmen sprechen von einer „Blaupause für Mobilität der Zukunft“.

Frankfurt – Mit der RMV-App die Fahrt buchen. Zehn Minuten stoppt der Wagen nahe der Wohnung und schon geht die Reise flott los. Ohne Chauffeur oder Chauffeurin – der Fahrersitz des E-Wagens bleibt leer. Was heute noch nach Science-Fiction klingt, soll schon im nächsten Jahr Realität werden. Gemeinsam mit der Deutschen Bahn (DB) Regio zündet der Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) in einem Jahr die nächste Stufe beim On-demand-Verkehr: Angekündigt ist „die weltweit erste autonome Shuttle-Flotte, die vollständig in den Regelbetrieb des öffentlichen Personennahverkehrs integriert sein soll“.

In der zweiten Hälfte 2023 sollen die 15 Limousinen des chinesischen Herstellers Nio an den offiziellen Start gehen. Als Testfeld ausgeschaut ist der Kreis Offenbach und Darmstadt, denn dort sind die flexiblen Ergänzungen zum öffentlichen Nahverkehr schon länger etabliert. Die Spielregeln – etwa das Buchen oder die Tarife – bleiben die gewohnten, sagt RMV-Geschäftsführer André Kavai am Montag bei der Jahrestagung des Verbands Deutscher Verkehrsunternehmen in Frankfurt. Neu hinzu kommt, dass der Platz hinter dem Lenkrad nach einer kurzen Anfangsphase mit Sicherheitspersonal leer bleiben wird. Nach Darstellung der Branche spart dies Kosten für Fahrer:innen, die auf dem Arbeitsmarkt ohnehin händeringend gesucht werden.

Das Gesetz

Im Mai hatte der Bundesrat der Verordnung zum autonomen Fahren (AFGBV) des Bundesverkehrsministeriums zugestimmt. Die erleichtert ein automatisiertes Fahrangebot.

Beim Level 4 , auch „voll automatisiertes Fahren“ genannt, sind bestimmte Strecken und Betriebsbereiche festgelegt. Sie müssen durch einen Menschen technisch beaufsichtigt werden können.

Level-5-Fahrzeuge fahren überall vollautonom und benötigen keinerlei menschlichen Zugriff mehr. jur

Autonomer Shuttle von Bahn und RMV: Förderzusagen fehlen noch – Zeitplan steht

Die offiziellen Förderzusagen von Bund und Land fehlen zwar noch. Doch der Zeitplan steht und auch die Entscheidung für den Fahrzeugtyp ist gefallen. Ein Exemplar davon steht am Montag vor der Tür des Kap Europa an der Messe. Mit einem baugleichen Fahrzeug habe er dieser Tage mit seinen vier Kindern und seiner Frau einen Ausflug in Jerusalem gemacht, sagt Mobileye-Vizepräsident Johann Jungwirth und erläutert die technischen Details: Sieben Sitzplätze, die 100-Kilowattbatterie hält den ganzen Tag, ein „Kameragürtel“ und Sensoren sorgen für Sicherheit, ein geräumiger Kofferraum für Kinderwagen oder Rollstuhl für Komfort. Auch im Winter seien die Testfahrten „sehr erfolgreich“ verlaufen. Am meisten Probleme bereite Nebel. Wieso sollte es der Technik anders ergehen als dem Menschen?

Die Vorgängergeneration: Neben dem Nio stehen Beispiele aus der On-demand-Vorgängergeneration im RMV-Gebiet. Der Hopper aus dem Kreis Offenbach oder die Heinerline aus Darmstadt. Auch Easy fällt unter diese Rubrik – das kleine Wägelchen, das fahrerlos etwa am Frankfurter Mainufer unterwegs war. Mit einer Geschwindigkeit von acht Kilometern pro Stunde eher ein Gag denn eine ernstzunehmende Fahrmöglichkeit.

Die Nios hingegen sollen als vollwertige Fahrzeuge genauso schnell sein, wie der Rest des Verkehrs.Für Jörg Sandvoß von der DB Region ist autonomes On-demand-Fahren ein wichtiges Werkzeug im Kampf gegen den Klimawandel. „Wir brauchen vernetzte Mobilität, wenn wir deutlich mehr Leute ins System bringen wollen“, sagt der Vorstandsvorsitzende. Ziel müsse sein, dass die Menschen das Auto stehenlassen, es nicht mehr brauchen, um von A nach B zu kommen. In der Stadt wie in ländlichen Gebieten.

Weiße Flecken: „Dazu“, sagt Sandvoß, „müssen wir die weißen Flecken schließen und noch attraktiver werden.“ Die aktuellen Erfahrungen mit dem Neun-Euro-Ticket zeigten, dass nicht alleine der Preis stimmen muss, sondern auch das Angebot. Der Vorstandsvorsitzende ist sicher, dass die autonome Shuttle-Flotte des RMV der Auftakt für eine weitreichende Veränderung sein kann: „Das ist eine Blaupause für die Mobilität der Zukunft.“

Derzeit befinden sich in Hessen bereits rund 35 On-Demand-Fahrzeuge beim RMV im Einsatz.

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