Entstanden aus Heimatliebe

Neue Karte mit alten Gewannnamen und Tagestourempfehlung

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Lars Höfer zeigt den neuen Dietzenbach Stadtplan im Maßstab 1:12500.

Dietzenbach - In den 1980er Jahren präsentierte der Höfer Verlag seinen ersten Dietzenbach-Stadtplan. Nun gibt es eine Neuauflage. Von Barbara Scholze 

Neue Straßen und Plätze, ein paar aktuelle Aussichtspunkte und Wohngebiete: Ein Blick auf das gegenwärtige Straßenbild der Kreisstadt ist nach langer Zeit wieder möglich. Pünktlich zur Weihnachtszeit hat der Höfer Verlag einen neuen Stadtplan für Dietzenbach aufgelegt. Damit reagiert das Unternehmen auf zahlreiche Nachfragen. Gibt es doch kaum noch gedruckte Karten und wenn, dann sind sie meist veraltet.

Einen ersten Stadtplan zum damals noch wesentlich kleineren Dietzenbach hatte der Verlag in den 1980er Jahren auf den Markt gebracht. Eine weitere Auflage folgte rund zehn Jahre später. „Jetzt hat es etwas länger gedauert, aber der Bedarf ist tatsächlich groß“, sagt Lars Höfer, seit 2015 Geschäftsführer des auf Straßenkarten spezialisierten Dietzenbacher Verlages. Eine Kooperation mit der Stadtverwaltung sei dieses Mal allerdings nicht zustande gekommen.

Wichtig war dem Verlagsteam vor allem eine Karte ohne Werbung. „Der Kunde soll sich auf das Produkt konzentrieren können“, meint Höfer. Dabei zeigt der Plan im Maßstab 1:12500 nicht nur die frisch geschaffenen Wohngebiete samt Straßennamen. Auch das, was gerade erst im Bau ist, ist bedacht, etwa das neue Seniorenheim an der Offenbacher Straße. Dazu gibt es einen Vorschlag für eine Tagestour rund um Dietzenbach mit Besuchen am Trinkborn in der Altstadt, dem Aussichtsturm auf dem Wingertsberg und dem Controlware-Park in Steinberg. Als besonderes Schmankerl haben die Kartenmacher alte Gewannnamen eingetragen. Der Leser findet Areale wie „Bei der Stierruh“, „Das Aberle“ und „In den gierigen Äckern“. Erhältlich ist der neue Stadtplan ab sofort auch in den örtlichen Buchhandlungen, weitere Infos gibt es auf stadtplan-dietzenbach.de. Bestellt werden kann er auch in „plano“, also ungefaltet.

Entstanden ist der Stadtplan ein bisschen aus „Liebe“ zur Heimatstadt. Seit mehr als 30 Jahren beschäftigt sich der Höfer-Verlag mit Kartografie. Allerdings weit über Dietzenbach hinaus, meist für Osteuropa. Mit seinen Produkten gilt das Unternehmen als Marktführer im Bereich der zweisprachigen Straßenkarten für Länder wie Polen, Tschechien, Rumänien und Slowenien.

Der gelernte Kartograf Klaus Höfer gründete die Firma im Jahr 1985, sein erstes Werk war ein Plan zum Egerland in der damaligen Tschechoslowakei in der Landessprache und zusätzlich mit deutscher Beschriftung und Namen aus der Zeit des Zweiten Weltkrieges. „Das war von Anfang an ein großer Erfolg“, sagt er.

Vor allem Heimatvertriebene freuten sich über die Karten, die ihnen ermöglichten, alte Stätten, ja sogar nicht mehr existente Ortschaften wiederzufinden und so Identität und Familiengeschichte zu bearbeiten. Später folgten Pläne für Polen, Rumänien und Slowenien. „Es geht dabei nicht nur um Reisen, sondern auch darum, Menschen zu helfen, eigene Spuren zu finden“, sagt Lars Höfer. An oberster Stelle stehe immer der staatsrechtliche Status Quo, aber auch Historisches soll nachvollziehbar sein.

Bilder: Kerb in Dietzenbach

Notwendig sind dazu aufwendige Recherchen mit Informanten vor Ort sowie durch Luft- und Satellitenbilder. „Damit finden wir tatsächlich Ortschaften, die es gar nicht mehr gibt, wir sehen einen Wassertümpel, suchen nach Gebäuden in der Nähe und können den Rest eines Weges zuordnen.“ Noch heute sind auf den Höferschen Karten Strichlinien zu Straßen verzeichnet, die lange Vergangenheit sind. „Selbst wenn sie manchmal mitten durch ein Gebäude gehen“, sagt Höfer.

Entsprechend hilft der Verlag, Fragen zu beantworten wie „Wo habe ich als Kind gewohnt?“ oder „Wo haben meine Großeltern einst gelebt?“. „Heute kommen zwar nicht mehr die Betroffenen der Kriegswirren, dafür aber die Enkelkinder“, weiß das Team. Ausgeweitet hat der Verlag sein Angebot aber auch schon lange auf Touristisches, etwa mit einer Karte zu 240 Hausbrauereien in Tschechien und einer Freizeit- und Ausflugskarte für Rügen.

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