Hobbyimker Michael Edelmann hat sich einen Traum erfüllt

Herr über 30 Völker

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Dietzenbach - In einem Schrebergarten kümmert sich Michael Edelmann um 30 Bienenvölker. Der Hobbyimker führt schwache Bienen, die den Winter nicht gut überstanden haben, mit starken zusammen. Von Anna Scholze

In einem Schrebergarten, der an einen verwunschenen Pfad erinnert, hat Michael Edelmann zahlreiche Bienenstöcke aufgestellt. Emsig fliegen die Tierchen aus ihrer Behausung und suchen die Gegend nach Blütensaft ab. Der Wunsch, eigene Bienenvölker zu besitzen, hat einige Zeit in Edelmann geschlummert. In Erfüllung gegangen ist er, als die Frau des Hobby-Imkers ihm ein Buch zu dem Thema geschenkt hat. „Ich habe es sofort im Urlaub gelesen und mir danach weitere Lektüre besorgt“, erinnert er sich. Im Jahr 2014 konnte Edelmann dann drei Völker sein eigen nennen, die bis zum heutigen Tage auf 30 angewachsen sind.

Mit seiner Arbeit als Bienenzüchter vollbringt Edelmann für die Erhaltung der Lebensmittelvielfalt einen wichtigen Beitrag. Denn Forscher haben laut Deutschem Imkerbund festgestellt, dass jährlich immer mehr Bienen von unserer Erde verschwinden. Sterben die Insekten vollständig aus, hat das zur Folge, dass die Ernte von Obst und Gemüse um ein Vielfaches kleiner sein wird. Dies könnte bei den Menschen laut Wissenschaftlern zu schwerwiegenden Mangelerscheinungen führen. Die genauen Ursachen für das Bienensterben sind bisher jedoch nicht bekannt. Es wird angenommen, dass etwa neben den Pestiziden, die in der Landwirtschaft verwendet werden, die Varroa-Milbe schuld ist. So erzählt auch Edelmann, der sich auf die Rasse „Mellifera Carnica“ spezialisiert hat, dass er im letzten Winter durch den Parasiten Verluste hatte.

Um das Risiko eines Milben-Befalls einzudämmen, behandelt er seine Bienen nach der Honigernte im Juli mit Ameisensäure. „Das Sekret der Insekten ist aggressiv genug, um durch die Wachswand der Brutwaben zu gelangen“, erklärt Edelmann, der einen Garten in der Nähe der Kreisquerverbindung gepachtet hat. Sobald der Bienen-Nachwuchs geschlüpft ist, reicht eine Behandlung mit Oxal- oder Milchsäure aus.

Doch die Schädlingsbekämpfung alleine genügt nicht, um die für unseren Speiseplan so entscheidenden Lebewesen über den Winter zu bringen. Es ist außerdem vonnöten, dass Edelmann sie im Verlauf der Herbstmonate mit ausreichend Nahrung versorgt. Sinken die Gradzahlen nach unten, bilden die Bienen eine Kugel und wärmen sich gegenseitig. Jede von ihnen bewegt in der sogenannten Wintertraube kräftig ihre Flügelmuskulatur und sorgt so, gemeinsam mit den anderen, für eine Temperatur von 25 bis 30 Grad. Edelmanns Aufgabe während der kalten Tage besteht darin, gelegentlich den Deckel der künstlichen Nisthöhlen zu lupfen und festzustellen, ob die Königin noch da ist. Denn es kann sein, dass die Anführerin der Bienen, die auch Weisel genannt wird, den Minusgraden zum Opfer fällt.

Mann mit 45 Kilo schwerem Bienenschwarm bedeckt

Anzug aus Bienen
Anzug aus Bienen
Anzug aus Bienen
Anzug aus Bienen
Mann mit 45 Kilo schwerem Bienenschwarm bedeckt

Im Februar steht dann das große Reinemachen an. Edelmann sortiert alte Waben aus, um Platz für neue zu schaffen. „Außerdem führe ich schwache Völker, die den Winter nicht gut überstanden haben, mit starken zusammen“, schildert er. Parallel dazu beginnt der Bienenfreund mit der Ableger-Bildung. Dazu entnimmt Edelmann aus einem bereits bestehenden Volk Brutwaben und Bienen und siedelt sie in einen neuen Stock um. Ist dies vollbracht, beginnt eine spannende Phase, denn es bleibt abzuwarten, inwiefern sich das Jungvolk ein Leittier zieht. Geschieht das nicht, setzt der Hobby-Imker eine Zuchtkönigin hinzu.

Eine andere Möglichkeit für den Naturliebhaber, seine Völker weiter zu vergrößern, ist die Bildung eines Kunstschwarmes. So hat Edelmann etwa im Juli die Brut von unterschiedlichen Bienenvölkern entnommen und nach ihrer Geburt in einen Kunstschwarmstock gesetzt. „Ich habe den Stock in den ersten zwei Tagen in meinen Keller gestellt“, erzählt er. Die Abgeschiedenheit des dunklen Raumes gibt den verschiedenen Völkern die Möglichkeit, sich aneinander zu gewöhnen. Haben sich die Bienen miteinander bekannt gemacht, ist es für Edelmann an der Zeit, eine Königin hinzuzusetzen „Der Weisel wird in einem Käfig mit Futterdeckel in die Kiste gesetzt“, erklärt er. Auch hier dauert es ungefähr 48 Stunden, bis sich die Arbeiterinnen durch den Deckel gefressen haben und die Bienenkönigin befreit ist. In dieser Zeit verbreiten sich die Pheromone der Bienen-Chefin im Stock und sorgen laut Edelmann dafür, dass sie nach ihrer Befreiung von ihrem Volk akzeptiert wird.

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