Wer heiraten will, muss reisen

Einmal Aufgebot und zurück

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Wer in Dietzenbach heiraten will, muss künftig erst nach Offenbach reisen.

Dietzenbach - Wer in der Kreisstadt eine Hochzeit plant, muss reisen. Denn das Aufgebot kann er künftig nur noch in Offenbach bestellen. Von Christoph Zöllner

Das gehört zu den Konsequenzen einer interkommunalen Zusammenarbeit beim Standesamt, für die sich eine klare parlamentarische Mehrheit abzeichnet. Auch wer einen Neugeborenen anmelden oder seinen Namen ändern will, eine Sterbe- oder Geburtsurkunde benötigt, muss schon bald den Weg in die Lederstadt antreten. Denn Offenbach soll sowohl die Aufgaben des Dietzenbacher Standesamtes als auch eine Mitarbeiterin übernehmen.

Unterm Strich könnten damit im hiesigen Rathaus 27.000 Euro eingespart werden. Langfristig sollen weitere 72.000 Euro hinzukommen, wenn für die Abteilungsleiterin eine gleich hoch besoldete Stelle in einem anderen Bereich frei wird. „Warum schafft es Offenbach, diese Aufgaben zu übernehmen?“, fragte Jens Hinrichsen (GDL) bei der jüngsten Ausschusssitzung. Laut Fachbereichsleiterin Gabi Rützel beschäftigt die Stadt Offenbach bereits acht Mitarbeiter, so dass diese sich gegenseitig vertreten könnten. In Dietzenbach sei es zuletzt immer wieder zu Engpässen gekommen, da eine dritte Stelle seit geraumer Zeit unbesetzt sei. So weilte vor Weihnachten eine Mitarbeiterin im Urlaub, und die andere war erkrankt. Eine bereits angesetzte Trauung hätte abgesagt werden müssen, wenn nicht eine bereits pensionierte, ehemalige Mitarbeiterin eingesprungen wäre, so Rützel: „Die Absage einer Heirat kann man den Bürgern nicht vermitteln.“

„Wieso ausgerechnet Offenbach?“, wunderte sich FDP-Fraktions-Chef Artus Rosenbusch angesichts der Entfernung zwischen den beiden Städten. Bürgermeister Jürgen Rogg zufolge sind benachbarte Kreiskommunen entweder mit der S-Bahn nicht so gut erreichbar wie Offenbach oder schlichtweg nicht interessiert an einer Zusammenarbeit. „Mit Offenbach waren die Synergien schnell gefunden“, sagte er. „Sind denn die Kosten für die Bürger mit eingerechnet worden?“, fragte Izmet Küpelikilinc (GDL), der auf Fahrtkosten und Parkgebühren anspielte. „Das war nicht unser Auftrag“, sagte Rützel. „Wir sollten Personal- und Sachkosten einsparen.“ Immerhin: Trauungen seien weiterhin in Dietzenbach möglich, im Rathaus oder im Heimatmuseum, verdeutlichte sie.

„Irgendwann haben wir ein zu großes Rathaus“, sagte Hinrichsen im Hinblick auf den sich abzeichnenden Personalabbau bei der Stadtverwaltung. „Auch dazu gibt es bereits Überlegungen“, sagte Rützel. So sei es denkbar, die frei werdenden Büros an die Stadtwerke zu vermieten, die in den nächsten Jahren neue Geschäftsfelder erschließen sollen (wir berichteten). Dies ließ bei CDU-Chef Helmut Butterweck die Alarmglocken schrillen: „Dem personellen Expansionsdrang der Stadtwerke müssen wir Einhalt gebieten.“ Neue Geschäftsfelder sollten mit der gleichen Belegschaft bewerkstelligt werden.

Über die Standesamts-Vorlage entscheiden die Parlamentarier am Freitag, 1. Februar. Bis auf die GDL, die sich enthielt, votierten in der Ausschusssitzung alle Fraktionen dafür. In Offenbach soll das Parlament im März abstimmen; niemand zweifelt an dessen Ja-Wort.

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