Hip-Hop als Inspiration

Neues Modelabel „Haeist“ will Szene aufmischen

Knüpfen an die Mode-Tradition in Dietzenbach an: Damian Richter (links) und László Miller mit ihren Kollektionen.
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Knüpfen an die Mode-Tradition in Dietzenbach an: Damian Richter (links) und László Miller mit ihren Kollektionen.

Ein junges Modelabel aus Dietzenbach will in der großen Welt der Streetwear-Mode mitmischen.

Dietzenbach – Mehr als 20 Jahre ist es her, dass man Dietzenbach in einem Satz mit den Mode-Hochburgen Paris, New York oder Mailand nannte, denn bis in die 1990er Jahre residierte die international tätige Firma „Dolores Strickmoden, Richter GmbH & Co. KG“ (Dolores) in dem markanten Gebäude in der Philipp-Reis-Straße 4. Viele Damen von Welt dürften auch heute noch das ein oder andere edle Stück aus dem Haus Dolores ihr Eigen nennen.

Im Jahr 1994 kam das Aus und Dolores-Moden wurde verkauft. Sehr lange gab es also kein Modelabel mehr in Dietzenbach. Doch es gibt Hoffnung, denn das junge Dietzenbacher Modelabel Haeist möchte in der großen Welt der Streetwear-Mode mitmischen und fordert die Szene heraus. Das Experiment hat gute Voraussetzungen, denn einer der beiden Gründer, der 30-jährige Damian Richter, hat die Kreativität und das Gespür für die moderne Mode von seinem Opa Dieter Richter – Inhaber von Dolores – in die Wiege gelegt bekommen. Damians langjähriger Freund und Geschäftspartner László Miller (25) ist für Vertrieb und Marketing zuständig. Beide sind Kinder der Hip-Hop-Szene, die die Jugend in den 1990er Jahren in ihren Bann zog.

Dritte Kollektion „Kamikaze Eyes“ vor der Veröffentlichung

Rap-Musik, Graffiti, Skateboard fahren und Breakdance waren angesagt. Dass sich aus dieser Szene mal ein neues Modelabel entwickeln sollte, war reiner Zufall: „Wir saßen mit Freunden zusammen und es kam die Idee auf, dass wir ein T-Shirt entwerfen sollten“, sagt Richter. „Der Erfolg war umwerfend und hat uns richtig angespornt.“ Zwei Kollektionen sind bereits fertiggestellt und verkauft, jetzt steht die dritte Kollektion „Kamikaze Eyes“ vor der Veröffentlichung. Die Verbundenheit zur Hip-Hop-Szene verarbeiten die beiden Modemacher in ihren Produkten. So finden sich Begriffe wie „Hit a lick“ (Schnelles Geld machen) auf ihren T-Shirts. Doch aufs schnelle Geld sind die beiden nicht aus: „Wir produzieren nur eine festgelegte Stückzahl“, sagt Miller. „Wenn die Kollektion verkauft ist, dann wird nicht nachproduziert.“

Modelabel aus Dietzenbach: „Im Moment verkaufen wir nach Deutschland, Österreich und Schweiz“

Wie die beiden vorangegangenen Kollektionen verkörpert auch diese die Philosophie des jungen Unternehmens. Die Produkte gehen weg wie warme Semmeln, wenn auch der Umsatz noch nicht so hoch ist, dass sich die beiden hauptberuflich um ihr neues Geschäft kümmern dürfen. Inzwischen hat die junge Firma ihr Domizil zwischen den Mauern von Dolores bezogen. Im Souterrain befinden sich die Büro- und Lagerräume. Für die Kreativität ist Richter zuständig. Seit dem Abschluss seiner Lehre als Metallgestalter studiert er Innenarchitektur. Sein Partner Miller ist seiner betriebswirtschaftlichen Ader gefolgt und studiert Wirtschaftswissenschaften. Der Verkauf erfolgt nur online. Der Hauptvertriebskanal ist das soziale Netzwerk Instagram. Dort werden Produktfotos präsentiert. „Im Moment verkaufen wir nach Deutschland, Österreich und Schweiz.“

Dietzenbach (Kreis Offenbach): Neues Modelabel will die Szene aufmischen

Natürlich denken sie an eine Expansion, aber beide haben einen Grundsatz, von dem sie nicht abweichen: „Die Streetwear-Szene ist inzwischen erstarrt“, sagt Miller. „Alle kopieren nur noch von einander, der Profit steht oben an und es fehlt eindeutig der Esprit.“ Deshalb wollen die Jungs hoch hinaus: „Wir wollen die Szene übernehmen und mit unseren Produkten wieder die Ehrlichkeit zurückbringen“, sagt Richter. „Die Streetwear ist – inspiriert durch die damalige Arbeitsbekleidung (Workwear) – aus der Hip-Hop Szene entstanden.“ Menschen trugen ihre Arbeitsbekleidung auf den Straßen. Nach und nach hat sich die bequeme, aber hochwertige Streetwear entwickelt. „Unsere Ware ist extrem hochwertig“, berichtet Richter. „Und wir finden, dass die Preise, die derzeit in der Branche verlangt werden, zu hoch sind.“ Haeist liege ungefähr 30 Prozent unter den Preisen der Konkurrenz. „Aber die Qualität unserer Produkte ist trotzdem viel besser“, meint Miller.

Derzeit stehen sie in Verhandlung mit Produzenten in Portugal, denn ihre Kleidung soll einmal nachhaltig sein und fair produziert werden. „Wir wollen die Produktion nach Europa verlagern“, erklärt Richter. „Hier können wir den Prozess viel besser steuern als im asiatischen Raum.“ (Burghard Wittekopf) Infos: haeist.com

„Sesam öffne dich“ – der magische Spruch aus der Ali-Baba-Geschichte könnte das grundlegende Motto für eines der innovativsten Unternehmen aus Dietzenbach sein.

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